Im API-Boom zählen bereits Millisekunden...

Der Faktor Performance in einer API-gesteuerten Welt

Per Buer

© Shutterstock.com / Creativa Images

Geschwindigkeit ist alles. So sehen es zumindest die Online-User, die beim Surfen im Netz jederzeit eine unmittelbare Reaktion erwarten. Damit ist das Schicksal einer Website immer enger mit der Performance von APIs verwoben. Mit der steigende Bedeutung der API-Performance wird sich Per Buer in seiner Session auf der JAX London beschäftigen. Im Vorfeld gibt einen kleinen Einblick in das Thema…

In den letzten Jahren sind Web-APIs durch die Decke geschossen. Viele Beobachter der Technologie-Branche sehen sie als Lieferanten des Antriebs einer ganzen „API Economy“. Um hier Schritt zu halten und um einen schnellen Weg für das Wachstum von Unternehmen anbieten zu können, öffnen immer mehr Unternehmen und Organisationen ihre Plattformen für Drittanbieter. Während so durchaus viele neue Möglichkeiten geschaffen werden, kann dies aber auch schwierige Konsequenzen und hohe Risiken mit sich bringen. Allerdings sind diese zumindest nicht immer unvorhersehbar.

Die Checklisten von Unternehmen für das Erstellen und die Auswahl von API-Management-Tools sind oftmals sehr lang. Aus den meisten lässt sich ein großer Bedarf an Sicherheitslösungen herauslesen (sowohl für die Kommunikation – TLS – als auch echte API-Sicherheit – keys –), aber auch für’s Auditing, Logging, Monitoring, Throttling, Metering und Caching. Viele übersehen allerdings den wichtigsten Faktor: Performance. Genau hier aber können Sie auf Nummer sicher gehen und mit dem potentiellen Risiko planen.

Seit den 90ern ist viel passiert

Es gibt eine interessante Parallele zwischen der Entwicklung von APIs und dem langen Weg, den Websites seit den Neunzigern zurückgelegt haben. Damals bestanden Websites nur aus wenigen Objekten und hatten nicht so viele Besucher, so dass Performance und Skalierbarkeit nicht wirklich wichtig waren. Das hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts dramatisch verändert.

Heute bestrafen ungeduldige Besucher langsame Websites mit kurzer Anwesenheitszeit und in vielen Fällen kommen sie nie wieder zurück. Harry Shum sagt, dass Seiten, die nur 250 Millisekunden schneller laden als ihre Konkurrenz – also nur den Bruchteil eines Wimpernschlags – schon einen Vorteil besitzen.

APIs haben eine ähnliche Entwicklung hinter sich. Vor 10 oder 15 Jahren hatten die meisten API-Management-Tools nicht allzu viel zu tun. Damit war auch Performance kein großes API-Thema. Die Zahl der verarbeiteten API-Calls wurde oftmals in Calls pro Stunde gemessen. Dementsprechend wurden diese Tools für andere Anforderungen konzipiert, als für die Bewältigung tausender API-Calls pro Sekunde. Was für einen Unterschied ein Jahrzehnt doch machen kann!

Laut Statista wird die Zahl der mobilen App-Downloads im Jahr 2017 etwa 268.69 Milliarden erreichen. Trotzdem haben die API-Management-Tools noch nicht aufgeholt. Selbst heute können viele der Produkte im oberen Segment der verschiedenen Händler nur Raten von 200 API-Calls pro Sekunde und Server verarbeiten. Ihr Fokus liegt auf Features, nicht auf der Performance.

API-Calls ohne Limit?

Wenn Sie Ihre API-Plattform starten, wollen Sie vermutlich, dass viele Entwickler sie benutzen. Die meisten Web-Services haben allerdings einen Grenzwert für API-Calls festgelegt. Wenn dieser hoch genug angesetzt wird, ist so ein Limit auch vernünftig, um Verfügbarkeit und Servicequalität zu garantieren. Aber welcher Grenzwert ist wirklich hoch genug, um in unserer schnellen Zeit einen Wettbewerbsvorteil zu bringen? Nehmen Sie zum Beispiel die Finanzbranche, wo viele Unternehmen ihre Plattformen in einer Wettbewerbs-Ausschreibung öffnen. Damit wollen sie Entwickler anlocken, die Drittanbieter-Apps entwickeln sollen, um zur angestrebten Monetarisierung von Daten beizutragen. Diejenigen Unternehmen, die das API-Call-Limit zu niedrig ansetzen, verursachen eine negative Entwicklungs-Erfahrung und treiben die Entwickler zu leistungsfähigeren Umgebungen.

Eine begrenzte Zahl von API-Calls in Web-Services beeinflusst auch den Endnutzer. Nehmen Sie zum Beispiel Online-Reisedienste oder Online-Medien. In diesen Umgebungen muss eine große Menge an Daten durch die APIs fließen. Diese werden immer abhängiger von schneller und reibungsloser Kommunikation zwischen ihren Services und ihren zahlreichen Apps. Wenn diese Services wegen einer API-Call-Limitation langsamer werden, wechseln Kunden zu schnelleren Seiten.

Fazit

Ich habe die Situation von APIs mit der des Internets von vor 10 Jahren verglichen, als die Performance anfing, wichtig zu werden. Die Lage heute ist aber deutlich ernster als ich ursprünglich angenommen hatte. Die Kunden verlangen zunehmend nach sofortiger Leistung. Das bedeutet, dass sich das Fenster für Unternehmen schließt, um die Performance ihrer APIs zu garantieren. Die Fähigkeit, mehr Performance zu liefern und ein höheres API-Call-Limit zu setzen, kann hier schon einen großen Unterschied machen. Andernfalls werden Entwickler nämlich wo anders hin gehen und andere Unternehmen im Wachstum unterstützen. Wenn Sie sich für die Zukunft des API-Booms absichern wollen, sollten Sie jetzt den Performance-Faktor bedenken.

Aufmacherbild: Businessman in ready position to race on the track von Shutterstock.com / Urheberrecht: Creativa Images

Geschrieben von
Per Buer
Per Buer
Per Buer ist Gründer und CTO von Varnish Software, dem Unternehmen hinter dem Open-Source-Projekt Varnish Cache. Buer war früher Programmierer, dann Sysadmin, danach Manager und wurde schlussendlich zum Unternehmer. Er läuft, fährt Langlauf-Ski und versucht seine zwei Jungs davon abzuhalten, das Haus abzureißen.
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