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Aufschrei eines funktionalen Programmierers

Diskussion über Bob-Martin-Tweet: Sind funktionale Programmierer arrogant?

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock.com / SoRad

Funktionale Programmierer sind arrogant und elitär. Dieser Vorwurf ist nicht neu, scheinbar aber auch noch längst nicht vom Tisch. Das letzte große Scala-Bashing ist noch keine zwei Jahre her, da befeuert ein Tweet von Robert C. Martin, Initiator des agilen Manifests und des Manifests für Software Craftmanship, die alte Debatte aufs Neue. Ein anderer, der sich im Vergleich zu Martin zwar als „Noob“ bezeichnet, dennoch aber seit fast zwanzig Jahren als professioneller Entwickler, Autor und Berater tätig ist, will das nicht auf sich sitzen lassen. Und so macht Richard Dalton seinem Ärger in einem aktuellen Blogbeitrag Luft.

Es war dieser Tweet des allseits bekannten IT-Gurus „Onkel Bob“, der für Richard Dalton das Fass zum Überlaufen brachte.

Schon seit langem und immer wieder wird der Vorwurf der Arroganz gegen die Anhänger funktionaler Programmierung geführt. Und schon seit den Anfängen der funktionalen Programmierung geistert der Mythos durch die Entwickler-Welt, dass Anfänger von der elitären Attitüde der funktionalen Programmierer abgeschreckt werden.

Richard Dalton hält dagegen. In seinem Blogeintrag Some Functional Programmers Are Arrogant führt er das Problem darauf zurück, dass niemand ein ernsthaftes Interesse zum Erlernen der als schwierig geltenden Sprachen von Haskell bis zu Scala aufbringe. Seine eigene Erfahrung habe ihm gezeigt, dass die Einstiegshürde in funktionale Programmierung nicht die schnell ansteigende Komplexitätskurve sei, sondern die eigene Bereitschaft, sich auf neue Paradigmen einzulassen. 

I know this because I was on the receiving end of this generosity from the moment I showed an interest.

Seit seinem Einstieg hat Dalton die immer wieder vorgebrachten Tweets, Kommentare und Blogbeiträge über die Arroganz funktionaler Programmierer ignoriert. Dass nun aber ein Mann mit Reputation und großer Anhängerschaft wie Bob Martin in die immer gleiche Kerbe schlägt, anstatt seine Erfahrung und sein breites Wissen zur Versachlichung der Debatte einzusetzen, sei schlichtweg unverständlich.

Bob knows that arrogance and ego has been a feature of virtually every discussion in programming. […] From how or whether to TDD, to how or whether to automate deployments. From Waterfall to Agile. From Pragmatism to Craftsmanship to Just Ship It. Hell the Javascript community almost imploded into an argument about semi-colons.

Von jemandem, der sich im Einsatz für Innovation selbst oft genug den Arroganz-Vorwurf zugezogen habe, sei Besseres zu erwarten gewesen. Nun dürfen wir auf Bob Martins Erwiderung gespannt sein . Die Antworten, die er auf seinen Tweet erhalten hat, werden wohl nicht in jedem Fall dazu beitragen, dass er seine Meinung ändert.

Auch wenn es nun an Bob Martin ist, dem geäußerten Ärger inhaltlich zu begegnen, so hat ein gewitzter User bereits eine Art vorzeitiges Schlusswort zur Debatte formuliert, mit dem sich zumindest vorerst alle Parteien weiterhin im Recht fühlen dürfen:

Dessen ungeachtet hat Richard Dalton einen weiteren Text angekündigt, in dem er sich mit der unter Programmierern allgemein auftretenden Phänomen der Arroganz beschäftigen möchte, ohne ein bestimmtes technisches Paradigma dafür verantwortlich zu machen. Auch Lösungsvorschläge hat er angekündigt. Wir verfolgen die Debatte.

Aufmacherbild: Fist via shutterstock.com / Urheberrecht: SoRad

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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