Wider die Datensammelwut

Brave: Quelloffener Webbrowser will Internetwerbung umkrempeln

Michael Thomas

© Shutterstock.com/xiong tianyi

Brendan Eich, bekannt als Mit-Gründer von Mozilla und Erschaffer von JavaScript, hat mit Brave einen quelloffenen Webbrowser vorgestellt, der die auf Websites angezeigte Werbung blockiert – und durch eigene, Tracking- und Malware-freie Werbung ersetzt.

Das zentrale Feature von Brave ist die standardmäßige Blockierung von sogenannter programmatischer – also vollautomatischer, individualisierter – Werbung im Internet sowie von Tracking-Cookies und weiteren Datensammeltechnologien wie etwa Analyseskripten und Zählpixel. Im Vergleich zu bereits heute gangbaren Lösungen wie beispielsweise den Browser-Plug-ins Adblock Plus, Ghostery und Co. soll das Surfen mit Brave potentiell schneller und sicherer (Stichwort: Malvertising, Verbreitung von Malware via Online-Werbung) sein.

Der Knackpunkt: Brave filtert nicht einfach die entsprechende Werbung und lässt es damit gut sein, sondern ersetzt die blockierten Anzeigen durch eigene Werbung. Diese soll von Werbepartnern stammen, die direkt mit Brave zusammenarbeiten, wodurch gewisse Mindeststandards erreicht werden sollen, d. h. die Werbung ist weniger invasiv als die zuvor gezeigte und auf Malware abgeklopft. Im Gegensatz zu „normaler“ programmatischer Werbung, die auf Tracking-Cookies zurückgreift, wird für die individualisierte Werbung in Brave zudem nur der lokale Browserverlauf herangezogen. Gewöhnliche Werbung, die nicht auf Tracking zurückgreift, bleibt von Brave übrigens unberührt.

Neuverteilung der Werbeeinnahmen

Werbeblocker stehen ja gemeinhin in dem Ruf, gut für die Nutzer und schlecht für die Website-Betreiber zu sein, immerhin sind letztere häufig auf die Werbeeinnahmen angewiesen, um ihre Dienste kostenlos anbieten zu können. Wie der Tech-Blog Ars Technica erfahren haben will, plant Brave offenbar, dieses Dilemma aufzulösen und die Website-Betreiber am Kuchen zu beteiligen: Diese sollen demnach 55 % der Werbeeinnahmen erhalten, jeweils 15 Prozent sollen an Brave, den Anzeigenlieferanten und – aufgehört! – die Nutzer fließen. Letztere sollen das Geld (vermutlich in Form von Bitcoins) für Mikrozahlungen im Web (z. B. Spenden an Blogger) nutzen oder sich den Betrag auszahlen lassen können. Wie dieses System in der Praxis funktionieren soll, ist bislang allerdings noch völlig unklar.

Auch anderes liegt noch im Dunkeln. So ist das einzige weitere bis dato bekannte Feature, das Brave von anderen Browsern unterscheidet, der Umstand, dass er standardmäßig – sofern vorhanden – die HTTPS-Version einer Website lädt (doch auch dies konnte bisher schon via Plug-ins (z. B. HTTPS Everywhere) gelöst werden). Ebenso unklar wie die weiteren Features ist, ob Brave nach Einfügen der eigenen Werbung tatsächlich schneller ist als andere Browser mit eingeschaltetem Werbeblocker.

Brave ist quelloffen, GitHub-Repositorys stehen für Mac/Windows/Linux, iOS und Android bereit. Möchte man einen ersten Blick auf Brave werfen, so muss man auf diese zurückgreifen (ein Installer existiert zur Zeit noch nicht) oder sich als Beta-Tester bewerben. Die Desktop-Variante basiert auf Chromium, die Mobile-Varianten auf Firefox für iOS bzw. Link Bubble. Eine erste stabile, für die Öffentlichkeit freigegebene Version soll laut derzeitiger Planung im Laufe des Jahres verfügbar sein.

Aufmacherbild: A lion is staring ahead into the sky von Shutterstock / Urheberrecht: xiong tianyi

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: