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Neue Chancen für die Forschung?

Was Leute glücklich macht: IoT-Studie zur Selbstoptimierung

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Anna Bardocz

Googelt man Begriffe wie „Selbstoptimierung“ und „Self-Tracking“ kann man rasch feststellen: Die Faszination für den eignen Körper findet weit verbreitete, mal positiver, mal negativer ausfallende Beachtung. Doch generell ist festzustellen, dass trotz regelmäßiger Geheimdienst- und Datenschutzskandale die eigenmotivierte und bereitwillige Selbst-Überwachung einen Bereich darstellt, der konstant an Popularität gewinnt.

Zahlreiche Analysten prognostizieren, dass die Umwälzungen, die das “normale” Internet mit sich brachte, nur ein kleiner Vorgeschmack auf das sind, was uns dank Internet of Things in den kommenden Jahren ins Haus stehen wird. So schätzte die Credit Suisse, dass allein der Umsatz von Unternehmen, die “smarte” Kleidung und Accessoires vertreiben, von 3 Milliarden im Jahr 2014 auf 42,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 klettern wird. Einen nicht unerheblichen Teil derartiger alltäglicher Begleiter stellen diverse, häufig in Form von Armbändern angebotene Geräte zur Messung der körperlichen Fitness dar. Die von den Geräten erhobenen Daten können dabei meist mit anderen Usern geteilt werden – allgemein hat die Vernetzung von IoT-Geräten der Sammlung (personenbezogener) Daten ganz neue Möglichkeiten eröffnet, die juristisch gesehen durchaus problematisch sein können.

Neue Möglichkeiten für die Forschung?

Wie ein Blogpost des Fitness-Armband-Herstellers Jawbone nun offenbarte, könnten sich dank des Internet of Things jedoch nicht nur für die Umsatzerwartungen diverser Wirtschaftsunternehmen und den Drang der Menschen nach Selbstoptimierung, sondern auch für die Forschung neue Perspektiven ergeben.

Jawbones UP-App zeichnet nicht nur den Grad der eigenen körperlichen Aktivität anhand der gelaufenen Schritte auf und protokolliert den Schlaf des Anwenders, sondern erlaubt es diesem auch, seine Gemütslage festzuhalten. Mehrere hunderttausend User nutzten diese Möglichkeit offenbar und lieferten so einen umfassenden Datensatz, der von Jawbones hauseigenen Datenwissenschaftlern genutzt wurde, um festzustellen, wie alltägliche Verhaltensweisen der Menschen ihre Stimmung beeinflussen.

Folgt man der Analyse, der rund 5,6 Millionen „Stimmungs-Einträge“ und über 80 Millionen geschlafene Nächte zugrunde liegen, zeigt sich eine deutliche Korrelation zwischen guter Stimmung und einer Schlafdauer von 8 bis 9,5 Stunden; wer weniger oder mehr schlief war hingegen weniger gut gelaunt. Zudem zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Anzahl der gelaufenen Schritte und der Stimmungslage – körperliche Aktivität macht also definitiv glücklich.

Mithilfe des Datensatzes konnte Jawbone des Weiteren die Ergebnisse anderer Forschungsteams bestätigen: Wie bereits ein Team von Forschern der Northeastern University in Boston und der Harvard Medical School sowie eine 2011 veröffentlichte Studie des Department of Sociology der Cornell University auf Grundlage von Twitter-Tweets herausfinden konnten, verschlechtert sich die Stimmung im Laufe des Tages und ist von Faktoren wie der Arbeitsstelle, der Schlafdauer und der jahreszeitlich bedingten Tageslänge abhängig. Außerdem sind die meisten Menschen unter der Woche deutlich unglücklicher als an den Wochenenden; wenig verwunderlich hat bei den Werktagen der Freitag Stimmungsmäßig klar die Nase vorn.

Quo Vadis?

Was Jawbones Untersuchung sehr deutlich zeigt: Mithilfe von IoT-Geräten gestaltet es sich sehr einfach, riesige Datensätze zu erheben, insbesondere natürlich dann, wenn die Nutzer freiwillig und mit Begeisterung mitmachen. Zugegeben, besonders bahnbrechend oder zukunftsweisend sind die Ergebnisse der Studie zwar nicht. Führt man sich jedoch andere Bereiche wie beispielsweise den medizinischen Sektor vor Augen, sieht das vorhandene Potential gleich ganz anders aus. Sowohl im positiven wie im negativen Sinne.

Aufmacherbild: The internet of things. Big data. von Shutterstock / Urheberrecht: Anna Bardocz

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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