Innovation in der Finanzbranche erfordert eine Time-To-Market von Stunden

DevOps: „Kreative Zerstörung findet leider noch viel zu wenig statt!“

Redaktion JAXenter

Michael Wittig, Speaker auf der DevOps Conference 2015, sprach mit uns über den Einsatz von DevOps und Cloud Computing in der Finanzbranche.

JAXenter: Du kündigst deine Session auf der DevOpsCon u.a. mit den folgenden Worten an: „Innovation in der Finanzbranche ist technologiegetrieben und erfordert eine Time-To-Market von Stunden und nicht – wie bisher üblich – Jahren“. Kannst du uns vorab ein wenig genauer erklären, was bei den Finanzdienstleistern, mit denen du arbeitest, so los ist?

Michael Wittig: Heute ist Geld rein virtuell. Fast alle Prozesse die mit Geld zu tun habe können zu 100% automatisiert abgewickelt werden. Allerdings sind die meisten Finanzdienstleister tief verschuldet – im technischen Sinne (technical debt). Das heißt, die IT-Landschaften sind sehr alt und sehr heterogen. Der Betrieb verschlingt Unsummen und eine wirkliche Weiterentwicklung  ist nur schwer möglich. Mit jedem Jahr steigt der Schuldenstand. Die IT wird als Kostenverursacher gesehen und nicht als Innovationsmotor. Wer da ausbrechen will braucht radikale Veränderungen.

Wer ist deiner Beobachtung nach bei dieser Beschleunigung üblicherweise der Treiber  die Business-Seite oder die IT?

Ich würde sagen, die branchenfremde Konkurrenz (zum Beispiel Apple Pay) und die Regulierung (Beispiel Basel III). Am Ende erwartet natürlich auch der Endkunde, dass sein Onlinebanking so einfach zu benutzen ist wie Facebook. Der Kunde weiß heute einfach, was technisch möglich ist und erwartet das auch von seiner Bank.

DevOpsCon Whitepaper 2018

Free: BRAND NEW DevOps Whitepaper 2018

Learn about Containers,Continuous Delivery, DevOps Culture, Cloud Platforms & Security with articles by experts like Michiel Rook, Christoph Engelbert, Scott Sanders and many more.

Welche Art von Daten kann eine Bank eigentlich heute schon problemlos in einer Cloud verarbeiten? Welche besonderen Auflagen und organisatorischen Umstellungen sind zu berücksichtigen damit eine Bank in die Cloud gehen kann?

Prinzipiell können alle Daten auch in der Cloud verarbeitet werden. Zusätzlich zu den Bestimmungen aus dem BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) gibt es in der Finanzbranche allerdings noch zusätzliche Auflagen, die Risiken beim Betrieb der IT einschränken sollen. Die Frage, die wir uns eigentlich stellen sollten, lautet: Wie kann eine Bank eigentlich von der Cloud profitieren?

Banken arbeiten heute mit sehr vielen Dienstleistern, wie passt das zur DevOps Idee? Gibt es da nicht enorme Verwerfungen am Markt, wenn die Bank konsequent Insourcing betreiben?

Kreative Zerstörung findet leider noch viel zu wenig statt! Verwerfungen sind doch genau das, was wir in einer eingefahrenen Situation brauchen, um den Knoten zu lösen! Es ist doch so: Ein wichtiger Erfolgsfaktor in der Finanzbranche ist die IT. Neue Produkte und Dienstleistungen entstehen auf technologischer Basis. Wer die Time-To-Market verkürzt und schneller an Feedback vom Kunde kommt, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil. Das genau erreicht man mit einer flexiblen Cloud-Infrastruktur und einer DevOps-Kultur.

Michael Wittig migrierte in einem kleinen Team die IT der ersten Bank in Deutschland komplett in die AWS-Cloud. Er hat einen starken Hintergrund im algorithmischen Handel, wo er tausende Gigabytes an Finanzmarktzeitreihen analysierte. Er benutzt die AWS-Cloud für die historische und Echtzeitanalyse von Finanzmarktdaten mit einer Vielzahl an Technologien und Programmiersprachen. Heute berät er zusammen mit seinem Bruder andere Unternehmen, wie sie die AWS-Cloud nutzen können, um ihren Datenschatz zu bergen, und er ist Entwickler der SaaS-Zeitreihendatenbank „TimeSeries.Guru“.
Geschrieben von
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: