Interview mit Inge Hanschke

Die IT-Prozesse auf Diät setzen: mit Lean Management

Melanie Feldmann

Inge Hanschke

Ergebnislose Meetings, unklare Strukturen und unnötige Datensammlerei: Wer kennt diese Produktionshemmnisse nicht? Sie verstopfen den Arbeitstag und begraben die Motivation. Unter dem Stichwort Lean Management hilft Inge Hanschke (Lean 42) Unternehmen dabei, ihre Prozesse zu verschlanken ohne dabei alles über Bord zu werfen. Wir sprachen mit ihr darüber, wie das funktioniert.

„Leanisieren – Verschlanken und Wertbeitrag erhöhen“ heißt Ihr Talk auf der JAX 2016. Was ist für Sie „Lean Management“ und was nicht?

Inge Hanschke: Lean Management ist Kundenwert ohne Verschwendung schaffen. Dies beinhaltet die beiden wesentlichen Aspekte „Kundenwertorientierung“ und „Verschwendung eliminieren“. Kurzum: Persönlicher Nutzen für die Stakeholder für deren tägliche Arbeit und zur Erreichung deren persönlichen Ziele erzeugen. Alles, was hierzu keinen Beitrag liefert, ist „Verschwendung“ und kann aussortiert werden. Häufige Beispiele für Verschwendungen sind Datensammlungen ohne Abnehmer oder Meetings ohne Agenda  – und damit wenig Ergebnis.

Welcher Aspekt taucht bei Ihren Analysen immer wieder auf, der besonders viel Verschlankungs-Potenzial bietet?

Inge Hanschke: Es gibt hier viele Aspekte. Wenn man die administrativen Prozesse betrachtet, dann sind es insbesondere E-Mail-Fluten, fehlende Meeting-Vorbereitung und insbesondere unklare Verantwortlichkeiten und nicht durchdachte Prozesse. In der Regel findet man bei der Suche nach Verschwendungen mithilfe eines systematischen Vorgehens innerhalb einer Stunde mindestens zehn Handlungsfelder. Da sich die Verschwendungen addieren, führt die Verbesserung in dem auch noch so kleinsten Handlungsfeld zu einer erheblichen Einsparung – zum Beispiel 15 Minuten in jedem Meeting mal Anzahl der Meetings. Wichtiger ist aber die Steigerung des Kundenwerts.

Wie ist das Zusammenspiel zwischen „lean“ und „agile“?

Inge Hanschke: Die Umsetzung von „lean“ kann nur in kleinen überschaubaren Stufen mit sichtbarem Quick-win agil erfolgen. Zudem geht dies mit einer Kulturveränderung einher. Die ständige Verbesserung muss das tägliche Denken bestimmen („Lean Thinking“). So können Fehler abgestellt, Ergebnisse optimiert und so der Nutzen kontinuierlich erhöht werden.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Inge Hanschke: Mit kleinen Einführungsstufen mit klarem persönlichem Nutzen für die Kunden, ein gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis sowie kurze Feedbackschleifen, kontinuierliches Lernen, ein enger Einbezug aller relevanten Menschen (Kunden) und ein aktives Vermarkten aller Erfolge sind die wesentlichen Aspekte für das erfolgreiche „Leanisieren“. Überschaubare beherrschte Ausbaustufen sind notwendig, um schnell zu Ergebnissen zu kommen, für die Feedback eingeholt werden kann, und dann auf diesem sicheren Terrain das Erreichte über die nächste Stufe weiter auszubauen. Mit jeder Einführungsstufe betritt man Neuland. Das Veränderte muss erprobt und dann in der Organisation verankert werden, das heißt in allen relevanten Planungs-, Entscheidungs- und Durchführungsprozessen verzahnt werden. Nur so wird es wirklich gelebt. Alle für die Verankerung notwendigen Verantwortlichen müssen auf eine geeignete Art und Weise einbezogen, motiviert und überzeugt werden.

CaH8F2YWEAAkDgX.jpg_largeDie JAX ist vielfältig, die JAX ist bunt. In über 230 Vorträgen wird eine große Bandbreite zukunftsorientierter Themen behandelt. Als Orientierungshilfe stellen wir auf JAXenter jede Woche einen Konferenz-Track ins Zentrum.

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Inge HanschkeInge Hanschke ist Geschäftsführerin von Lean42 und eine anerkannte Autorin von Fachbüchern über EAM, BPM, Businessanalyse und Lean-IT-Management. Die Inhalte basieren auf den Erfahrungen aus 27 Berufsjahren als IT-Managerin bei Anwenderunternehmen, in einem ERP-Produkthaus und bei verschiedenen IT-Dienstleistern. Ihr und auch das Motto von Lean42 ist einfach und effektiv – mit handhabbaren Lösungen Schritt für Schritt nachhaltig Mehrwert schaffen.
Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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