Interview

Developers are the new kingmakers – James Governor zur neuen Freiheit der Entwickler

© James Governor

James Governor ist Mitbegründer von RedMonk, eine Open-Source-Analystenfirma, die sich auf die Interessensgruppe der Entwickler spezialisiert hat. Er berät Unternehmen, Start-ups und große Konzerne wie IBM und Microsoft in Sachen entwicklergesteuerte Innovation, Community- und Technologiestrategien. James ist Koautor des O’Reilly-Buchs „Web 2.0 Design Patterns: What Architects and Entrepreneurs need to know“. RedMonk hat Social-Media-Tools umfassend im Einsatz – James (@monkchips) hat beispielsweise mehr als 9 000 Follower auf Twitter. Er wird außerdem vom Institute of Analyst Relations in den Top 5 der Analysten weltweit gelistet. Als Vorsitzender des „External Panel for Stakeholder Aussurance in Sustainability Strategy and Reporting“ 2009 leitete er die Bildung des Greenmonk Sustainability Advisory Services, einer RedMonk-Tochterfirma.

JAXenter: Hallo James. Auf der JAX 2013 hast du die Keynote „Developers are the new kingmakers“ präsentiert. Entwickler sind diejenigen, die auf einer gewählten Plattform arbeiten müssen, damit das Geschäft läuft. Ist es dieser Tage schwer, zu wählen?

James Governor: Es ist schwieriger denn je, oder leichter – das hängt davon ab, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet. Wir beobachten derzeit eine steil ansteigende Fragmentierung in den Bereichen Sprachen, Frameworks und Datenspeicherung. Aber die Frage verfehlt etwas das Thema der New Kingmakers. Entwickler müssen nicht machen, was ihnen gesagt wird, und sie müssen keine Sprachen nutzen, die sie nicht wollen. Wenn dir die Technologien, für die sich dein Arbeitgeber entscheidet, nicht gefallen, dann kündige! Es gibt eine Vielzahl von Entwicklerstellen da draußen. Wir stehen am Beginn einer neuen Epoche der Freiheit für Softwareentwickler, besonders für die talentierten unter ihnen.

JAXenter: Es ist schwierig, eine Wahl fürs Leben zu treffen. Vielleicht ist es eher ein evolutionärer Prozess: als Start-up bzw. noch sehr junge Firma muss man schnell agieren können, sonst verliert man das Rennen. Kein Start-up würde eine schwergewichtige Technologie zu Beginn wählen. Aber wenn das ernste Geschäft beginnt, benötigt man auch ernsthafte Technologien. Was denkst du darüber?

Governor: Es ist kein Geheimnis, dass viele Webunternehmen, die ursprünglich Java und ähnliche Technologien abgelehnt haben, heute JVM-Läden sind und oft Java als Sprache nutzen, zum Beispiel Twitter oder Facebook. Aber ich bin immer vorsichtig damit, bestimmte Technologien im Vergleich zu anderen als „schwergewichtig“ oder „ernsthaft“ abzustempeln. Wir bei RedMonk haben Themen wie Open Source, Cloud Computing, NoSQL, den LAMP Stack und andere Technologien genau verfolgt, die ursprünglich abgelehnt wurden mit der Begründung, dass sie „nicht skalieren“. Offen gesagt machen gute Entwickler Technologie skalierbar.

JAXenter: SoundCloud hat kürzlich bekannt gegeben, dass sie Ruby on Rails aufgeben und zur JVM wechseln. RoR skaliere nicht gut, auch wenn die Arbeit damit viel Spaß mache. Man kann aber sagen, dass RoR hoch produktiv ist, wenn es um einfache Aufgaben geht. Provokant gefragt: Geht es etwa um Spaß versus Erfolg?

Governor: Ganz so einfach ist das nicht. Es hängt davon ab, wie man Skalierbarkeit definiert. Ich störe mich auch an der Unterscheidung zwischen Spaß und Erfolg. Spaß ist Erfolg. Siehe GitHub oder Etsy. Wir haben kürzlich erfahren, dass der National Health Service in seinem Spine-2-Projekt RIAK verstärkt einsetzen wird und dafür weniger Oracle nutzen wird – aber das bedeutet ja nicht, dass Oracle nicht ordentlich skaliert, oder?

JAXenter: Um zurück zur ersten Frage zu kommen: Wie schwer fällt es Entwicklern, die richtige Sprache für die JVM zu wählen?

Governor: Es ist schwierig, eine Sprache zu wählen, weil es einfach so viel Innovation in Sachen JVM-Sprachen gibt. Aber meiner Meinung nach ist der erste Schritt, polyglott zu werden, denn dann bringt die Wahl mehr Spaß mit sich und der Entwickler kann die richtige Sprache für den jeweiligen Kontext wählen und das richtige Werkzeug für die (jeweilige) Aufgabe.

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