Zäh wie ein alter Kaugummi

Die letzten 10%: Wie sie Entwickler wahnsinnig machen

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/Umkehrer

Am Anfang läuft noch alles wie geschmiert, das Ziel scheint greifbar nah. Doch dann fehlen nur noch sie. Sie sind hartnäckig und von vielen Entwicklern gefürchtet: Die letzten 10 %. Warum eigentlich? Diesem Problem sind zahlreiche Threads gewidmet.

In einem Blogpost macht der Blogger „RT“ seinem Ärger über die letzten 10% eines Software-Projekts Luft: Unter dem Titel „So.Much.Work left.“ bringt er auf den Punkt, was viele Entwickler in Ihrem Programmieralltag erleben: Die letzten 10% der Entwicklung sind zäh und hartnäckig wie ein alter Kaugummi.

Das Dilemma, dass viele Projekte an den letzten 10% scheitern, hat mehrere Gründe, so RT. Er sieht unter anderem in den zahlreichen verschiedenen Rollen, die er zum Ende eines Projektes einnehmen muss, das Problem: Oft ist er dann nicht nur Entwickler, sondern auch Projekt- und Release-Manager, teilweise auch PR-Manager (usw.) in Personalunion.

Auf Reddit findet diese Erfahrung Zustimmung. So berichtet der Kommentator „puedes“:

I have trouble breaking the big picture down into manageable steps.

Auf Twitter wird ganz humorvoll mit den zähen letzten 10% umgegangen, Ahava Leibtag schreibt:

The 9th month of pragnancy is longer than the other 8. Ask any mother.

Matt Nunogawa kommentiert:

I call it the first 80% and the second 80%.

Vielleicht ist die Lösung ja ganz einfach, so Paul Reeves:

Reduce the scope of your project by 10% and you’ll have it finished in 1/10th of the time.

Tatsächlich sollte es mehr Wege geben, die letzten 10% etwas erträglicher zu gestalten, als viele Entwickler beklagen. RT gibt an, das Problem der letzten 10% schon etwas besser in den Griff bekommen zu haben, weil er den „Joel Test“ befolgt. Dieser Test von Joel Spolsky, Mitgründer von Trello und CEO von Stack Exchange, umfasst 12 Schritte für besseren Code. Von der Frage, ob man Source Control nutzt und ob man Bugs fixt bevor man an neuem Code weiterschreibt, bis hin zu der Frage, ob man das Usabiltiy Testing bedacht hat: Joel Spolsky will mit diesem Test Entwickler an die Hand nehmen und ihnen helfen, den Überblick über ihren Code zu behalten und ihnen somit eben möglicherweise die letzten 10 % der Arbeit erleichtern.

Ninety-ninety Rule

Die Beobachtung, dass die letzten 10 Prozent der Softwareentwicklung die schlimmsten sind, geht auf den Aphorismus von Tom Cargill zurück, welcher durch Jon Bentley’s Kolumne „Programming Pearls“ vom September 1985 bekannt wurde. Dieser besagt:

The first 90 percent of the code accounts for the first 90 percent of the development time. The remaining 10 percent of the code accounts for the other 90 percent of the development time.

Ein interessanter Ansatz dazu wird auf Hacker News vorgeschlagen: Der User „wainstead“ schlägt ein “Finish it! Weekend“ vor, bei dem Programmierer zusammenkommen können, um die letzten 10% Ihrer Projekte gemeinsam zu bewältigen, was im entsprechenden Thread auf viel Zustimmung stößt.

Was halten Sie davon? Wie verhindern Sie, dass die letzten 10% zum größten Hindernis werden? Nutzen Sie für Ihre Antworten unsere Kommentarfunktion.

Aufmacherbild: Astonished and affraid man von Shutterstock / Urheberrecht: Umkehrer

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Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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