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Kolumne

Der erste Schritt … (zum Architekturüberblick)

Stefan Zörner

Stefan Zörner

Mit diesem Beitrag startet Stefan Zörner in seine neue Kolumne zur Softwarearchitektur: Hier werden regelmäßig Ideen, Beobachtungen und Diskussionen rund um das Thema Architektur aufgegriffen und kommentiert.

Mal Hand aufs Herz: Wann wart Ihr das letzte Mal in einem Museum? Ist Euch zu verstaubt? Langweilig? Mitunter schon. Viele Museen präsentieren sich heute aber sehr modern. Sie vermitteln Wissen auf informative und anregende Weise und bieten vergnügliche Stunden.

Zuletzt habe ich in meinem Urlaub zwei konkrete Vertreter dieser moderneren Form kennengelernt: das Niederländische Eisenbahnmuseum in Utrecht („Het Spoorwegmuseum“, Homepage) und die Batavia-Werft in Lelystadt (Homepage).

Abb_02_Eisenbahnmuseum

Im Eisenbahnmuseum in Utrecht

Viele Museen händigen Besuchern einen kompakten Überblicksplan aus, mit dem Ihr Euch schnell zurecht findet, auch die beiden oben genannten. Hier Beispielimpressionen daraus: Überblick Eisenbahnmuseum, Überblick Batavia-Werft.

Dass diese Pläne gut funktionieren, liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass Zielgruppe und Zielsetzung sehr klar umrissen sind.

Was hat das nun mit Softwarearchitektur zu tun?

Unternehmen, Projekte oder Teams wünschen sich daher einen Architekturüberblick für ihre Systemlandschaft oder ihr Softwaresystem. Neue im Team beispielsweise sollen sich nicht fühlen wie in einem (schlechten) Museum (ggf. einem Kuriositätenkabinett), wenn sie die Lösung erkunden.

Typische Motivationen dahinter:

  • Team- oder Projektmitgliedern (z.B. Entwicklern) fehlt ein Überblick über Lösungsansätze auf hoher Ebene, um fokussiert zu arbeiten
  • Entscheider und andere Stakeholder haben Unsicherheiten oder geringes Vertrauen in die Lösung
  • Teamfremde Kollegen sind an Lösungsansätzen interessiert, finden aber keine oder sehr detaillierte Informationen, die ihnen einen schnellen Überblick schwierig machen
  • Neue Teammitglieder, die mitentwickeln wollen, finden sich in der Architektur nicht zurecht

In der letzten Zeit hatte ich des Öfteren das Vergnügen, gemeinsam mit einem Team des Kunden Überblicke für ein System oder eine Systemlandschaft anzufertigen. Der Schlüssel zum Erfolg auch hier: Zielgruppe(n) und Zielsetzung(en) für den Überblick müssen klar sein. Entsprechend ist eine Klärung hier der erste Schritt, um zu einem wirksamen Ergebnis zu kommen. Oder zu mehreren, falls sich die Zielgruppen nicht mit einem einzelnen Überblick adressieren lassen.

Mehrere Zielgruppen als Stolperstein

Gerade dies ist meiner Erfahrung nach in der Praxis eine häufige Falle: Beim Einsatz von Templates wie arc42 übersehen Projekte, dass das Ausfüllen einer Vorlage mit einem einzelnen Dokument als Ergebnis nicht mehreren Zielgruppen gerecht wird – oft aber mehrere Zielgruppen zu adressieren sind.

Völlig unterschiedliche Überblicke für die unterschiedlichen Zielgruppen anzufertigen ist nicht empfehlenswert. Der Aufwand ist groß, und die Gefahr, bei der weiteren Pflege widersprüchliche Inhalte zu bekommen, ist es auch. Stattdessen empfehle ich die Anfertigung kleiner Schnipsel, die Ihr dann beliebig rekombinieren könnt. Für unterschiedliche Zielgruppen (z.B. neue Entwickler im Team, Kooperationspartner, …) und „Darreichungsformen“ (Poster, Flyer, Foliensätze, …).

Auch die oben genannten Museen stellen ihre Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen unterschiedlich zusammen. So kann man u.a. folgende Zielgruppen unterscheiden:

  • Leute, die überlegen, das Museum zu besuchen („Interessierte“)
  • Tatsächliche Besucher im Museum

Als Formen gibt es die Webseite des Museum, Flyer und Broschüren, ggf. eine App … Die Inhalte recyceln die Museen natürlich, die Abbildung von der Webseite des Eisenbahnmuseum oben findet sich auch im Flyer für Besucher wieder.

Abb_02_Flyer

Flyer des Eisenbahnmuseums

Wann entstaubt Ihr Eure Architekturdokumentation und fertigt Überblicke für Eure Zielgruppe(n) an? Weitere Informationen und Hilfestellungen findet Ihr am Ende dieses Beitrags.

Weiterführende Informationen

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Geschrieben von
Stefan Zörner
Stefan Zörner
Von der Bayer AG über IBM und oose zu embarc. Stefan Zörner blickt auf zwanzig Jahre IT-Erfahrung zurück und stets gespannt nach vorn. Er unterstützt in Architektur- und Umsetzungsfragen mit dem Ziel, gute Architekturansätze wirksam in der Implementierung zu verankern. Sein Wissen und seine Erfahrung teilt er regelmäßig in Vorträgen, Artikeln und Workshops. Stefan ist aktives Board-Mitglied im iSAQB und Autor des Buchs „Softwarearchitekturen dokumentieren und kommunizieren“ (Hanser-Verlag, 2. Auflage 2015). Twitter: @StefanZoerner
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