Interview mit Greg Luck und Miko Matsumura von Hazelcast

„Caching wird keine Nebensache bleiben.“

Greg Luck, Miko Matsurama

Die Neuigkeit verbreitete sich in der vergangenen Woche wie ein Lauffeuer: Caching-Experte Greg Luck wechselt zu Hazelcast, wo er die Rolle des CTO übernimmt. Die Kollegen von JAXenter.com nahmen die Gelegenheit wahr und trafen den Ehcache-Erfinder zusammen mit seinem neuen Kollegen Miko Matsumura zum Gespräch.

JAXenter: Greg, was hat Sie dazu bewogen, Terracotta zu verlassen?

Greg Luck: Ich bin viereinhalb Jahre bei Terracotta gewesen. Von dem Führungsteam von damals bin ich der Letzte, der geht. Insofern kann man schon sagen, dass ich eine lange Zeit an Bord war.

Software AG kaufte Terracotta im Juni 2011 auf. Zunächst wurde Terracotta aber als eigenständiger Betrieb weitergeführt, und wir waren komplett unabhängig. Vor ungefähr einem Jahr fiel dann die Entscheidung, die Terracotta-Produkte stärker ins Programm der Software AG einzugliedern. In der Folge wurden Verkauf, Wartung, Marketing und etliche anderen Bereiche in die Software AG integriert.

Die einzigen Funktionen, die heute noch vom alten Terracotta übriggeblieben sind, sind Produktion und Produktmanagement. Insofern glaube ich, dass es für mich anderswo aufregendere Aufgaben gibt. Abgesehen davon mag ich Startups. Was Hazelcast macht, finde ich sehr spannend und deshalb glaube ich, dass es an der Zeit war zu gehen.

JAXenter: Wenn man sich Ihre bisherige Karriere anschaut, dann scheinen Sie stark zu unternehmerischen Tätigkeiten zu neigen.

Luck: Naja, ich würde mich nicht unbedingt als den typischen Startup-Menschen bezeichnen, aber es stimmt schon: Die letzten zwölf Jahre hatte ich mit Startups zu tun, die alle sehr erfolgreich waren. Wotif.com war z. B. ein australisches Startup, das mit seinem Börsengang über eine Milliarde Dollar einnahm. Ich war dort der Hauptverantwortliche für die Technik und habe einige Probleme gelöst, die im Laufe der Zeit entstanden. Danach verkaufte ich Ehcache an Terracotta, und 20 Monate später wurde Terracotta dann von der Software AG aufgekauft. Das letzte Jahrzehnt war tatsächlich eine interessante Zeit für mich.

JAXenter: Ist der Wechsel zu einem aufstrebenden Unternehmen wie Hazelcast für Sie also der nächste logische Schritt in Ihrer persönlichen Startup-Biographie?

Luck: Ich habe gerade den entpsrechenden Standard [JCache/JSR-107, Anm. d. Red.] definiert. Zum ersten Mal haben Java-Architekten eine architektonische Grundlage mit Vorgaben wie: Hier ist das Caching und da das In-Memory Data Grid und so wendet man sie an. Das ist ganz neu und sollte meiner Meinung nach zum Java-Architektur-Standard werden. MIREX oder SunGard sind nur zwei Beispiele für große Enterprise-Software-Anbieter, die JCache zu ihrem Angebot hinzufügen werden. Dadurch haben ihre Nutzer die Möglichkeit, durch einfaches Hinzufügen unserer Software Performancesteigerungen zu erzielen und Verzögerungen nachzuweisen. Letztlich kann man damit einer beliebigen Anwendung einen Turbo-Boost verpassen.  

Gleichzeitig steigert sich der Markt nach Gartner jährlich um 40 %. 2013 war er 250 Millionen Dollar wert und soll 2016 die Milliarden-Grenze überschreiten.

Im Eifer des Gefechts unterlaufen zahlreichen Anbietern und Projektentwicklern noch Fehler. Wenn man sich das Marktsegment genauer anschaut, sieht man, dass einige unserer Marktbegleiter über die Jahre ihren Fokus verloren haben, Fehlern ausmerzen oder Probleme mit der Belegschaft haben, sodass sich für Hazelcast viele Möglichkeiten darbieten, die sich großartig umsetzen lassen. Ich bin voller Enthusiasmus.

JAXenter: Was war der ausschlaggebende Grund, Hazelcast beizutreten – sowohl persönlich als auch mit Blick auf die potenzielle Nutzerschaft?

Luck: Ich traf Talip [Gründer von Hazelcast, Anm. d. Red.] auf einem Panel der letztjährigen JavaOne, wir waren uns also schon bekannt. Außerdem hatte sich Hazelcast einen sehr guten Ruf erworben als erstklassiges quelloffenes In-Memory Data Grid.

Ich habe so viele Bekannte, mit denen ich über die Jahre zusammengearbeitet habe und die Hazelcast nutzen und davon begeistert sind. Dieser Umstand hatte auch einen großen Einfluss auf meine Entscheidung. So etwas ist sehr selten in dieser Branche, die mir doch sehr bekannt ist – habe ich doch selbst in den letzten Jahren an einigen Projekten mitgewirkt. Letztendlich war die Idee, sich Hazelcast anzuschließen und die Erfolgsgeschichte mitzugestalten und zu beschleunigen, sehr reizvoll für mich.

Ich habe so viele Bekannte, mit denen ich über die Jahre zusammengearbeitet habe und die Hazelcast nutzen und davon begeistert sind… So etwas ist sehr selten in dieser Branche.

JAXenter: Miko, Was erhoffen Sie sich durch den Einstieg von Greg bei Hazelcast?

Miko Matsumura: Wir sind begeistert, dass Greg sich uns anschließt, denn für uns ist er eine Koryphäe unserer Branche. Er definierte die JSR JCache-Spezifikation, die nun Teil von Java 8 ist, und seine Ansprachen auf Events wie der JavaOne sind stets besonders und aufregend, wodurch er eine wichtige Stimme in der Java Community darstellt –  in gewisser Hinsicht ist er für uns der Vater des Java Cachings, als Gründer von Ehcache, des weltweit beliebtesten Java-Cache-Programms.

Aus unserer Sicht ist er Teil unseres Plans, die besten Talente der Welt bei Hazelcast unterzubringen und dadurch sowohl auf technologischer als auch auf industrieller Ebene einen Fortschritt zu erzielen. Wir definieren uns selbst als führender Anbieter eines quelloffenen In-Memory Data Grid. Wir wollen diese Position definitiv verteidigen und wenn möglich sogar ausbauen.

Wir definieren uns selbst als führender Anbieter eines quelloffenen In-Memory Data Grid. Wir wollen diese Position definitiv verteidigen und wenn möglich sogar ausbauen.

JAXenter: Im Grunde findet also das Hazelcast-Dream-Team zusammen?

Matsumura: Ja! Genau daran arbeiten wir.

JAXenter: Greg, was sagen Sie dazu?

Luck: Ich habe das Gefühl, dass ich mit dieser Branche noch nicht fertig bin. Mit dem langersehnten neuen Standard, an dem ich die letzten drei Jahre gearbeitet habe und der seit Dezember fertig ist, wird sich der Nutzen von In-Memory Data Grids etablieren. Es gibt schon jetzt Anzeichen dafür, dass einige Internet-Dienstanbieter diesen neuen Standard nutzen werden. Diese Standardisierung sorgt bei jedem für mehr Sicherheit in der Nutzung und erlaubt es unabhängigen Anbietern, ihre Software so zu erweitern, dass Lösungen wie Hazelcast hinzugefügt werden können.

Es ist ein guter Zeitpunkt, sich Hazelcast anzuschließen, denn ich glaube, dass der Markt sich durch diese Standardisierung signifikant vergrößern wird. Dank der Veröffentlichung des Standards und der bislang sehr guten Entwicklung des Unternehmens kann Hazelcast nun in einen neuen Markt eintreten.

JAXenter: Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Was kann Hazelcast im nächsten Jahr erreichen?

Matsumura: Ich bin froh, mich dazu äußern zu können, denn ganz offensichtlich planen wir Großes fürs kommende Jahr. Zu dieser Zeit im nächsten Jahr werden wir unser Dream Team vervollständigt haben, eine signifikante Steigerung des Einkommens im Vergleich zu 2013 und 2012 kundgeben können und somit weiterhin einen exponentiellen Gewinnzuwachs erzielen. Aus unternehmerischer Perspektive betrachtet ist es ein schweres Unterfangen, als Startup so schnell so zu wachsen.

Aus Java-Sicht werden wir definitiv die Implementierung von JCache erfolgreich abgeschlossen haben und zudem hoffentlich vor einem neuem Open-Source-Standard stehen, der definiert, wie Java in großen Clustern mit RAM agiert.

Caching wird keine Nebensache bleiben. Nicht zuletzt dank JCache wird man sich in einem Jahr an die Devise „Memory first!“ halten. Wir glauben, dass in Sachen Cache ein großes Umdenken stattfinden wird. Derzeit herrscht die Denke vor, dass Cache etwas ist, was man auch am Ende erledigen kann. Was Greg Operational Data Store nennt, wird in der Java-Welt bald allgegenwärtig sein. Mit JCache wird sich In-Memory als Standard etablieren. Und dann wird man sich gleich von Anfang an damit auseinandersetzen.

Die Fragen stellte Lucy Carey. Deutsche Übersetzung: Selim Baykara, Mohammed Hübsch, Diana Kupfer

 

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