Reaktionen und Kommentare zum Thema Burnout in der IT

Burnout bei Entwicklern: Die Community diskutiert

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/lassedesignen

Sind Sie müde, frustriert, kraftlos? Betrachtet man die zahlreichen Entwickler-Threads zum Thema Burnout, könnte man meinen, es handle sich dabei um eine Branchenkrankheit. Und auch auf einen kürzlich veröffentlichten Beitrag zu diesem Thema, folgten viele Kommentare aus der Entwicklercommunity, die diesen Eindruck bestätigen.

Zwar wird Burnout in Deutschland nicht als offizielles Krankheitsbild anerkannt, es scheint aber trotzdem weit verbreitet. Der Weg dorthin verläuft schleichend: Dabei hatte man doch eigentlich gute Absichten, wollte im Job besser, effizienter arbeiten, Deadlines einhalten und vielleicht sogar den Chef beeindrucken. Das kann doch erst mal nicht so schlimm sein. Oder? Dr. Nick Kratzer stellt in einem Interview mit Business Technology genau zu diesem fließenden Übergang zwischen Leistungsfähigkeit und Überarbeitung fest:

Es ist klar, dass „Burn-out“ ein relativ dankbarer Begriff ist, weil er etwas fast schon positiv wendet, das erst mal eigentlich komplett negativ ist: ein persönliches Scheitern; ein persönliches Problem. Unter dem Titel „Burn-out“ wird daraus eine Krankheit, wenn auch nur als eine Zusatzklassifikation, deren Ursache nicht darin begründet liegt, dass man sozusagen ein „Schlaffi“ ist, sondern darin, dass man sich komplett verausgabt hat. Man hat eigentlich das Richtige gemacht, man war leistungsfähig. Diese Frage nach der Leistungsfähigkeit, der Produktivität, wenn man so will, steht da schon im Zentrum: Das Leitbild ist ein leistungsfähiges, souveränes Individuum.

Aber was bedeutet das für einen Programmierer, der mit Herzblut bei der Sache ist? Es scheint ein Dilemma für viele Entwickler zu sein, die Balance zwischen leidenschaftlichem Engagement und gesundem Arbeitspensum zu finden. Misha Charrett kommentiert im kürzlich auf JAXenter.de und JAXenter.com  veröffentlichten Artikel genau dieses Problem:

[…]if you haven’t experienced burnout chances are you never really put your heart and soul into a project.

Das Problem ist, dass Menschen ganz unterschiedlich auf Belastung reagieren, so Dr. Nick Kratzer. Während der eine sich in noch mehr Arbeit stürzt, könnte der nächste alles hinschmeißen. Daher ist die Diagnose eines Burnouts, wenn dies überhaupt eindeutig möglich ist, gar nicht so einfach. Es liegt wohl am Einzelnen, wachsam zu bleiben und sich öfter mal zu fragen, ob man den Workload noch handlen kann oder eben nicht. So rät RicardoC:

I think one of the most important skills a developer should master is to know and recognize when it’s time to step back.

JAXenter berichtete über 5 Maßnahmen, wie Entwickler dem Burnout entkommen können. So wird im Fazit geraten, das Thema „Gesundheit“ wieder zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenspolitik zu machen, um zu verhindern, dass die Leistungsträger der IT-Wirtschaft “ausbrennen”. Auch der Kommentar von John zeigt, dass gesunde Selbstwahrnehmung entscheidend ist:

In summary, if you are under stress, I am saying take care of your mental health, and get you sleep.

Und auch Misha Charrett stellt abschließend fest:

PS I would like my hires to have lives outside software development so anyone thinking IT is a 24/7 game should get out more.

Fazit

Burnout ist ein reales Leiden. Es ist zwar nicht messbar, so wie Fieber an einem Thermometer ablesbar ist, die zahlreichen Kommentare überarbeiteter Entwickler sprechen jedoch eine eindeutige Sprache. Der eigene Ehrgeiz, wie Dr. Nick Kratzer im Interview darstellt, kann eine tückische Falle sein. Im Netz finden sich zahlreiche Tipps, wie man einem Burnout vorbeugen oder ein bereits vorhandenes überwinden kann. Das vollständige Interview mit dem Soziologen Dr. Nick Kratzer können sie hier nachlesen. Unter dem Titel „Burn-out – Problem oder Hype?“ beantwortet er Fragen rund um dieses Thema und beschreibt verschiedene Wege aus der „Sackgasse“ Burnout hinaus.

Aufmacherbild: Broke von Shutterstock / Urheberrecht: lassedesignen

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Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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