Der Klimaschutz und die IT

Hessisch, unser Beitrag zum Klimaschutz

Martin Mohr

© Shutterstock / Cienpies Design

Umweltschutz ist wichtig, aber wo fängt man an? Unser Autor Martin Mohr hat eine Idee: Einfach mal Hessisch mailen! Oder? Ein gewagter Vorstoß zur Klimadebatte.

Um zu verstehen, wie die hessische Sprache ihren Teil zum Klimaschutz beitragen kann, müssen wir zunächst einmal die aktuelle Situation in der IT-Infrastruktur-Landschaft genau betrachten. Danach gehen wir auf einige Besonderheiten des hessischen Dialektes ein und zeigen wie diese Eigenheiten helfen können, schädliches CO2 einzusparen. Um das Thema abzurunden, geben wir einige praktische Tipps, wie auch Sie mit einfachen Mitteln dazu beitragen können, die regenerative Energien zu unterstützen.

Nördlich von Frankfurt, genauer gesagt in Eschborn, schießt ein Rechenzentrum nach dem anderen aus dem Boden. Diese Gegend ist bei den Betreibern von Rechenzentren so beliebt, weil sie hier die Möglichkeit haben, sich gleich an zwei Hochspannungsversorgungsnetze anzuschließen. Der DE-CIX in Offenbach ist zwar nicht mehr direkt um die Ecke, aber mit einer minimalen Latenz über gut ausgebaute Glasfaserleitungen erreichbar. Kommen wir aber nun zurück zur Energieversorgung dieser Rechenzentren. Das aktuell im Bau befindliche CyrusOne (Frankfurt III) Rechenzentrum hat eine im Datenblatt ausgewiesene maximale Leistung für die IT-Systeme von 22 Megawatt. Dazu kommt noch die Leistung, die zur Klimatisierung nötig ist. Das Datenblatt macht hier keine Angaben. Wir schätzen daher einen gemittelten Wert von 20% der IT-Leistung (CyrusOne ist sehr modern, daher ist der Schätzwert so niedrig). Wir kommen somit auf eine Leistung von 26,4 Megawatt. Da sich Rechenzentren im 24/7 Betrieb befinden, kommen wir auf einen Stromverbrauch von 231.264 Megawattstunden pro Jahr. Für die meisten Menschen ist das einfach eine große Zahl, zu der wir keine Vorstellung haben. Ziehen wir an dieser Stelle die Werte des Statistischen Bundesamtes für den Energiebedarf von Haushalten heran. Hier wird für 2017 ein Energiebedarf von 3111 Kilowattstunden (3,111 Megawattstunden) pro Haushalt angegeben. Teilen wir nun den Energiebedarf eines Rechenzentrums durch den Energiebedarf eines Haushaltes, kommen wir auf eine beachtliche Zahl von 74.338 Haushalten. Das ist nun schon wieder eine schwer vorstellbare Zahl. Zum Vergleich hat die Stadt Frankfurt 413.365 Haushalte. Um es mit einfachen Worten zusammenzufassen: Das ist eine Menge Strom.

Wir sollten uns bewusst sein, dass nur ein Bruchteil der Energie aus regenerativen Quellen stammen kann. Wie eingangs schon erwähnt: Das Rechenzentrum arbeitet 24/7. Sonne und Wind sind nur zu bestimmten Zeiten verfügbar. Es liegt nahe, dass ein Großteil der Energie durch Grundlastkraftwerke bereitgestellt wird. Sie werden es schon ahnen – Atomstrom aus Frankreich und Osteuropa. Trotzdem muss man zugeben, dass Atomkraftwerke unser Klima nicht so sehr mit CO2 belasten wie Kohle- oder Gaskraftwerke. Es steht also zweifelsfrei fest, das Rechenzentren nicht gut für unsere Umwelt sein können. Aber woher kommt der irrsinnige Bedarf an CPU-Leistung und Speicherkapazität? Wir müssen uns da leider alle an die eigene Nase fassen. Die zwei Hauptgründe zum Bau von neuen Rechenzentren sind das Streaming von Videos und der Wahn, alles über Cloud-Dienste realisieren zu müssen.

Was kann man nun tun, um seinen Beitrag für die Umwelt zu leisten? Hier kommt nun die hessische Sprache ins Spiel. Man möchte es kaum glauben, aber der hessische Dialekt hat eine Datenkompression eingebaut. Sie sind skeptisch? Lassen Sie uns an einigen Beispielen zeigen, was gemeint ist. Nehmen wir das über die Grenzen von Hessen hinaus bekannte „Ei Gude, wie?“. Das „Ei“ in diesem Satz ist eine Grußformel. Man kann sie mit dem in E-Mails üblichen „Hallo“ vergleichen. „Sei gegrüßt“ ist auch eine mögliche Interpretation. Das „Ei“ benötigt allerdings über 50 % weniger Bytes als ein „Hallo“ . Weniger Bytes bedeutet auch weniger Stromverbrauch und weniger Belastung für die Umwelt. Schauen wir uns nun das Wörtchen „Gude“ an. Man kann es durchaus mit „mein geschätzter Freund“ übersetzen. Kommen wir nun zu den Wörtchen „wie“. Es bedeutet „wie geht es dir heute?“ Kontextabhängig kann es aber auch folgende Bedeutung haben: „Man, wir haben uns ja schon ewig nicht mehr gesehen, wie ist es dir in der Zwischenzeit ergangen, gibt es etwas Neues, sind Frau und Familie gesund?“ Wie Sie an diesem einfachen Beispiel sehen können, ist der hessische Dialekt sehr kompakt und benötigt wenige Worte, um viel auszusagen.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf einen weiteren interessanten Aspekt der hessischen Sprache werfen. Das Alphabet: Im Hessischen werden nicht alle Buchstaben des Alphabetes benötigt. Man kann quasi alle harten Laute gegen ein weicher klingendes Äquivalent ersetzen (P=>B, K=>G, T=>D). Bekannte Beispiele sind hier „Babbegei“ oder „gabudd“. Ein verkleinertes Alphabet macht vieles einfacher: Der generelle Platzbedarf sinkt, Kompressionsalgorithmen arbeiten bei einem verkleinerten Alphabet effizienter u. v. m. Um es nun auf einen Nenner zu bringen: Es ist gut für die Umwelt, E-Mails in hessisch zu schreiben. Je weniger Strom verbraucht wird, um so besser ist es für die Umwelt.

Weitere Tipps für den Umweltschutz

Die Umstellung Ihrer E-Mails auf Hessisch kann natürlich nur ein erster Schritt zum umweltbewussteren Umgang mit den modernen Medien sein. Sie müssen sich bewusst sein, dass jede zusätzliche Milliamperesekunde Energieverbrauch schädlich für die Umwelt ist. Es hilft schon, wenn Sie Ihren Datenverbrauch generell einschränken. Man muss nicht jedes Video ansehen.
Es ist kein großes Geheimnis, dass Deutschland seinen Solarstrom an die Nachtbarländer verschenken muss. Ein Beitrag zum Umweltschutz könnte sein, wenn Sie energieintensive Prozesse in die Zeiten mit starker Sonneneinstrahlung verlegen. Dazu zählt neben Kochen und Backen natürlich auch das Streamen von Videos. Vermutlich werden die Anbieter von Streamingdiensten es nicht gerne hören, dass ihr Geschäftsmodell die Umwelt schädigt.

Überlegen Sie sich, ob Sie wirklich ein neues cooles Gadget brauchen. Oft landen diese tollen Sachen in der Ecke oder verbrauchen unnötig Energie bei der Herstellung und im Betrieb. Jedes Milliampere eingesparter Strom zählt. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Großteil dieser Geräte in Fernost unter nicht gerade umweltfreundlichen Bedingungen produziert wird.

Fazit

Ihnen ist sicher aufgefallen, dass dieser Artikel nicht komplett ernst gemeint ist. Wobei der Autor sich natürlich über mehr Hessisch in der IT freuen würde. Es ist leider nicht von der Hand zu weisen, dass wir alle mit unseren vielen coolen, neuen smarten Geräten und Diensteislungen eine nicht zu vernachlässigende Umweltbelastung verursachen. Es fällt uns nur nicht so auf, weil die Geräte in Fernost gebaut werden und die wenigsten von uns ein Kraftwerk vor der Tür haben. Man muss auch nicht 24 Stunden an Tag Daten streamen. Ein Smartphone kann tatsächlich länger als 24 Monate verwendet werden. Nur weil der Vertrag abläuft, muss man es doch nicht wegwerfen. Mit einem Fairphone kann man übrigens auch telefonieren und smart sein. Das Gerät kann man sogar selbst reparieren. Versuchen Sie einfach, etwas bewusster mit der smarten neuen Welt umzugehen, um die alte reale Welt zu schützen. Unsere Erde ist ein „unique item“, wir sollten sie auch so behandeln.

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Geschrieben von
Martin Mohr
Martin Mohr erblickte im Zeitalter der Magnet-Ringkernspeicher und Hebdrehwähler das Licht der Welt und hat somit die komplette Entwicklung der modernen Computertechnik live miterleben dürfen. Die Vorliebe für alles, was blinkt, hat sich schon in seiner frühen Jugend entwickelt und wurde durch eine Ausbildung zum Elektroniker noch verstärkt. Nach dem Informatikstudium lag sein Beschäftigungsfeld überwiegend in der Entwicklung von Java-Applikationen. Mit dem Raspberry Pi ist die alte Liebe zur Elektronik wieder erwacht.
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