Next Desktop Generation

Der neue SuSE Linux Enterprise Desktop 10

Ralph Steyer

Wem Windows und ergänzende Office-Lösungen zu teuer sind und OpenSuSE oder andere populäre Linux-Anwenderdistributionen zu wenig nach Business klingen, dem will Novell mit seinem neuen Linux Enterprise Desktop eine Alternative bieten. Der neue Linux Desktop, der für Sommer 2006 zusammen mit dem Enterprise Server angekündigt ist, soll sich vor allen Dingen nahtlos in bestehende IT-Geschäftsumgebungen einfügen.

Novell sieht in seinen Produkten der kommenden SuSE-Linux-Enterprise-Welt die Plattform für ein offenes Unternehmen auf Basis offener Standards. Und dies für alle wichtigen Einsatzbereiche in Unternehmen: Rechenzentren, Arbeitsgruppen, Desktop, Sicherheit, Identitäts- und Ressourcen-Management. Der Begriff „SuSE Linux Enterprise“ bildet dabei die Grundlage für alle zukünftigen Linux-Angebote von Novell, einschließlich SuSE Linux Enterprise Server und dem SuSE Linux Enterprise Desktop. Die gesamte Plattform wurde nach Aussage von Novell dafür entwickelt, dass Unternehmen im wachsenden Wettbewerb bestehen können, steigende IT-Kosten in den Griff kriegen und wachsende Sicherheitsbedrohungen abwenden sowie anspruchsvollere Kunden bedienen können. Zusätzlich sind die zahlreichen weiteren Produkte von Novell darauf ausgelegt, gemeinsam mit SuSE Linux Enterprise eingesetzt zu werden. Insbesondere neue integrierte Technologien wie Xen 3.0 für die Virtualisierung und AppArmor für die Sicherheit sollen zudem dafür sorgen, dass zuverlässige Linux-Implementierungen für geschäftskritische Anwendungen möglich werden. Aber auch Techniken wie das Speichersystem von SuSE Linux Enterprise 10, das das Oracle Cluster File System 2, Enterprise Volume Manager und Heartbeat 2 Clustering Services integriert, ermöglichen eine hochverfügbare Speicherlösung, die vollständig auf Open-Source-Komponenten beruht.

Novell lobt in seinen offiziellen Verlautbarungen vor allem seinen neuen Linux Desktop als neue Generation. Insbesondere die Benutzerfreundlichkeit soll gravierend verbessert worden sein. Nach eigenen Aussagen wurde das neue Programmpaket aufgrund intensivster Benutzertests neu konzipiert. Angeblich wurden von Novell über zwei Jahre hinweg hunderte solcher Benutzertests durchgeführt und auf diesen Ergebnissen aufbauend eine optimale Desktop-Lösung erstellt. Die Ergebnisse dieser Tests resultieren in einer neuen grafischen Benutzeroberfläche, deren Highlights eine integrierte Suchfunktionalität und ein verbessertes Menü sind.

Abb. 1: Der neue Desktop von Novell soll besonders benutzerfreundlich sein

Entscheidende Argumente für den Einsatz von Linux im Business-Umfeld sind auf jeden Fall auch die Kosten. Und hiermit will auch Novell die Kundschaft zu sich holen. So soll ein vollständiger Arbeitsplatz auf Basis vom SuSE Linux Enterprise Desktop 90 Prozent weniger kosten als eine vergleichbare Lösung auf Basis von Windows. Dabei hebt Novell hervor, dass bereits zahlreiche Anwendungsprogramme als All-in-One-Lösung im Linux Desktop enthalten sind und für nahezu alle Aufgaben des Büroalltags keine zusätzlichen Programme notwendig sind. Die Vorteile nahtlos integrierter Programme dürften vor allem ungeübte Anwender zu schätzen wissen. Aber auch Administratoren dürfte diese Homogenität entgegenkommen.

Im Linux Enterprise Desktop ist unter anderem als zentrales Feature die Version 2.0 von OpenOffice.org enthalten. Das Büropaket wurde von Novell speziell für Business-Anforderungen angepasst und unterstützt nun auch Pivot-Tabellen aus Microsoft Excel. Ebenso wurde die Unterstützung für VBA-Makros erheblich erweitert (insbesondere für Tabellen mit VBA-Makros). Das ist auf der einen Seite ein Riesenschritt, um die Umstellung von einer Microsoft-Lösung auf Linux zu fördern. Auf der anderen Seite ist aber zu hoffen, dass nicht auch die gravierenden Sicherheitslücken der VBA-Technologie mit portiert werden.

Abb. 2: Sehnlichst erwartet oder Teufelszeugß Erweiterte VBA-Unterstützung in OpenOffice.org
Installation und Konfiguration

Die Installation und Konfiguration des SuSE Linux Enterprise Desktop basiert auf dem bekannten SuSE-Tool YaST und den bei SuSE schon lange bewährten Techniken. Damit sind alle Vorteile bezüglich einer einfachen Installation und Konfiguration verfügbar.

Abb. 3: Damit die Arbeit nicht zu langweilig wird, kann man sich mit 3D-Effekten unterhalten

Eine weitere Verbesserung reklamiert Novell bei der 3D-Grafik. Der SuSE Linux Enterprise Desktop ist die erste Linux-Desktop-Lösung mit Xgl-basierten Grafikleistungen. Xgl ist die neue Rendering-Technologie für den Linux-Desktop, die sich die Vorteile weit verbreiteter Grafik-Hardware für beschleunigtes 3D-Rendering zu Nutze macht. Inwieweit dies für den Bereich der typischen Business-Anwendungen aber überhaupt relevant ist, ist eine andere Frage.

Wichtiger ist die nahtlose Integration des neuen Linux Enterprise Desktop in bestehende Netzwerk- und IT-Umgebungen. Der SuSE Linux Enterprise Desktop kann in verschiedenen Umgebungen implementiert werden, einschließlich Thick- und Thin-Client-Umgebungen. Dabei werden alle relevanten Standard-Sicherheitsprotokolle und offene Standards unterstützt, um eine einfache Integration zu gewährleisten. Das gilt bei Netzwerken auch für drahtlose Netzwerke. Aber die nahtlose Interoperabilität und die vielen unterstützten Standards ermöglichen SuSE Linux Enterprise Desktop vor allem die Koexistenz neben Windows, Mac, Unix und anderen Betriebssystemen in einem Geschäftsumfeld. In Bezug auf bestehende IT-Umgebungen mit anderen Betriebssystemen wie Windows und darunter laufenden Produkten bietet der neue Linux Desktop genügend Programme, um damit reibungslos zusammenzuarbeiten. Zum Beispiel Evolution, um sich damit mit einem Exchange Server zu verbinden. Aber auch mit anderen Servern wie Notes/Domino funktioniert die Zusammenarbeit.

Abb. 4: Auch WLAN-Verbindungen werden komfortabel unterstützt

Ein Argument im Geschäftsumfeld statt einer Anwender-Distribution eine meist leistungsreduzierte Business-Distribution vorzuziehen, ist der Support. Novell bietet zahlenden Kunden über die Vertragslaufzeit Zugriff auf das zentrale Online-Portal „Novell Customer Center“, über das neue Versionen, Security Patches und technische Updates bereitgestellt werden. Diese lassen sich bei großen Installationen auch über das ZENworks Linux Management verwalten.

Fazit

Der SuSE Linux Enterprise Desktop ist als typische Büro-Distribution kein Highlight in Bezug auf innovative Gimmicks. Die Spielereien bei der Unterstützung von 3-D-Grafik sind nett, aber im Geschäftsbereich sicher nicht entscheidend. Stattdessen sind die solide und benutzerfreundliche Umsetzung für den Büroalltag samt optimalem Support zu guten Preisen die Kriterien der Wahl und hier punktet Novell mit seiner neuen Lösung.

Geschrieben von
Ralph Steyer
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