Bitte nicht die Entwickler quälen!

Judith Lungstraß

Gute Entwickler sind gefragt. Sie suchen Herausforderungen, wollen immer am für sie bestmöglichen Arbeitsplatz entwickeln und wechseln diesen folglich so häufig wie keine andere Berufsgruppe. In diesem flexiblen und schnelllebigen Umfeld wird es für die Unternehmenschefs immer schwieriger, ihr gutes Personal zu halten, schließlich sind die Verlockungen von außerhalb zahlreich und verführerisch.

Um ihre besten Entwickler nicht zu verlieren, müssen sie ihren Angestellten zum einen Anreize bieten, in ihrem Unternehmen zu verweilen – von kostenlosem Kaffee über Pizzalieferungen zum Mittagessen bis hin zu einem kostenlosen Kindergartenplatz für die Kleinen kann das vieles sein.

Andererseits gilt es aber natürlich auch, seine Entwickler nicht zu verärgern. Immerhin kann es zwei mögliche Gründe geben, weshalb ein Entwickler seinen Arbeitsplatz wechselt: Entweder gefällt es ihm an seiner bisherigen Arbeitsstelle nicht mehr, oder aber er wittert an einer anderen größere Chancen.

Deshalb lautet der oberste Grundsatz: Bitte nicht die Entwickler quälen! Das hat auch Andrew C. Oliver von InfoWorld erkannt. Er listet 16 verschiedene Arten auf, wie man einem Entwickler sein alltägliches Leben am besten vermiesen und ihn schnellstmöglich dazu bringen kann, sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen.

Besucht man ein Softwareunternehmen und läuft man durch die Gänge der Großraumbüros, hört man von den einzelnen Schreibtischen vor allem die folgenden Klagen und Bitten gefolterter Seelen erschallen:

„Bitte reduziert die Sicherheitsvorkehrungen! Wir möchten nicht mehr eine halbe Stunde warten, bis unsere IDE alle Scans abgeschlossen hat und endlich bereit ist zu starten!“

„Lasst uns zur Versionskontrolle Subversion oder Git nutzen! ClearCase? Bitte nicht!“

„Befreit uns aus dem Maintenance Team! Wir langweilen uns!“

„Erlaubt uns bitte, Bibliotheken von Drittparteien zu nutzen! Wir möchten nicht jedes Mal das Rad neu erfinden müssen!“

„Bitte quält uns nicht mit WebSphere!“

„Eure zu strengen Deadlines zwingen uns dazu, Anwendungen zu schreiben, die nur mit viel Klebeband zusammen gehalten werden können! Gebt uns ein bisschen mehr Zeit, dann liefern wir auch stabilere Ergebnisse!“

„Lasst uns hin und wieder auch mal etwas Neues ausprobieren! Ansonsten langweilen wir uns und suchen außerhalb nach neuen Herausforderungen!“

„Verschont uns von langatmigen Pseudo-Scrum Meetings, in denen jeder nur seine eigene Arbeit beweihräuchert! Sie kosten den ganzen Morgen und bringen dem Team so gut wie nichts!“

„Bitte zwingt uns nicht, im Anzug zur Arbeit zu kommen! Dadurch fühlen wir uns in unserer Persönlichkeit eingeschränkt!“

Kennen Sie auch diese in zahlreichen Unternehmen so beliebten Foltermethoden? Hat Ihr Chef vielleicht sogar noch weitere in petto? Teilen Sie Ihr Leid mit uns – vielleicht geht es Ihnen danach ja ein bisschen besser.

Wenn Sie sich allerdings der dunklen Seite der Macht hingezogen fühlen, dann sollten Sie sich den Lesetipp „15 Karrieretipps: Wie Sie am besten Ihr Entwickler-Team demotivieren, um selbst besser dazustehen!“ nicht entgehen lassen.

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Judith Lungstraß
Judith Lungstraß
Judith Lungstraß ist seit Anfang 2012 im Online-Team bei Software & Support Media. Neben ihrem Studium der Buchwissenschaft in Mainz konnte sie erste journalistische Erfahrungen bei einem Online-Reiseführer und einem Sportverein sammeln. Ihr Fachgebiet ist die Microsoft-Welt, von Windows über .NET bis hin zu Windows Phone.
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