Die Enterprise Cloud

Operative Systeme in der Cloud

Kenrprozesse durch operative Systeme in der Cloud zu unterstützen ist für viele Unternehmen heute noch keine Option. Das gilt jedoch nicht für alle drei Bereiche in demselben Ausmaß. Die industrieunabhängigen Enterprise-Lösungen basieren meist auf Standardprodukten. Es sind zwar Cloud-Angebote für ERP, CRM und auch für SCM-Systeme vorhanden, etabliert sind jedoch lediglich CRM-Systeme, da einer der wichtigsten Hersteller sein Produkt als SaaS anbietet. ERP-Systeme in der Cloud zu betreiben, ist zurzeit noch stark umstritten, da beispielsweise die SAP der Meinung ist, dass die Kunden noch nicht so weit sind und viele Firmen in den letzten Jahren große Investitionen in diesem Bereich getätigt haben, die sich zunächst einmal amortisieren müssen. Industriespezifische Systeme oder auch Branchenlösungen sind heute noch weniger als Cloud-Service etabliert. Der Grund ist die Tatsache, dass diese Anwendungen immer mit den Kerndaten einer Unternehmung arbeiten. Und diese Daten sind beispielsweise in der Produktion, im Bankwesen oder auch in anderen Branchen starken gesetzlichen Ordnungen unterworfen und der Verlust dieser Daten ist mit sehr großen unternehmerischen Risiken verbunden. Hinzu kommt, dass diese Lösungen in der Tendenz eine längere Lebenszeit aufweisen, also nicht so schnell ersetzt werden und die typischen Anwendungsfälle für die Cloud, Elastizität oder große Menge unstrukturierter und unveränderter Daten, nicht greifen. Etwas anders sieht es für die firmenübergreifenden Anwendungen aus. Eine Vielzahl elektronischer Datenaustauschplattformen und elektronischer Marktplätze sind Individualentwicklungen und zudem bereits Netzfähig und damit gut auf eine Auslagerung in eine Cloud vorbereitet. Außerdem existieren oftmals separate Firmen, die für den Datenaustausch zuständig sind und die entsprechende Lösungen für mehrere Firmen zur Verfügung stellen. So sind Initiativen im Bereich des standardisierten Datenaustauschs im Gange, die darauf ausgelegt sind, Cloud-fähige Gesamtlösungen anzubieten.

Dispositive Systeme in der Cloud

Dispositive Systeme als Enterprise-Lösung in eine Cloud zu stellen, ist heute nur für wenige Unternehmen eine Option, und das obwohl bereits eine so genannte Business Intelligence Cloud Architektur existiert. Der Reifegrad der Umsetzung durch die etablierten Hersteller von BI-Lösungen ist jedoch „früh“ oder „sehr heterogen“, wie Professor Seufert, Leiter des Arbeitskreises Business Intelligence des Internationalen Controller Vereins, anfangs Jahr bemerkte. Zudem kommt, dass dispositive Systeme immer auf sehr großen und möglichst aktuellen, strukturierten Datenbeständen basieren, die sehr oft (meist täglich) aus den operativen Systemen extrahiert werden müssen. Dem gegenüber steht jedoch, dass sowohl SAS als auch Oracle, SAP, Microsoft und IBM SaaS-Angebote auf den Markt bringen, die einen Teil der Funktionalität dispositiver Systeme abdecken. Die Basis, das DWH oder das EDWH, wird wohl in absehbarer Zeit nicht als SaaS realisiert werden können. Interessant jedoch sind Datenmarktangebote, die auf Cloud-Technologie basieren. Ein Unternehmen kann so externe Marktdaten beziehen und diese mit den unternehmensinternen Informationen kombinieren, um eine bessere Steuerung und Planung seiner Tätigkeit zu erreichen.

Systeme für die Verwaltung unstrukturierter Daten in der Cloud

Die Klasse der Enterprise-Lösungen für die Verwaltung unstrukturierter Daten ist zweifellos am besten geeignet für die Realisierung als Cloud-Service. Ein wichtiger Faktor ist die Tatsache, dass der größte Anbieter von Standardprodukten für die Büroautomation, Microsoft, sämtliche Produkte Cloud-fähig, also basierend auf der Microsoft-Azure-Plattform anbietet respektive anbieten wird. Die anderen Hersteller werden schnell folgen. Im Weiteren ist der Umstand, dass diese Systeme die Eigenschaft haben, sehr viele unstrukturierte Informationen zu verwenden, die sehr selten geändert werden, deckungsgleich mit einem der beiden klassischen Cloud-Anwendungsfälle, den unstrukturierten (Archiv-)Daten. Das gilt insbesondere für die multimedialen Systeme zur Verwaltung von Bildern, Ton und Filmmaterial. Bereits heute existieren eine Vielzahl von ECM, CRM, DMS und wissensbasierten Lösungen als Cloud-Service, die gut als Grundlage für eine entsprechende Enterprise-Lösung verwendet werden können.

Fazit

Enterprise-Lösungen können in verschiedene grobe Systemtypen gegliedert werden, um die Vielzahl bestehender betrieblicher Informationssysteme anhand ihrer Aufgabenstellung zu verwalten, zu planen, zu realisieren und zu betreiben. Nicht alle Systeme eignen sich aufgrund ihres Einsatzzwecks und ihres Aufbaus für eine Realisierung als Cloud-Service, wie er heute zur Verfügung steht. Es ist von Vorteil, wenn abhängig vom Systemtyp, vom Angebot eines Herstellers von Standardsoftware und vom Anwendungsfall genau geprüft wird, ob ein Cloud-Service als Enterprise-Lösung überhaupt eine gangbare Option darstellt. Neben den offensichtlichen Cloud-Kandidaten finden sich jedoch bereits heute mehr Optionen, als auf den ersten Blick ersichtlich. Der Markt der Cloud-Services wird sich in naher Zukunft stark entwickeln. Jedes Unternehmen tut gut daran, das im Auge zu behalten und von Zeit zu Zeit zu prüfen, welche Enterprise-Lösung allenfalls besser und günstiger als Cloud-Service zu haben ist.

Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der Hochschule für Technik in Zürich und Solution Manager der Trivadis AG. Er ist Autor des Buchs „SOA goes real“ (Hanser Verlag) und Koautor verschiedener Fachbücher.
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