CapeDwarf verbindet Google App Engine mit JBoss Application Server

Hartmut Schlosser

Die Spezifizierung eines Standards für mehrmandantenfähiges Cloud Computing wurde für Java EE 7 bekanntlich erst einmal verworfen. Zu sehr in Bewegung ist der Cloud-Bereich derzeit noch, sodass ein allgemeines Modell frühestens in Java EE 8 (2015) konsensfähig scheint. Während der JCP also vor verfrühter Spezifizierung zurückschreckt, schickt sich eine handfeste Java-Cloud-Implementierung an, Fakten zu schaffen. Die Rede ist von „CapeDwarf“, einem gemeinsamen Projekt von Red Hat und Google, in dem die beiden IT-Größen an einer Google-App-Engine-basierten Open-Source-Cloud arbeiten.

Die Idee ist einfach: Man nehme die Google App Engine (GAE) APIs und implementiere sie derart neu, dass JBoss Application-Server-Systeme nahtlos angeschlossen werden können. Das Projekt geht auf eine Idee des Red-Hat-Entwicklers Aleš Justin zurück, der die ersten Entwürfe Ende 2012 vorstellte. Mittlerweile sind bereits eine ganze Reihe von GAE APIs umgesetzt, vom Files API über das Memcache API bis hin zum Multitenancy API. Zum Einsatz kommen Red-Hat-Technologien wie Infinispan, JGroups, PicketLink und HornetQ. Ziel ist es, Implementierungen sämtlicher Google App Engine APIs bereit zu stellen, sodass sich Java-basierte GAE-Anwendungen ohne Code-Veränderungen auf privaten JBoss-Servern oder der RedHat Cloud-Lösung OpenShift betreiben lassen.

Google unterstützt das Projekt mit der Entwicklung von Tests, die die Kompatibilität sicherstellen sollen (Test Compatibility Kit). Interessant sind die Gründe für die Zusammenarbeit, die Google in einer Mitteilung angibt. Einerseits gehe es darum, den GAE-Kunden eine größere Portabilität ihrer Anwendungen zu ermöglichen. Andererseits stehe Java-EE-JBoss-Nutzern die Option offen, APIs zu nutzen, die besser auf die Bedürfnisse des Cloud Computing zugeschnitten seien als Java EE:

If you are an existing Java EE JBoss customer, but are looking for easier and more “cloud ready” APIs than Java EE, you can start discovering the simplicity of App Engine APIs. The DNA for these APIs is not from Java EE, it is from the cloud.

Gartner-Analyst Yefim Natis sieht ein großes Potenzial in dem in CapeDwarf gewählten Ansatz. Statt in Java EE 8 ein neues Cloud-Modell zu propagieren, das zunächst einmal in harten Konsens-Diskussionen gefunden werden will und dann seinen Weg in die Implementierungen finden muss, bieten Cloud-Praxis-Spezialist Google und Java-Enterprise-Größe Red Hat eine Lösung auf der Basis etablierter Technologien.

Here comes CapeDwarf. A Java framework that is designed by cloud-native Google that really understands Cloud and implemented by enterprise-native Red Hat which really understand Enterprise. And neither the framework nor its implementation are theoretical designs that will need years to mature. The programming model is well-tested by Google’s customers and the underlying JBoss AS is battle-proven by JBoss enterprise customers.

Allerdings hegt Natis berechtigte Zweifel daran, ob beide Parteien wirklich bereit sind, aus diesem Nischenprojekt ein echten Industrie-Standard zu machen. Nichtsdestotrotz werden solche Erfahrungen, wie sie in echt implementierten Cloud-Lösungen à la CapeDwarf gemacht werden, ihren Niederschlag in der Java-EE-Cloud finden. Code first, und nicht wie früher einmal Spec first, heißt hier das Stichwort.

CapeDwarf ist jetzt schon unter der LGPL-Open-Source-Lizenz einsatzbereit. Die Version 1.0.0 Beta-4 steht auf der Projektseite zum kostenfreien Download bereit.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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