Die DTP-Programme VivaDesigner und Scribus im Vergleich

Design-Hilfen

Danach geht es an die Textformatierung. Beide Programme verwenden dazu Stilvorlagen. VivaDesigner bietet weitaus mehr Möglichkeiten der Feineinstellung. Erstellt werden Stilvorlagen jeweils in einem separaten Fenster. Bei Scribus liegen dabei alle Einstellungen innerhalb einer Ebene, sodass Sie alle Werte im Blick haben. VivaDesigner verteilt die zahlreichen Optionen jeweils auf Untergruppen. Bei Scribus erfolgt die Zuweisung zum Text am einfachsten über die schwebende Eigenschaften-Palette. VivaDesigner bietet den Weg über die rechts liegende Modul-Palette oder das Text-Menü. Insgesamt bietet VivaDesigner deutlich mehr Optionen für schöne Textgestaltung. Praktisch ist bei Scribus jedoch die Absatzvorschau und der Tabulator- und Einzug-Editor, der ein Editieren der Optionen optisch und per Zahleneingabe ermöglicht.

Abb. 6: Der Stilvorlagen-Dialog von VivaDesigner bietet deutlich mehr Voreinstellungen

Die Farbverwaltung der beiden Programme ähnelt sich in weiten Teilen. Beide bieten sowohl RGB- als auch CMYK-Farbmodelle an, VivaDesigner zusätzlich auch HSV. Beide zeigen einen Vorher/Nachher-Vergleich der geänderten Farben an. Die Farbeinstellung erfolgt mithilfe eines Farbwählers, über Schiebregler oder die direkte Eingabe von Zahlenwerten im RGB- oder CMYK-Schema (bei VivaDesigner zusätzlich auch nach HSV-Schema). Bei den standardmäßig vordefinierten Farben beschränkt sich VivaDesigner auf die Grundfarben und speziellen Einstellungen für Farbmarken und Hilfsobjekte, während Scribus eine ganze Anzahl benannter vordefinierter Farben anbietet.

Abb. 7: Sowohl das hier gezeigte Scribus als auch VivaDesigner besitzen eine aufgeräumte, nicht überfrachtete Bedienoberfläche

Auffällige Broschüren glänzen meist auch durch interessante Bilder, die sich harmonisch in den Text einfügen. Dazu dient bei beiden Programmen die Umfluss-Steuerung. Wir legen in beiden Programmen zunächst einen nicht rechteckigen Bildrahmen an. In VivaDesigner steht dafür das „Polygonale Bildobjekt“ zur Verfügung, mit dem Sie die gewünschte Form direkt mit wenigen Mausklicks definieren. In Scribus erzeugen Sie zunächst einen standardmäßigen Bildrahmen und wechseln in die Eigenschaften Palette. Hier erzeugen Sie dann im Untermenü Form | Form bearbeiten die gewünschte Geometrie. Ebenfalls im Menü Form finden Sie auch gleich die Option Text umfließt Rahmen, die Sie für den Textumfluss aktivieren. In VivaDesigner wählen Sie zunächst das Bildrahmen-Objekt aus und rufen im Kontextmenü Umfließen auf. Sie können Text um die Objektkontur oder um einen Block fließen lassen, der sich aus der höchsten und breitesten Stelle des Bildes bilden lässt. Zusätzlich bestimmen Sie den Abstand des Textes zum Bild, in der Block-Darstellung auch für jede Bild-Seite getrennt.

Überprüfung mit Adobe Acrobat
Bei der Überprüfung in Acrobat greifen wir auf das Profil „Liste potenzieller Probleme“ zurück, das die häufigsten Fehler in PDF-Dokumenten aufdeckt, ohne auf spezifischen Druckeinstellungen einzugehen. Bei unserem Test-Dokument aus VivaDesigner bemängelt Acrobat die verwendete Schrift (Fehlermeldung: Verwendet CID Type 2 Font), eine zu geringe Bildauflösung der Logo-Bilder sowie den falschen Farbraum aller drei Bilder.

Interessanterweise erscheint die Fehlermeldung mit den Schriften im mit Scribus erzeugten Dokument nicht. Der falsche Farbraum wird ebenfalls nicht bemängelt, da Scribus bei der Einstellung für die Farbe „Ausgabe für Drucker“ alle Bilder nach CMYK umwandelt. Die falsche, da zu geringe Auflösung wird auch beim Scribus-PDF erkannt. Prüft man die Dokumente nach PDF/X-3 werden weitere Fehler angemerkt, die sich jedoch weitgehend auf gewünschte Zusatzinformationen beziehen. Mit den Schriften im VivaDesigner-Dokument hat der Standard PDF/X-3 erwartungsgemäß keine Probleme. Die im Testdurchlauf bemängelten Fehler sind jedoch echte Fehler im Dokument und somit, von der Einbettung der Schriften in VivaDesigner abgesehen, nicht den Programmen anzulasten. Auch das Schriften-Problem erledigt sich weitgehend, wenn man hochwertige Fonts von namhaften Herstellern verwendet, da diese vollständig internationalisiert sind, meist als TTF-Font vorliegen und plattform-übergreifend verfügbar sind.

Transportdienste

Zum Transport der Daten zur Druckerei oder anderen Dienstleistern stellen beide Programme den Export als PostScript- und PDF-Datei zur Verfügung. Bei VivaDesigner existiert darüber hinaus eine Funktion, die alle zu einem Dokument gehörigen Daten inklusive Bilder und Schriften in einen separaten Ordner kopiert, um sie an ein externes Servicebüro weiterzuleiten. Dies ist besonders im Hinblick auf die Lizenzpolitik des Herstellers interessant, der Druckereien Sonderkonditionen bei der Lizenzierung des Produktes einräumt.

Wenn Sie in Scribus den PDF-Export aufrufen, wird automatisch eine Überprüfung des Dokuments gestartet. Sie können aus mehreren Profilen auswählen, nach denen die Überprüfung stattfinden soll. In unserem Test wird zwar ein überlaufender Text bemerkt, geänderte Bilder und Bilder in RGB jedoch nicht angemerkt. Die Überprüfung kann auch stets zwischendurch zum Kurzcheck aufgerufen werden. Bei VivaDesigner vermissen wir eine solche dezidierte Funktion. Das Programm weist in unserem Test lediglich auf veränderte Bilder hin, die sich aber nicht automatisch korrigieren lassen, und auch die Bilderübersicht zeigt das falsche Bild nicht explizit an.

Abb. 8: Bei VivaDesigner sind verschiedene Konfigurationsdialoge direkt am rechten Seitenrand angedockt

Im Großen und Ganzen bieten beide Export-Funktionen die üblichen Konfigurationsmöglichkeiten eines PDF-Workflows. Sie unterscheiden sich in einzelnen Details jedoch deutlich. Scribus bietet zum Beispiel sehr detaillierte Einstellungen zur Schrifteneinbettung an. Dagegen punktet VivaDesigner mit zusätzlichen Optionen im Bereich Format, wo eigene Formate, zum Beispiel Rollenformate, definiert werden können und Beschnitt- und Passermarken aktiviert werden können. Beide Programme bieten die wichtigen PDF-Profile 1.3 bis 1.5, VivaDesigner zusätzlich PDF 1.6 sowie verschiedene PDF/X-Profile. Bei Scribus wird das PDF/X-3-Menü aktiv, wenn entsprechende Elemente im Dokument auftauchen.

Scribus bietet weitere Export-Möglichkeiten, wie zum Beispiel SVG-Export, aber weder Inkscape noch Karbon14 können die Dateien korrekt darstellen, außerdem exportiert Scribus Textspalten nicht korrekt. Besser eignet sich da der Bild-Export, der eine schnelle Übersicht ermöglicht oder Bildmaterial für das Internet bereitstellt.
Blick auf InDesign und Co.

Ein Seitenblick auf QuarkXpress und Adobe InDesign, den Referenzprogrammen im Seitenlayout-Metier, offenbart zunächst einmal große Gemeinsamkeiten zwischen den beiden. Beide besitzen ein großes Fenster für das eigentliche Dokument, darüber eine Leiste für praktisch sämtliche Text-Rahmen- und Bildeinstellungen. Außerdem kann der Anwender in beiden Programmen eine Fülle zusätzlicher Paletten öffnen, die standardmäßig am rechten Rand residieren, vom Anwender aber beliebig platziert und gegebenenfalls minimiert werden können. Nicht, dass Scribus und VivaDesigner keine zusätzlichen Paletten kennen würden. Da die Konzepte jedoch andere Schwerpunkte haben, ist deren Einsatz nicht optimiert, was man besonders auf kleineren Monitoren bemerkt. 

Dagegen sind die Scribus- und VivaDesigner-Arbeitsplätze geradezu spartanisch ausgestattet. Dies muss aber nicht unbedingt von Nachteil sein. Gerade Gelegenheitsdesigner, die nicht täglich mit den Programmen arbeiten, kommen mit Scribus und erst recht mit VivaDesigner zum Teil deutlich schneller zurecht. Natürlich rührt die Bedienelemente-Vielfalt von InDesign und Co. auch von der Vielzahl an Funktionen her, die weder Scribus noch VivaDesigner bieten können. Je nach Gewohnheit bieten die zahlreichen Paletten auch etwas schnelleren Zugriff auf häufig genutzte Funktionen als die kontextsensitiven Menüs der Linux-Konkurrenz. Da sich InDesign und QuarkXpress seit einigen Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Layout-Krone liefern, bieten diese dem Anwender praktisch alle Funktionen, die derzeit technisch machbar sind. Da stehen die Linux-Programme etwas hinten an. Besonders im Bereich der Transparenzen, die dem Designer viel Arbeit ersparen, haben die teuren Produkte die Nase vorn. Aber auch der Druck-Workflow ist insgesamt etwas konsequenter durchorganisiert.

Neue Medien

Nur noch selten werden Dokumente einzig und alleine für den Druck vorbereitet. Zumindest üblich ist die Vorgehensweise, ein Dokument für den Druck zu erstellen, um es dann zu exportieren und mit geringen Veränderungen in Webapplikationen oder Präsentationssoftware ebenfalls zu verwenden. Hier bieten InDesign und QuarkXpress in aktuellen Versionen einen vollständigen XML-Workflow. Entsprechende Dokumente lassen sich importieren, bearbeiten und in verschiedenen Varianten für Datenbankanwendungen, CMS oder die Weiterverarbeitung am Desktop ausgeben.

Bei Scribus und VivaDesigner sieht es in dieser Hinsicht schlecht aus. Von Hause aus beherrschen diese Programme keinen XML-Export oder den Export eines anderen Formats, das sich im Web-Design Workflow einsetzen ließe. Für VivaDesigner ist immerhin ein entsprechendes kommerzielles Plug-in geplant, das den Im- und Export von XML-Dateien ermöglichen soll. Aber auch Scribus ist nicht „XML frei“. Dessen Dateiformat basiert auf XML, im Prinzip sind die .sla-Dokumente, die Scribus erzeugt, nichts anderes als wohlgeformte XML-Dateien, und eine vollständige Dokumentation zum Format ist verfügbar. Allerdings lassen sich die Scribus-Dateien nicht direkt in anderen Programmen verwenden, sondern müssen per Parser umgeformt werden, was zum Import in Content-Management-Systeme kein Problem sein sollte.

Ein HTML-Export ist bei beiden Programmen nicht vorgesehen. Wenn man sich die Ergebnisse von anderen Programmen ansieht, erscheint dies jedoch nicht weiter tragisch, da diese komplexe Layouts meist als Bild weitergeben und der HTML-Code in aller Regel sehr aufgeblasen ist.

So bleibt dem Anwender, der Cross-medial arbeiten will, das Plug-in für VivaDesigner, um Dateien nach XML zu exportieren. Bei Scribus reicht die Anpassung der originalen .sla-Dateien an das gewünschte Format aus, da dies bereits im XML-Format gehalten ist. Allerdings verlangt diese Vorgehensweise eine gute Vorbereitung und lohnt sich daher nur für häufigen Einsatz.

Als unproblematisch erweist sich daher nur der Austausch über das PDF- oder SVG-Format, der jedoch nur das fertige Produkt weitergibt und für eine Weiterverarbeitung der Daten eher ungeeignet ist.

Fazit

Sowohl beim kommerziellen VivaDesigner als auch beim Open-Source-Werkzeug Scribus liegt der Schwerpunkt auf dem Erstellen von Druckvorlagen. Die wesentlich teureren Profi-Werkzeuge QuarkXpress und Adobe InDesign haben in letzter Zeit dagegen viel im Bereich Cross-medialer Produktion hinzugelernt. Gerade VivaDesigner ist, ohne das XML-Plug-in, ein klassisches Layout-Programm. Bei einigen Dateioperationen stürzt VivaDesigner in der aktuellen Betaversion ab, regelmäßige Sicherungen sind daher Pflicht.

Scribus bietet nicht ganz so viele typografische Möglichkeiten wie VivaDesigner. Dafür kommt das Open-Source-Programm mit transparenten Bildern besser zurecht.
Beide Programme lassen sich nach kurzer Einarbeitung gut bedienen. Probleme haben beide beim PDF-Export, hier ist noch etwas Feinarbeit angesagt. Die ausgegebenen Dokumente entsprechen nicht in allen Feinheiten dem Adobe Standard und können so, wenn der Anwender zu sorglos mit den Export-Funktionen umgeht, in der Druckerei für Probleme sorgen.

Zuspieler
Für den professionellen Einsatz als Lieferant für Druckvorlagen fehlt unter Linux noch immer ein kompletter CMYK-Workflow. Zwar sind Ansätze dazu auf allen Ebenen vorhanden (Scribus wandelt RGB-Bilder auf Wunsch in CMYK um), doch sinnvoller wäre es, wenn bereits die Ausgangsdaten im CMYK-Farbraum vorliegen würden.

Gerade das Grafik-Flakschiff Gimp hat hier noch Lücken. Dennoch gehört Gimp zum unverzichtbaren Werkzeug für Grafiker/Layouter. Die Auswahl an Werkzeugen genügt auch anspruchsvollen Naturen, und die Anzahl von Plug-ins, die den Funktionsumfang erweitern, ist nahezu unbegrenzt. Das Wichtigste im Zusammenhang mit dem Layout sind die zur Verfügung stehenden Export-Formate. Hier ist alles vertreten, was notwendig ist. Angefangen bei Standard-Grafik-Formaten, wie JPEG, TIFF und PNG, über spezielle Formate, bis hin zu EPS und PostScript. In Scribus können eingebettete Bilder per Kontextmenü direkt in Gimp geöffnet werden, nach dem Abspeichern der Änderungen wird das Dokument in Scribus aktualisiert und die Änderungen sind ohne weiteres Zutun des Anwenders sichtbar. Leider funktioniert dies nur bei geschlossenem Gimp, da sonst eine Fehlermeldung erscheint. Dadurch wird der ansonsten sehr praktische Vorgang leider verzögert, da Gimp jedes Mal zeitintensiv gestartet werden muss.

Wünschenswert und technisch leicht machbar wäre es, wenn eine Funktion zum direkten Aufruf eines externen Programms auch für Vektorgrafiken vorhanden wäre. Leider suchen wir diese auch bei Scribus vergebens. Als Zulieferer für Vektorgrafiken bieten sich vor allem zwei Programme an:

Inkscape kann derzeit wohl als Standard-Vektorgrafik-Programm unter Linux bezeichnet werden. Es bietet alle Werkzeuge, die notwendig sind, um zum Beispiel Logos und Grafiken zu erstellen, die Sie für Ihr Layout-Dokument benötigen. Natürlich bietet Inkscape nicht die Vielzahl an Spezialeffekten, die teure kommerzielle Programme mitbringen, aber für die alltäglichen Aufgaben reicht Inkscape aus. Neben dem Standard-SVG-Format kann Inkscape seine Daten in verschiedene Vektorformate (unter anderem Adobe Illustrator, PDF, EPS) und als Bitmap in den wichtigsten Formaten (JPEG, TIFF, PNG) abspeichern. Diverse Formen (einfache und komplexere) stehen zur Gestaltung eines Dokumentes bereit, daneben beherrscht Inkscape diverse Linienarten, Freihandzeichnungen, Textobjekte und greift dem Anwender mit zahlreichen Hilfsmitteln unter die Arme.

Etwas einfacher gehalten ist Karbon14. Es stellt ebenfalls die meistbenötigten Formen zur Verfügung, um mal eben ein Logo oder eine kleine Zeichnung zu entwerfen. Karbon14 bietet jedoch nicht so viele Werkzeuge zur Nachbearbeitung und bleibt daher für die kleineren Arbeiten erste Wahl. Exportieren lassen sich die Zeichnungen ebenfalls in nahezu allen gängigen Vektor- und Bitmap-Formaten. Leider sind die SVG-Formate, obwohl vom W3C standardisiert, nicht miteinander kompatibel, sodass zum Austausch von Dateien zwischen den beiden Vektor-Applikationen und sicher auch anderen Programmen, ein geeignetes Alternativ-Format wie zum Beispiel das .ai-Format genutzt werden muss.

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