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JAX London-Interview mit Vinita Rathi

DevOps und die technischen Herausforderungen bei Goldman Sachs

Coman Hamilton

Vinita Rathi auf der JAX London (Photo: S&S Media / Katura Jensen)

Im Anschluss an ihre Session auf der JAX London hatten wir die Gelegenheit, mit Vinita Rathi, ehemalige Vizepräsidentin von Goldman Sachs/London, über den DevOps-Ansatz des Unternehmens sowie die Verzögerungsprobleme, denen sich Programmierer in großen Unternehmen gegenübersehen, zu sprechen.

JAXenter: Eine interessante Tatsache, die du in deiner Session erwähntest, war, dass man bei Goldman Sachs vier Monate warten musste, wenn man Serverplatz wollte. Ist das für ein großes Unternehmen nicht ein massives Problem?

Vinita Rathi: Allerdings. Deshalb war es auch unsere übliche Strategie, gleich nach mehr zu fragen als wie brauchten. Wenn wir beispielsweise in Jahr X einen Server brauchten, haben wir zwei angefragt, um einen in Reserve zu haben. Wenn wir schließlich mehr Kapazität brauchten, ging dasselbe Spiel von vorne los. Das hatte nicht nur Auswirkungen auf unsere Rollout-Fähigkeit, sondern es war vielmehr eine Verschwendung von Infrastruktur, weil es immer Server gab, deren Kapazität nicht voll ausgeschöpft wurde. Das war eine Sache, die definitiv hätte verbessert werden können. Allerdings war es für uns nicht wirklich ein Flaschenhals – wir hatten ja diesen Puffer an Servern.

Soweit ich weiß, hat Goldman Sachs mittlerweile alle seine Server in die Cloud verschoben. Mit all diesen Bereitstellungsprozessen, die nun vorhanden sind, ist es im Vergleich zu früher nicht einfacher. Die alten Server existieren noch, es gibt diverse Altlasten. Goldman Sachs befand sich immer in einer Pionierrolle, es wurde immer versucht, schnell voranzukommen, sich schnell zu bewegen. Sie wissen also, dass sie Probleme haben, und sie arbeiten daran. Selbst als ich noch dort tätig war, wurde bereits an Lösungen gearbeitet.

JAXenter: Wenn die Leute über DevOps sprechen, meinen die einen, es bedeutet, weniger Tools zu verwenden, während andere davon ausgehen, dass die IT-Operations-Teams mehr Entwicklerarbeit verrichten. Stimmst du mit diesen Ansichten überein?

Vinita Rathi: Nicht wirklich. Ich persönlich glaube, dass die Grenzen zwischen Operations und Entwicklern zunehmend verwischen. So wie ich es sehe, ist es eher so, dass die Entwickler mehr Aufgaben aus dem Bereich Operations übernehmen als umgekehrt. Und die Entwickler hassen das. Andererseits sind es die Entwickler, die am besten über ihre Infrastruktur und ihren Code Bescheid wissen.

Ich persönlich finde, es wird besser gehandhabt, wenn die DevOps-Tools, die es für Entwickler gibt, genutzt werden. Aber einige Leute mögen es nicht, Server zu konfigurieren. Andere mögen es nicht, Packages zu installieren. Und wieder andere haben nichts für all diese verschiedenen Werkzeuge übrig. Entwickler tendieren manchmal dazu, Dinge nur dann zu reparieren, wenn sie ganz kaputt gehen.

JAXenter: Was hältst du davon, dass die Entwickler gezwungen werden, mehr Verantwortung zu übernehmen?

Vinita Rathi: Es gefällt mir. Je mehr man arbeitet, desto besser wird man. Man lernt mehr. Bislang sah es doch so aus, dass wir nichts anderes getan haben, als Code zu schreiben, ihn zu testen und ins Repository zu stellen. Den Rest der Arbeit (den Code in die Produktion überführen und an die User ausgeben) haben andere erledigt. Jetzt ist hingegen sichtbar, wie das Ganze vor sich geht – für mich ist das eine recht praktische Sache, eine gute Sache.

JAXenter: Was ist deiner Meinung nach die größte Herausforderung für Entwickler, aus DevOps-Sicht ?

Vinita Rathi: Der kulturelle Unterschied. Allein schon der Gedanke, einen Server verwalten zu müssen, bedeutet einen gewaltigen Wandel der Mentalität, dem sich Entwickler gegenübersehen. Ich glaube, darin liegt die größte Herausforderung.

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Coman Hamilton
Coman Hamilton
Coman was editor of JAXenter.com at S&S Media Group. He has a master's degree in cultural studies and has written and edited content for numerous websites and magazines, as well as several ad agencies.
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