Ein Bericht von der Teched Berlin 2010

"Die Rolle von Java im Kontext von SAP-Produkten bleibt unangefochten"

Florian Müller

Was für Apple-Entwickler die jährliche „World Wide Developer Conference“ (WWDC) ist, wird für SAP-Entwickler und -Kunden durch die sogenannte „Teched“-Konferenz abgedeckt. Vom 12. bis zum 14. Oktober gastierte die Teched in Berlin. Die Rolle von Java im Kontext von SAP-Produkten und -Lösungen bleibt nach wie vor unangefochten.

Gerüchten über ein Ende des Java-basierten SAP Netweaver Application Server trat CTO Vishal Sikka entgegen, indem für das erste Quartal 2011 Netweaver 7.3 angekündigt wurde. Größtes Novum für (SAP-)Java-Entwickler: Netweaver 7.3 ist JEE5 zertifiziert! Entsprechend wird es endlich möglich sein, auch im SAP-Umfeld sämtliche kleinen Helfer wie z.B. Annotations und Typed Collections zu verwenden, oder aber die großen JEE5 Working Horses (EJB 3.0, JPA, JSF etc.) in der Applikation einzusetzen. Zwar wurde JEE5 auch schon von früheren Netweaver-Versionen zu großen Teilen unterstützt, es blieb jedoch immer ein kleiner „Rest-Nervenkitzel“, denn eine offizielle Unterstützung, sprich eine Zertifizierung gab es seitens Walldorf bisher nie.

Für reine Java-Entwickler klingt das fast schon nostalgisch, denn JEE 5 ist ja eigentlich schon Schnee von Gestern, da man sich aktuell auf dem Level JEE 6 bewegt. In der SAP-Welt muss jedoch bedingt durch die heterogene Systemlandschaft und die hohe Installed Base (ca. 62.000 produktive Netweaver-Installationen) stets ein Gang zurück geschaltet werden. Das Thema Abwärtskompatibilität und deren Gewährleistung spielt dabei eine tragende Rolle.
Neben Verbesserungen im Bezug auf die SAP-interne Produktpalette (z.B. verbesserte Integration des Business Intelligence Portfolios) wird darüber hinaus eine Prise Web 2.0 in die SAP-Netweaver-Portaltechnologie eingestreut. Der so genannte „Website Composer“ ermöglicht die visuelle Kombination vordefinierter Komponenten. Dabei werden u.a. Komponenten für kollaboratives Arbeiten (Wiki, Foren, Kommentare) zur Verfügung gestellt. Auch dabei handelt es sich aus Sicht eines außen stehenden Entwicklers eher um „Peanuts“ – dennoch zeigt dieser Schritt, dass das Web 2.0 nun auch SAP-Systeme erfasst hat.

Es handelt sich jedoch in erster Linie um punktuelle Erweiterungen: SAP-Entwickler und -Anwender müssen keine Hoffnungen bzw. Befürchtungen hegen, in naher Zukunft mit komplett überarbeiteten Web-2.0-SAP-Oberflächen konfrontiert zu werden.

Im Bereich SAP-Web-UI-Technologie (aka: Web Dynpro) rumort es jedoch kräftig. Unabhängig davon, dass es sich bei Web Dynpro um eine sehr ausgereifte und historisch gewachsene SAP-Technologie handelt, kann auch in den SAP-Lagern die kleine HTML5-Revolte, die momentan im „Public Web“ tobt, nicht ignoriert werden. Um auf den Rich-Client-Zug aufspringen zu können, wurde seitens SAP in der Vergangenheit eine Kompromisslösung entwickelt. Dabei handelt es sich um so genannte Flash- bzw. Silverlight Islands, die als Web-Dynpro-UI-Elemente in die Applikation eingebettet werden können, um z.B. eine Prise interaktives Charting einstreuen zu können. Für HTML5 ist mit mehr als nur einer Kompromisslösung zu rechnen. Gerade im Hinblick auf mobile Endgeräte wird deutlich, dass HTML5 im Rahmen der weiterer Web Dynpro Roadmap eine entscheidende Rolle spielen wird.

Der Bereich „mobile SAP-Lösungen“ war im Übrigen bei der diesjährigen Teched Dreh- und Angelpunkt für etliche Sessions. Gerade durch die Übernahme und Integration von Sybase durch SAP öffnen sich an dieser Stelle vollkommen neue Möglichkeiten. Dabei wurden viel versprechende Ansätze demonstriert, angefangen bei so genannten Instant-Value-Applikationen bis hin zur Sybase-Eclipse-Entwicklungsumgebung, die eine Entwicklung von nativen Oberflächen für unterschiedliche Gerätetypen („Cross-Device-Compatibility“) ermöglicht. Alle Ansätze haben jedoch eine große Gemeinsamkeit: Sie stecken aktuell noch in den Kinderschuhen und müssen sowohl technisch als auch politisch (Netweaver Mobile versus Sybase…) noch an Reife hinzugewinnen, um dem täglichen Gebrauch im Kundenumfeld standhalten zu können.

Entsprechend konnte durch die Teched ein Snapshot bezüglich aktueller und geplanter SAP-Aktivitäten gegeben werden. Genau wie Java-Konferenzen hat die Teched einmal wieder eindrücklich gezeigt, dass das Rad der IT sich momentan auf Hochtouren dreht: In Zukunft werden Kunden nicht mehr nach mobilen Lösungen fragen sondern diese ganz einfach erwarten!

Florian Müller arbeitet als Solution-Architekt mit dem Schwerpunkt „SAP-UI-Technologien“ für den SAP-Dienstleister Resource AG Schweiz (http://www.resource.ch). Darüber hinaus betreibt Florian die Plattform richability, auf der regelmäßig über neueste Erkenntnisse aus dem Bereich Frontend-Technologien & Entwicklung informiert wird. Sie erreichen ihn via Florian.Mueller[at]richability.com
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Florian Müller
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