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Interview mit Rob Vanstone

DevOps Tipps: „DevOps muss von der Unternehmensführung selbst angenommen werden“

Hartmut Schlosser

Rob Vanstone

DevOps ist ein schillernder Begriff, der sich einer genauen Definition entzieht. Auf der DevOpsCon 2017 haben wir uns mit Experten über ihre Sichtweise von DevOps unterhalten. Heute verrät uns Rob Vanstone (Technology Director von XebiaLabs), wo man ansetzen muss, um Unternehmen auf den Weg zu mehr konstruktiver Zusammenarbeit zu bringen.

JAXenter: DevOps ist nicht immer leicht zu fassen. Es ist eine Mischung aus Prozessen, Tools, kulturellen Verhaltensweisen, etc. Was ist für dich der wichtigste Aspekt von DevOps?

DevOps ist nicht das eigentliche Ziel.

Rob Vanstone: DevOps ist nicht das eigentliche Ziel – das ist wahrscheinlich meine wichtigste Botschaft hier. Es geht bei DevOps sicherlich um eine Kombination aus Menschen, Prozessen und Technologien. Aber es ist wichtig, sich auf das wirkliche Ziel zu konzentrieren: unsere Produkte schneller auszuliefern. Continuos Delivery (CD) ist dafür unser bisher bester Ansatz, wie man das bewerkstelligen kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass es für die Durchführung von Continuous Delivery essentiell ist, unsere Stakeholder näher zusammenzubringen – also nicht nur in Entwicklung und Betrieb, auch wenn das schon einmal ein guter Anfang ist!

JAXenter: Was sind deiner Erfahrung nach die häufigsten Hürden, die eine Zusammenarbeit von Teams verhindern?

Rob Vanstone: Wenn ich ganz offen sein darf, halte ich vor allem das Fehlen einer klaren Richtung innerhalb der Unternehmen für ein grundlegendes Problem. Das mag sich zwar harsch anhören und vielleicht leicht gesagt sein, wenn man selbst nur ein Außenstehender ist. Aber es ist immer noch so, dass verblüffend viele Teams in größeren Unternehmen voneinander separiert agieren.

Es sieht so aus, als würde eine Transformation in größeren Unternehmen eher in kleinen Schritten stattfinden und sich lediglich ein Modell-Team mit DevOps beschäftigen, während der Rest dabei zusieht. In größeren Unternehmen ist es typischerweise auch schwieriger, da es oft ein fest etabliertes, übergreifendes Ops-Team gibt, das damit beauftragt ist, die ganze Sache am Laufen zu halten. Diese isoliert arbeitenden Einheiten erschweren Veränderungen, und das war vielleicht ursprünglich sogar einmal so beabsichtigt.

Um diese Strukturen aufzubrechen, wird also mehr als nur ein einzelnes Tool oder Vorgehen nötig sein. Es verlangt nach Menschen, die zusammenarbeiten können. Kleine Arbeitsgruppen haben sich hierfür als sehr vielversprechend herausgestellt, und dann bedarf es nur einer guten Führung, um DevOps auch gezielt durchzusetzen. Das hört sich vielleicht etwas riskant an, aber die Alternative könnte für das Unternehmen viel riskanter sein.

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JAXenter: Wie kann man die Widerstände gegen DevOps überwinden? Kannst du uns da vielleicht ein paar Tipps an die Hand geben?

Rob Vanstone: Die Struktur eines Unternehmens bestimmt nach Conway die Architektur unserer IT. Eine der Botschaften meines Vortrags auf der DevOpsCon ist die Vereinfachung. Die Vereinfachung der Architektur ist keine leichte Aufgabe. Wenn sie Erfolg haben soll, benötigt man ausgereifte Verbesserungen auf anderer Ebene. So sind beispielsweise automatisierte Delivery- und Testingprozesse Schlüsselelemente der Transformation eines IT-Unternehmens. Wenn wir neue Elemente schneller erkennen und umfassend testen können, ist es uns möglich, mit einem solideren Fundament rascher vorwärts zu kommen. Dafür benötigt man aber eine Kultur der Neugier, eine wachstumsorientierte Denkweise und den ganz pragmatischen Rückhalt des Unternehmens, das bereit sein muss, dazuzulernen. Und um zu lernen, muss man Fehler machen – eine Denkweise, die für viele Unternehmen einen kulturellen Wandel nötig machen dürfte.

JAXenter: Wie startet man mit DevOps? Ist DevOps deiner Erfahrung nach ein Top-Down-Prozess oder beginnt es eher auf  Teamebene?

Rob Vanstone: Meiner eigenen Erfahrung nach gab es immer schon solche Bottom-up-Initiativen auf Teamebene. Man kann das als „Schatten-IT“ oder als „Getting Things Done“-Mentalität bezeichnen –  mit Sicherheit haben wir aber nie „DevOps“ dazu gesagt. Wenn ich es jetzt mit etwas Abstand betrachte, bemerke ich, dass solche individuellen Anstrengungen zwar bewundernswert und oftmals auch lohnend sind, aber ein Unternehmen nicht auf diese Art funktionieren kann. Bottom-up-Initiativen führen manchmal zu unbeabsichtigten und oft unerwünschten Konsequenzen. Das Team, das du vielleicht gerade so geschickt mit deiner eigenen Cloud-Infrastruktur umgangen hast, ist immer noch verantwortlich für die Gesamtstruktur, auch für deine in Eigeninitiative erstellten und damit für andere unzugänglichen Elemente. Das Team trägt die Verantwortung dafür, dass solche Eigeninitiativen nicht dem Business schaden.

DevOps kann dann erfolgreich sein, wenn es von der Unternehmens- führung selbst angenommen wird.

Ich denke, dass DevOps dann erfolgreich sein kann, wenn es von der Unternehmensführung selbst angenommen wird. Die Unternehmensführung ist ein Schlüsselelement auf dem Weg zu den Fortschritten und Erfolgen, die über DevOps bzw. ein System des ständigen Feedbacks erzielt werden können. Silos im Bereich der Unternehmensleitung bedingen Silos innerhalb der IT. Das verursacht Spannungen und beeinflusst die Art und Weise, wie Dinge umgesetzt werden. IT und Business sind nicht voneinander trennbar – zumindest nicht für meinen Typ Kunden. Das Unternehmen kann zusammenarbeiten, um ihre Anwendungen und Services an den Kunden zu bringen und dann wertvolles Feedback zu erhalten.

JAXenter: Auf der DevOpsCon hast du über die Entwicklung wirklich wertvoller Software gesprochen: Four Principles for Driving the Creation of Valuable Software. Was war dabei deine Kernbotschaft?

Rob Vanstone: Was Leute aus meiner Session mitnehmen sollten, ist der Punkt, dass DevOps kein endgültiger Zustand ist. DevOps ist eine Reise. Es ist keine bequeme Reise, und wir müssen ständige Veränderungen in unseren Methoden und Denkweisen akzeptieren sowie nach stetiger Verbesserung streben. Oft betreten wir einen Pfad, nur um letztlich doch wieder umzukehren und einen neuen zu beschreiten. Das ist in Ordnung, solange wir etwas aus der Erfahrung lernen können – und dieser falsche Pfad uns nicht zerstört. Als Unternehmen hat man nämlich kein Recht darauf zu überleben. In den letzten 33 Jahren sind von den auf der FTSE 100 aufgeführten Unternehmen lediglich 28 übrig geblieben!

Also: Macht weiter, verbessert euch, und bleibt in Bewegung!

Rob is Technology Director for XebiaLabs. With an engineering background in consulting and automation Rob helps many organisations to optimise their
delivery of business ideas to the customer. Rob has spent over 10 years integrating test, development and operational tooling to increase efficiency, quality and productivity for application development. Rob is a thought leader at XebiaLabs specialising in the DevOps, Cloud and Continuous Delivery space.

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Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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