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Interview mit Ekkehard Gentz

“Damit BlackBerry im Android-Markt bestehen kann, braucht es mehr als nur ein Smartphone”

Kypriani Sinaris

Für BlackBerry wird 2016 das Jahr der Android-Smartphones. Wir haben Ekkehard Gentz, Entwickler für mobile Enterprise-Anwendungen, um eine Einschätzung gebeten und gefragt, welche konkreten Konsequenzen BlackBerrys Entscheidung für Entwickler hat.

JAXenter: BlackBerry möchte 2016 nur noch auf Android-Smartphones setzen – Was hältst du von der Entscheidung?

Ekkehard Gentz: Diese Aussage ist ein wenig verkürzt. BlackBerry setzt weiterhin auf BlackBerry 10 und auf Android Smartphones. Die nächsten beiden Smartphones, die neu von BlackBerry auf den Markt kommen, sind allerdings Android Smartphones – das ist es, was John Chen auf der CES in Las Vegas verkündet hat.

Damit BlackBerry im Android-Markt bestehen kann, braucht es mehr als nur ein Smartphone. Das erste Android-Gerät von BlackBerry – das PRIV – ist ja etwas Besonderes durch die Verknüpfung von Tastatur zum Rausschieben mit einem dennoch recht dünnen Fulltouch-Gerät. Es ist ein Highend Gerät, nicht nur von der Ausstattung, auch vom Preis her. Als unique Slider hat das PRIV viel Aufsehen erregt und ein positives Medienecho erhalten. Als Nächstes wird auf jeden Fall etwas kommen, das preislich niedriger angesiedelt ist – vermutlich mit fest eingebauter Tastatur.

BlackBerrys Android ist ja ein pures Android – wie Nexus Geräte von Google – das aber “gehärtet” wurde, um ein sicheres Gerät bereitzustellen. Dies erfolgte zunächst für Android 5.1.1 – im ersten Quartal 2016 wird dann Android 6 kommen. Damit wird es dann auch möglich sein, aus der BlackBerry Monitoring Software (DTEK) heraus direkt Apps einzelne Berechtigungen zu entziehen, wenn z.B. ein Zugriff auf Kamera oder Mikrophon o.ä. erkannt wird.

Um die Frage also zu beantworten: Ich finde es gut, dass BlackBerry 2016 weitere Android-Geräte entwickeln wird. BlackBerry ist jetzt nicht nur bei Enterprise-Services und Softwarelösungen cross-plattform aufgestellt, sondern auch im Smartphone-Sektor.

Lesen Sie auch: Planet Android: Apples Move to Android, Remix OS 2.0 und die beste Android UI Library

JAXenter: Welche Konsequenzen siehst du für das hauseigene OS?

Ekkehard Gentz: Jeder weiß, dass BlackBerry in den normalen Verkaufsstatistiken ganz hinten rangiert. Die Ursache ist ja nicht das BlackBerry 10 OS, sondern, dass es BlackBerry (ähnlich wie übrigens auch Microsoft) nicht gelungen ist, genug Apps bereitzustellen, da die meisten Softwarehäuser schon genug damit zu tun haben, ihre Apps für iOS und Android zu bauen.

Im Regierungs- /Enterprise- und Businessmarkt aber ist BlackBerry 10 sehr beliebt, da es dort möglich ist, sehr performante und tief im OS verankerte Apps zu bauen, die leicht zu bedienen sind und einen flüssigen Workflow ermöglichen. Sehr beliebt ist der BlackBerry Hub, in dem alle Informationen zusammenlaufen und direktes Bearbeiten ohne das Starten des zugehörigen Programms ermöglichen. Der Hub ist tief in das OS integriert. BlackBerry hat den Hub jetzt auch für Android entwickelt – aber dort ist es eine “normale” App, die naturgemäß nicht direkt in das OS integriert ist.

Es kommt also einiges der “BlackBerry User Experience” zu Android, aber nicht alles. Ich kenne einige Anwender bei Enterprise-Kunden, die wieder zurück zum BlackBerry-10-Gerät gegangen sind, da es ein flüssigeres Arbeiten ermöglicht. Bei Gelegenheit werde ich mal ein paar Videos bauen, die dieselben Abläufe unter Android und BlackBerry 10 demonstrieren. Für BlackBerry 10 stehen mit dem Passport, dem Classic und dem Leap gute Geräte zur Verfügung, um darauf Business Apps einzusetzen. In diesem Markt braucht man nicht jedes halbe Jahr neue Modelle.

Das BlackBerry 10 OS wird dieses Jahr mehrere Updates bekommen, die aber alle Enterprise und Security im Fokus haben und nicht Änderungen in der UI. Es ist mir klar, dass die Ressourcen bei BlackBerry begrenzt sind und daher das BlackBerry 10 derzeit nur gepflegt wird, aber keine neuen UI Controls oder APIs bekommt. Die Vermarktung von Android-Geräten hilft aber BlackBerry, auch im Hardware-Bereich profitabel zu sein und damit letztendlich auch wieder Kapazitäten für BlackBerry 10 OS und Devices zu ermöglichen.

BlackBerry 10 ist ein ausgereiftes mobiles OS und ich entwickle gerne Apps dafür. Gerade in den letzten Wochen habe ich sehr interessante Projekte umgesetzt für ganz unterschiedliche Branchen.

JAXenter: BlackBerry konnte in den letzten Jahren nicht mit den Konkurrenten von Google und Apple mithalten – trotzdem setzen Business-Kunden darauf. Welche entscheidenden Vorteile bietet BlackBerry dieser Zielgruppe?  

Ekkehard Gentz: BlackBerry 10 ist immer noch sicherer und hat mehr Zertifizierungen, als jedes andere mobile OS, was in regulierten Branchen und Regierungen sehr wichtig ist. Außerdem lässt es sich über den BlackBerry Enterprise Service (BES12) optimal administrieren und absichern. Mit dem BES12 kann man zwar auch Android oder iOS verwalten – u.a. durch Secure Workspaces, Android for Work oder Samsung KNOX. Aber es ist nicht das selbe Level – dazu muss man sich nur die ganzen Policies anschauen, die für die jeweilige Lösung bereitstehen.

Auch die einfache Möglichkeit, BlackBerry 10 Smartphones als privates Phone, im Balance-Modus (privat und geschäftlich getrennt auf einem Gerät) oder regulated (nur geschäftlich) einzurichten, macht den Einsatz sehr flexibel. Auf meiner MTC-Session im März werde ich einen Überblick geben, was heute möglich ist, um BlackBerry, Android, iOS oder Windows Phones abzusichern und dabei auch den Einsatz eines BES12 demonstrieren.

ekke-130x130Ekkehard Gentz ist unabhängiger Softwarearchitekt und seit 30 Jahren im Umfeld von Businessanwendungen (ERP) tätig. Er entwickelt High Quality Mobile Apps für internationale Kunden. Sein Fokus liegt auf nativen mobilen Enterprise-Apps für BlackBerry 10, Android und iOS. Außerdem ist er Speaker auf nationalen und internationalen Konferenzen, bloggt auf Ekkes Corner und ist auf Twitter aktiv unter @ekkescorner .

Aufmacherbild: Pieter Beens / Shutterstock.com

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter.de.
Kommentare
  1. Enterprise Entwickler Ekkehard Gentz: BlackBerry braucht mehr als nur ein Smartphone | BB10QNX.de2016-01-18 13:14:23

    […] Das ganze Interview findet ihr auf Jaxenter.de […]

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