Der große Jahresrückblick: Das war Java 2012 [Teil 1]

März


src=“http://entwickler.com/develop/zonen/magazine/onlineartikel/pspic/picture_file/70/Odersky50e6bcd8eb860.jpg?1357298905″ hspace=“10″ vspace=“5″ alt=““>

Das herausragende Ereignis im März war rückblickend die Veröffentlichung des Scala Stacks 2.0. Das aufeinander abgestimmte Technologie-Paket des Unternehmens Typesafe um Scala-Erfinder Martin Odersky (Bild) enthält die Version 2.9.1-1 der Programmiersprache Scala, das Middleware-Framework Akka 2.0, die Scala IDE für Eclipse 2.0 und das Web Framework Play 2.0 – und bildete eine völlig neue Basis für die ernsthafte Enterprise-Entwicklung mit Scala.

Wir unterhielten uns damals mit Typesafe CEO Donald Fischer, der den großen Vorteil des Stacks in der Skalierbarkeit und der gesteigerten Entwicklerproduktivität sieht:

Beim Typesafe Stack geht es darum, Anwendungen in Java und Scala zu bauen, die in Cloud-Computing-Systemen und virtualisierten Datencentern bis zu den höchsten Auslastungen skalierbar sind.

Oracle-Evangelist Arun Gupta brachte das Blut aller Spring-Entwickler in Wallung, als er Spring als „Legacy-Technologie“ bezeichnete. Der Vergleich in seinem Blogbeitrag „Why is Java EE 6 better than Spring ?“ lautete: Spring = Struts 2003. Revolutionär zu seiner Zeit, heute Legacy. Prompt konterten Spring-Verfechter mit Gegenargumenten: Das Spring-Ökosystem habe jede Menge zusätzlicher Technologien zu bieten, die weit über den Scope von Java EE hinausreichten: Ein Standard wie JavaEE löse definitionsgemäß die Probleme von gestern, Spring schaue nach vorne. Wie dem auch sei – in 2012 sahen wir jedenfalls eine weitere Verbreitung des Java EE Standards, dessen Erfolgskurve steil nach oben zeigt. Und im März wurde der Spring 3.1 Release Train abgeschlossen.

Interessant war im März auch die Veröffentlichung der ersten Major-Version von Googles Systemsprache Go. Wir überlegten, inwiefern Go auch für Java-Entwickler relevant sein könnte: vielleicht als Sprache für systemnahe Umsetzungen, die den Vorteil hat, liebgewonnene Erleichterungen wie Garbage Collection mit an Bord zu haben.

In der Eclipse Community wurden die Sieger der Community Awards bekannt gegeben: Top Committer: Sven Efftinge, Top Contributors: Stephan Herrmann und Alex Blewitt, Top Newcomer Evangelist: Lars Vogel, Lifetime Contribution Award: Ed Merks. Wir kürten im Rahmen des MobileTech Awards 2012 hotel.de zur besten deutschen Android App, 6Wunderkinder zur besten deutschen Mobile Company und Heike Scholz zum Top Mobile Ambassador.

Releases gab es auch im März: Ceylon M2, IntelliJ IDEA 11.1, OpenSAGA 2.0, Touch4J 2.0 (Sencha Touch für Java). Googles WindowTester Pro wurde als Open-Source-Projekt zur Verfügung gestellt. Das im JSR 357 vorgeschlagene Social-Media-API wurde vom JCP indes abgelehnt – die Zeit sei noch nicht reif für eine Standardisierung, hieß es in der Begründung.

Zum JAXenter-Top-Artikel im März küren wir Michael Plöds „Hibernate 4: Was ist neu?“ Spannend waren auch die beiden Quickvotes zur Verbreitung von Java 7. Ergebnis: Beruflich konnten damals lediglich 13 % Java 7 nutzen. Privat waren es immerhin schon 39 %.

April


src=“http://entwickler.com/develop/zonen/magazine/onlineartikel/pspic/picture_file/22/JAX_2012_E50e6d42aa4e3d.png?1357304874″ hspace=“10″ vspace=“5″ alt=““>

Im April hieß es wieder einmal: Es ist JAX-Zeit! Zum 12. Mal eröffnete Program Chair Sebastian Meyen (Bild) die Konferenz für Java, Architektur, Agile und Cloud, die 2012 erstmalig die Unterkonferenz BigDataCon beherbergte. In seiner Eröffnungsrede richtete Sebastian einen analytischen Blick auf den „State of Java“ und zog das Fazit: „This is not your Daddy´s Java“. Neue Trends und Entwicklungen haben das das Bild dessen verändert, was Java noch vor 10 Jahren bedeutete:

  • Mobile: Zeitgemäße Entwickler müssen sich von dem Gedanken verabschieden, dass sie einfach nur Webseiten bauen. Entwickelt werden Dienste, die auf verschiedenen Frontends funktionieren müssen – vom Smartphone über den Browser bis zum klassischen Desktop.
  • JavaScript: JavaScript hat längst den Ruf verloren, die Quick-and-Dirty-Technologie zum Verzieren von Webseiten zu sein.
  • HTML5: HTML5 verändert mit seinen umfassenden Möglichkeiten das Bauen von Webseiten und Anwendungen nachhaltig, beispielsweise durch bi-direktionale Kommunikationsmodelle.
  • Cloud: Cloud-Systeme etablieren nach und nach einen neuen Standard für das Deployment von Anwendungen – im Grunde eine neue Generation bzw. Weiterentwicklung der aktuell verfügbaren Applikationsserver, die in virtuellen Umgebungen betrieben werden.
  • Big Data: Die Verarbeitung großer Datenmengen wird durch Software- wie Hardware-Fortschritte immer einfacher und wird sich bald zum Mainstream entwickeln.
  • Continuous Delivery: Sowohl methodisch als auch Tool-seitig wird das Thema immer relevanter, die sogenannte „letzte Meile“ der Produktentwicklung effizient zu gestalten.
  • Social: Die Metapher der Enterprise-Portale wird zunehmend durch Facebook, Twitter & Co. abgelöst.
  • Elastic Infrastructure: Die DevOps-Bewegung versucht nach dem Vorbild von Agile, die alte Kluft zwischen Operations und Development zu überbrücken.

Dies zusammengenommen sei zwar keine Revolution, so Sebastian, aber wohl eine deutliche Verschiebung, die eine neue Richtung für das Bauen moderner und nachhaltiger Java-Anwendungen vorgibt.

Über die Konferenz berichteten wir in zahlreichen Beiträgen, Interviews und Video-Mitschnitten – alle zusammengefasst in der JAX-2012-Serie. Den Vogel schoss dabei JAX-Speaker Tim Becker ab, der in seinem Beitrag „Warum alle Java hassen“ einen kritischen Blick auf die Java-Community warf – und damit die meisten Klicks im April auf sich zog.

Hohe Wellen schlug natürlich auch der Prozessbeginn zwischen Oracle und Google am 16. April, in der Oracle Google Urheberrechts- und Patentverletzungen in der Android-Plattform vorwarf. Nach zahlreichen prominenten Zeugenaussagen und trickreichen Advokaten-Manövern wurde das Urteil dann erst einmal vertagt – erst Ende Mai kam es dann zur endgültigen Ablehnung der Forderungen Oracles.


src=“http://entwickler.com/develop/zonen/magazine/onlineartikel/pspic/picture_file/52/Erich_Gamm50e6d46b06a3b.jpg?1357304939″ hspace=“10″ vspace=“5″ alt=““>

Große Freude machte sich im April in der Eclipse Community breit. Eclipse erhielt den Prestige-trächtigen ACM-Award, der besonders nachhaltig wirkenden Technologien verliehen wird. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Java, Apache, Mosaic, das World Wide Web, Smalltalk und UNIX. Die Verleihung des ACM-Awards an Eclipse bezeugt, dass mit der Eclipse-Plattform Erich Gammas (Bild) berühmtes Design-Prinzip „Built to Last“ auf exemplarische Art und Weise umgesetzt wurde.

JavaFX 2.1 brachte den Support für Mac OS X. JBoss etablierte mit Arquillian 1.0 einen neuen Standard des Java-Enterprise-Testing. Apache TomEE 1.0, die Java-EE-Variante des Tomcat-Servers, ist erschienen. Erwähnenswert sind zudem Apache Cassandra 1.1, die JVM-Shell CRaSH 1.0, Neo4j 1.7, Sonar 3.0 und der erste Meilenstein der JVM-Sprache Kotlin.

Über eine Doppel-Meldung wunderten wir uns aber am meisten: Oracle plant offenbar, die Goto-Anweisung in Java 8 zu integrieren. Außerdem will Erich Gamma, der mittlerweile in Diensten Microsofts steht, Windows Phone nach Eclipse bringen. Das Veröffentlichungsdatum dieser News (1. April 2012) dürfte allerdings bei der richtigen Einschätzung der Meldungen helfen.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.