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Bedeutet DevOps das Ende der DBAs?

Pierre Fricke

(c) Shutterstock / Smit

Pierre Fricke ist zurück um DevOps und dessen Part in der – wie er es nennt – Schlacht zwischen kreativen Entwicklern und Prozessjunkies zu diskutieren. Was wird die Zukunft für die Rolle der DBAs bringen?

DevOps hat sich sowohl in den Medien als auch unter den Verantwortlichen der Branche schnell zu einem vieldiskutierten Trendthema entwickelt, wobei letztere darin das nächste „große Ding“ sehen. Behauptet wird, dass DevOps die App-Entwicklung im Bereich von Hadoop und NoSQL-Datenbanken radikal verändern wird. Da ist es verständlich, dass einige Leute DevOps als ausschlaggebend für die heutige Welt der beschleunigten Entwicklungszyklen bei webbasierten und mobilen Applikationen betrachten.

Allerdings schwingt in dieser Ansicht ein bedenklicher Subtext mit: Es wird impliziert, dass die Entscheidungsgewalt von den Datenbankenadministratoren auf das Entwicklerteam übergehen sollte. Zwar sehe auch ich die Notwendigkeit, die Art und Weise, wie IT-Abteilungen Applikationen implementieren, zu verändern. Allerdings möchte ich doch davor warnen, einfach die Kontrolle zum Entwicklerteam zu transferieren. Senior Management Teams sollten die Auswirkungen, die die unterschiedlichen Herangehensweisen an die App-Entwicklung haben, bedenken.

Wenn es um DBMS-Entscheidungen geht, befand sich die Kontrolle traditionell vollständig in Hand der DBAs. Ich habe viele Blogposts gelesen, in denen die Schreiber die guten alten Zeiten, als die DBAs die Gesetze festlegten, um unbotmäßige Implementierungen zu unterbinden, wiederaufleben lassen. Doch das war häufig weder förderlich für Innovationen noch besonders hilfreich für Unternehmen, die auf Marktchancen  reagieren wollten. Mit dem Aufkommen von Software-as-a-Service und dem Aufstieg der Mobile Apps hat sich die Dynamik vollkommen verändert und Firmen, die weiterhin an derart rigiden IT-Modellen festhalten, geraten zunehmend ins Hintertreffen. In Shoreditch und anderen IT-Brennpunkten, in den trendsetzenden Startups der nächsten Generation, ist Agile die bevorzugte Herangehensweise. Sogar der UK Government Digital Service spricht schon seit geraumer Zeit über die Notwendigkeit, agiler zu werden.

Wir alle sehen ein, dass Command-Control-Herangehensweisen ans Management einengend sein können. DevOps gibt Firmen die Gelegenheit, neue Applikationen einzuführen und sie in Reaktion auf die Bedürfnisse ihrer Kunden dynamisch anzupassen. Für CIOs ist das eine äußerst positive Entwicklung, denn wo sie vorher nur die Arme verschränken und mit dem Kopf schütteln konnten, wenn der CEO Veränderungen forderte, können sie jetzt wertvolle Beiträge zur Unternehmensstrategie leisten.

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Trotzdem stellt die Übernahme dieser entwicklungsgeleiteten Denkweise eine Herausforderung dar. Der Wechsel hat spürbare Auswirkungen, nicht nur auf die Kultur der IT-Abteilung, sondern auch auf die der ganzen Branche. Sie forciert eine flachere, kollaborativere Organisationsstruktur, die sich schnell wandelt und fortwährend anpasst. Im Gegensatz dazu bestand die Hauptaufgabe der DBAs immer darin, die Datenlichter am Leuchten zu halten. Entscheidungsprozesse und Workflow-Diagramme sorgen zwar für eine dringend benötigte Struktur, aber sie kosten Zeit bei der Implementierung. Prinzipiell verlangsamen sie agile IT-Umgebungen.

Gleichzeitig garantiert ihre Herangehensweise ein nicht zu unterschätzendes Maß an Vertrauen und Sicherheit. Daraus resultiert ihr Ruf als Spielverderber der IT-Abteilung. Aber man sollte sich nicht vom Wechsel zu agilen Umgebungen mitreißen lassen. Letztendlich läuft alles auf gute Führung hinaus. So begrüßenswert die Demokratisierung der IT durch die Cloud ist, die auch Laien die Nutzung neuer Technologien ermöglicht: Am Ende braucht es doch jemanden, der die Fäden in der Hand hält, sie zusammenführt. Kurzfristigen Implementierungen droht die Gefahr, Silos entstehen zu lassen, was die Arbeit für IT-Teams noch erschweren dürfte.

Wie dieser Artikel über die aktuellen Herausforderungen in der Finanzindustrie zeigt, sind Legacy-Systeme keineswegs schon Vergangenheit. Tatsächlich setzen sich IT-Abteilungen zunehmend der Gefahr aus, eine immer komplexer werdende Infrastruktur nicht mehr adäquat betreuen zu können. Das kann nicht nur unter operativen Gesichtspunkten Kopfschmerzen bereiten, sondern ernsthafte regulatorische und finanzielle Konsequenzen haben, etwa wenn von einem Systemabsturz für Kunden oder die Öffentlichkeit essentielle Dienste betroffen sind.

Die Rolle des DBA mag in Zukunft verschwinden, ich würde aber jedem IT-Team empfehlen, sich daran zu erinnern, wie nützlich eine DBA-Denkweise sein kann. Es kann für ein Unternehmen weitaus förderlicher sein, die DBAs in die neuen DevOps-Prozesse und Teams zu integrieren. Es sollte keinen Kampf zwischen den kreativen Entwicklern und den Prozessjunkies geben. Zusammenarbeit wird in diesem Abschnitt des digitalen Zeitalters für Firmen so entscheidend wie vorteilhaft sein.

Aufmacherbild: a wall is broken through von Shutterstock / Urheberrecht: Smit

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Pierre Fricke
Pierre Fricke
Pierre Fricke ist Vice President of Product Marketing der EnterpriseDB Corporation und war vorher Executive bei Red Hat JBoss.
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