Vorstellung: Lyn Polglaze, Direktorin bei Tranqulity Hale

Diversity-Talk: „Erhaltet Euch echte Liebe und Leidenschaft für Euer Interessengebiet“

Gabriela Motroc

Frauen sind im Tech-Sektor unterrepräsentiert – Mythos oder Realität? In unserer Reihe zur Diversität in der Tech-Branche kommen inspirierende Frauen der Szene zur Wort. Heute möchten wir Ihnen Lyn Polglaze vorstellen, Direktorin von Tranquility Halo.

Eine Forschungsstudie des National Center for Women & Information Technology hat gezeigt, dass Gender-Diversität spezifische Vorteile im Technologieumfeld hat. Mittlerweile investieren Technologieunternehmen zunehmend in Vorhaben, die darauf abzielen, die Zahl der weiblichen Bewerber zu erhöhen, sie effektiver zu rekrutieren, sie länger zu halten und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln. Aber reicht das? Antworten darauf gibt Lyn Polglaze, Direktorin von Tranquility Halo.

Frauen im Technik-Sektor – Die Umfrage

Wir wollen der Frage auf den Grund gehen, warum Gender Diversity für die Technikszene eine Herausforderung bleibt. Deshalb laden wir Sie alle ein, unsere Diversity-Studie auszufüllen. Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns!

Ihr Beitrag hilft uns dabei, jene Probleme im Zusammenhang mit Diversity zu identifizieren, die uns daran hindern, die Gleichstellung der Geschlechter in Technologiearbeitsplätzen zu erreichen.

Lyn Polglaze, Direktorin bei Tranquility Halo

Lyn ist Direktorin bei Tranquility Halo. Sie hat einen Abschluss in Computerwissenschaften der University of New England und vor ihrer Arbeit bei Tranquility Halo eine Stelle im Corporate Services Team von Commonwealth Health. Sie mag Pferde und schnelle Autos.

Warum haben Sie angefangen, sich für Technik zu interessieren?

Meine früheste Erfahrung mit Technologie war eine Faszination für ein altes Pacman-Spiel, das ich während der Sommerferien beim Besuch im Haus einer Freundin fand. Ihre Eltern installierten es auf einem alten Apple. Wie die meisten Kinder habe ich es geliebt! Ein großartiges Problemlösungsspiel – und seitdem bin ich ziemlich süchtig.

Kurz darauf war ich gezwungen, die Schule zu wechseln. Das war eine schwierige Zeit für mich, aber die neue Schule bot mir neue Möglichkeiten – einschließlich eines einführenden Computerprogrammierkurses, in dem man sein eigenes Computerspiel basteln konnte! Ich habe diesen Kurs geliebt, und er hat mir geholfen, mit der Situation und der neuen Schule fertig zu werden.

Die Leute stellten mir Fragen und lauschten aufmerksam meinen Antworten. Eine fantastische Erfahrung für ein Teenager-Mädchen.

Die ganze Welt war damals dabei, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen – und ich habe diese in der Schule kennengelernt. Die Leute stellten mir alle möglichen Fragen dazu und lauschten aufmerksam meinen Antworten. Eine fantastische Erfahrung für ein Teenager-Mädchen! Diese Erfahrung setzte sich während meiner Schul- und Studienzeit fort. Technik war ein männlich dominiertes Feld – aber wenn ich sprach, hörten die Leute zu. Es gibt einem ein ermächtigendes Gefühl, man fühlt sich geschätzt, wenn Menschen deine Meinungen und Antworten respektieren.

Meine Familie war großartig. Meine Mutter war Krankenschwester. Sie hat mir gezeigt, wie man Verantwortung übernimmt, proaktiv handelt und wie eine Frau führen kann. Sie ist jetzt in den Achtzigern und kann mit ihrer sanften Präsenz, ihrem schönen Lächeln und ihrer Autorität immer noch einen Raum zum Schweigen bringen. Eine unglaubliche Frau!

Nach der Universität war ich beim Australian Governments Department of Commonwealth Health angestellt. Hier habe ich erlebt, wie berufstätige Frauen Positionen mit großer Autorität und Verantwortung eingenommen haben. Es war jedoch ein Mann, der mein größter Mentor war. Ein Mann mit wenigen Worten, der nur dann spricht, wenn es nötig ist. Sehr ehrlich und aufrichtig. Und ich vermute, genau wie meine Mutter hatte er diese ruhige Autorität, die nur besonders tüchtige Menschen an sich haben.

Ein Tag in Lyn’s Leben

Jetzt bin ich Direktorin bei Tranquility Halo. Meine Verantwortlichkeiten haben sich erweitert. Neben dem Coding gehören nun Dinge wie Team-Management, Treffen mit Investoren und Strategieformulierung zu meinem Arbeitstag. Und natürlich geht es darum, immer auf dem neuesten Stand der Entwicklungen in der Branche zu sein.

Ich bin sehr neugierig und suche immer Antworten auf eine Vielzahl von Fragen. Technologie erlaubt es mir, mich kraftvoll auszudrücken und kraftvolle Antworten zu suchen. Dabei gibt es keine Grenzen: Es geht immer um das Lösen eines Rätsels oder Problems (meine erste Liebe), um Kreativität, Innovation und Ingenieurskunst. Ich war schon immer neugierig, und ich finde, das unterscheidet mich von anderen in meinem Bereich.

Worauf sind Sie in Ihrer Karriere am meisten stolz?

Die Entwicklung aufregender neuer Technologien wie das Blockchain-Kartenprojekt bei Tranquility Halo zu unterstützen. Die Blockchain ist so spannend. Eine sichere, verteilte und intelligente Datenbank – die Anwendungsmöglichkeiten sind riesig. Natürlich sind für die Blockchain die Bereiche Finanzen und Bankwesen von Interesse. Aber es gibt noch etliche weitere Branchen, die gezielt angesprochen werden können – Versicherung, Gesundheit, Medizin, Logistik – sogar die Wohlfahrt.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Technikwelt?

Es ist sehr schwierig für eine Frau, die ganzen Verantwortlichkeiten in Einklang zu bringen – berufliche wie familiäre.

Die Technik bewegt sich so schnell. Wer schläft, verliert. Es ist sehr schwierig für eine Frau, die ganzen Verantwortlichkeiten miteinander in Einklang zu bringen – berufliche wie familiäre. Das sind die Belastungen, die ich im Laufe meines Berufslebens kennengelernt habe. Viele talentierte und fähige Frauen steigen in den technischen Bereich ein, arbeiten hart daran, sich weiter zu qualifizieren und wertvolle Erfahrungen zu sammeln, um dann Anfang dreißig den Beruf zu verlassen und Kinder zu bekommen – gerade dann, wenn sie für ihren Arbeitgeber den größten Wert darstellen.

Als Direktor bei Tranquility Halo bin ich in der Lage sicherzustellen, dass diese hochqualifizierten Mitarbeiter alle Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um weiterhin in der Technologiebranche zu arbeiten. Wir haben verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Frauen und jungen Familien zu helfen, beispielsweise durch einen erhöhten Mutterschaftsurlaub und einen Mutter-Kind-Privatsphäre-Raum. Künftig könnten die Maßnahmen auch auf finanzielle Unterstützung für das Einfrieren von Eizellen oder Sperma sowie eine professionelle Kinderbetreuung auf dem Gelände ausgedehnt werden. Es ist eine gute Business-Strategie, die besten und erfahrensten Mitarbeiter zu halten. Und wir streben nach den weltweit besten Verfahren in dieser Hinsicht.

Tipps & Tricks

Erstens: Es ist wichtig, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben, und darin, dass Frauen gleichwertig sind. In technischen Berufen werden Ihnen von Ihren Vorgesetzten wichtige strategische Fragen schon zu Beginn Ihrer Karriere gestellt. Ihr Chef erwartet Antworten. Bleiben Sie also gut informiert, halten Sie sich in der Branche auf dem Laufenden und glauben Sie stets daran, dass Sie in der Lage sind, diese Antworten zu geben.

Zweitens: Finden Sie einen Mentor oder eine Vertrauensperson. Wenn Ihr Unternehmen nicht über ein formelles Mentoring-Programm verfügt, suchen Sie aktiv nach Mentoren. Mentoren sollten hoch qualifiziert und führend in Ihrer Organisation sein. Am besten mit fundierten Kenntnissen der internen Abläufe des gesamten Unternehmens. Solch eine Person kann von unvorstellbarem Wert für eine Frau sein, die ihren ersten Job im Tech-Bereich antritt.

Drittens: Seien Sie ein Fan des Scheiterns – aber nur im positivsten Sinne! Versuchen Sie etwas Neues. Und wenn das Experiment scheitert, machen Sie einfach weiter und seien Sie sicher, dass Sie durch schwierige Erfahrungen etwas gelernt haben.

Und schließlich: Erhalten Sie sich echte Liebe, Leidenschaft und Neugierde für Ihr Interessensgebiet!

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.