Evaluierung der Cloud-Lösungen von Google, Microsoft und Amazon

Der große Cloud-Dreikampf: Google vs. Microsoft vs. Amazon

Stefan Janisch

Cloud Computing ist eines der meist diskutierten Themen der IT-Branche in den letzten Jahren. Während die Tatsache, dass bestimmte Teile der Systemlandschaft in die Cloud auszulagern sind, für viele Unternehmen klar ist, stellt sich die Frage, welcher Cloud-Anbieter für das jeweilige Vorhaben der richtige ist.

Der Markt für Cloud-Computing-Lösungen gestaltet sich durch eine Vielzahl von Anbietern unübersichtlich. Jeder dieser Anbieter hat sein eigenes Angebot, seine Stärken und seine Schwächen. Um hier einen kleinen Überblick zu schaffen, vergleicht dieser Artikel die Angebote von Amazon, Microsoft und Google. Nachfolgend werden diese Cloud-Lösungen getrennt beschrieben und bewertet. Dabei erfolgt die Bewertung mithilfe einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 die schlechteste und 5 die bestmögliche Bewertung darstellt. In Hinblick auf Übersichtlichkeit werden diese einzelnen Kriterien in die Kriteriengruppen Allgemeine Kriterien, Services, Entwicklung und Beispielapplikation unterteilt. Bei der letzten Kriteriengruppe ist zu beachten, dass sie sich auf die Entwicklung von Java-basierten Applikationen bezieht. Andere Programmierplattformen wurden für diesen Vergleich außen vor gelassen.

Amazon Web Service

Amazon ist eines der Pionierunternehmen in der Cloud-Computing-Branche. Durch diese Stellung kann Amazon ein sehr umfangreiches Angebot in allen Servicebereichen anbieten und mit verhältnismäßig viel Erfahrung im Cloud-Umfeld bei Kunden punkten. Ein zusätzlicher großer Vorteil von Amazon ist die Plattformunabhängigkeit.

Für die Verwendung von Java werden ausführlich dokumentierte Beispielanwendungen, Tutorials und eine API-Referenz zur Verfügung gestellt. Zusätzlich stehen auch für jeden Service eigene FAQs zur Verfügung. Der Großteil dieser Dokumentation ist allerdings nur in Englisch verfügbar. Zusätzlich stellt Amazon für Java-Entwickler ein umfangreiches Eclipse-Plug-in zur Verfügung. Es besteht die Möglichkeit, die Verbindung zu den von Amazon angebotenen Services über dieses Plug-in zu konfigurieren oder Beispielapplikationen erstellen zu lassen. Ein direkter Zugriff auf die Datenbankservices wird ebenfalls ermöglicht. Aufgrund der Möglichkeit zur freien Gestaltung von Amazon Machine Images (AMI) im EC2-Service, der das IaaS-Angebot von Amazon darstellt, besteht keine Einschränkung bei den gewünschten Betriebssystemen, Entwicklungsumgebungen und anderer Software. AMIs sind vorkonfigurierte Images, die auf den EC2-Instanzen installiert werden. Durch ein übersichtlich gestaltetes Managementstudio beziehungsweise dem Firefox-Plug-in Elastic Fox gestaltet sich das Erstellen und Konfigurieren der Services einfach. Negativ fällt auf, dass eine Kreditkarte für das Erstellen eines Amazon-Web-Service-Accounts zwingend erforderlich ist. Durch seine Service Level Agreements garantiert Amazon für Rechenleistung und Speicher eine Verfügbarkeit von 99,95 Prozent. Bei Nichteinhaltung dieser Verfügbarkeit werden den Kunden Service-Credits gutgeschrieben. Das Preismodell ist einfach gestaltet und Kunden bezahlen nur jene Aspekte, die sie auch tatsächlich nutzen. Je mehr Ressourcen verwendet werden, desto günstiger wird eine Einheit des jeweiligen Service. Zusätzlich fallen bei Amazon noch Kosten für den Load-Balancer-Service an, falls die Last auf mehrere Instanzen aufgeteilt werden soll. Um die Kosten für die Cloud vorab berechnen zu können, bietet Amazon den Simple-Monthly-Calculator-Service an.

Amazon hat als Pionier in der Cloud-Computing-Branche ein sehr umfangreiches Angebot in allen Architekturen. Dieses Angebot bezieht sich fast ausschließlich auf den Public-Cloud-Bereich. Seit Kurzem bietet Amazon auch im Private-Cloud-Bereich die Amazon Virtual Private Cloud an. Für strukturierte Daten bietet Amazon NoSQL-basierte und auf relationalen Datenbanken fußende Services an. Zusätzlich besteht für den Kunden die Möglichkeit, auf seiner EC2-Instanz jede Datenbank zu installieren, die benötigt wird. Im Bereich von Massenspeicherservices stellt Amazon mit dem S3-Service eine flexible und skalierbare Lösung für das Speichern von binären Daten an. Weiteres kann man mit dem EBS-Service weitere Volumes zu den EC2-Instanzen hinzufügen.

Für die Einarbeitung in die Applikationsentwicklung in der Amazon Cloud ist der Aufwand gering, da sich die Entwicklung nicht sehr von einer clientseitigen Entwicklung unterscheidet. Das Framework ist für die einzelnen Services gut dokumentiert und strukturiert. Der Aufwand des Bereitstellens einer Applikation in der Amazon Cloud unterscheidet sich nicht von dem beim Client selbst. Des Weiteren ist die Implementierung der einzelnen Services durch die gute Dokumentation, jedoch den komplexeren Aufbau des API mit einem größeren Aufwand als bei der Google App Engine verbunden.

Mithilfe einer Beispielapplikation wurden Messergebnisse ermittelt. Die durchschnittliche Zeit für die Durchführung eines zu Testzwecken implementierten rechenintensiven Algorithmus nimmt 1550 Millisekunden bei einer Small Instance in Anspruch. Der im Vergleich dazu nicht rechenintensive Loginvorgang hat hingegen inklusive Antwortzeit 1,52 Sekunden in Anspruch genommen. Zudem kann die Applikation vollständig am Client getestet werden, aber es werden auch die Tests verrechnet. Amazon bietet derzeit keinen Testaccount, um Applikationen gratis zu testen. Die Funktionen, die für die Applikation benötigt werden, konnten ohne Probleme implementiert werden

Tabelle 1: Bewertungstabelle der Amazon Web Services (5 beste, 1 schlechteste)

Kriterien Gruppe Kriterium Punkte
Allgemeine Kriterien Dokumentation 4
Entwicklerwerkzeuge 5
Plattformunabhängigkeit 5
Installationsaufwand 4
SLA und Ausfallsicherheit 5
Preis 3
Services Breite des Angebots 4
Services für strukturierte Daten 5
Services für Massenspeicher 5
Entwicklung Vor- und Einarbeitung 4
Deployment der Applikation 5
Entwicklungsaufwand 3
Beispielapplikation Performanz 5
Antwortzeit 4
Testbarkeit Applikation 3
Umsetzbarkeit 5
Summe Summe 69
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Stefan Janisch
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