Forking hard or hardly forking?!

Bitcoin Hard Fork: was passiert ist und wie es dazu kam

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / Adrian Today

Jetzt ist er da, der Hard Fork von Bitcoin. Doch was genau ist eigentlich passiert und welche Auswirkungen hat das auf die Kryptowährung? Im Interview mit Christoph Bergmann, Redakteur und Verantwortlicher beim BitcoinBlog, gehen wir diesen Fragen nach. Außerdem beantwortet er die Frage, welche Unterschiede es zwischen der bislang bekannten Währung Bitcoin und dem neuen Bitcoin Cash gibt.

Christoph Bergmann ist Redakteur und inhaltlich verantwortlich für den BitcoinBlog. Der BitcoinBlog wird vom deutschen Bitcoin-Marktplatz und Informationsportal bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung der Redakteure wieder.

JAXenter: Hallo Christoph und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Der „Hard Fork“ der Bitcoin-Währung ist derzeit in aller Munde, was genau ist aus technischer Sicht bei Bitcoin gerade passiert?

Christoph Bergmann: Bitcoin hat sich geteilt. Bisher war die Blockchain, die Kette aller bisherigen Blöcke mit Transaktionen, ein gerader Strang. Jetzt gab es eine Gabelung. Ein Teil der Miner setzt eine Kette fort, die SegWit aktivieren wird, der andere Teil weist SegWit zurück und führt dafür eine Blockchain fort, in der die maximale Größe der Blöcke auf 2 MB erhöht wurde. Die genauen Hintergründe sind komplex und ein Resultat eines mehrjährigen, niemals gelösten Streits darüber, wie Bitcoin skalieren soll. Die Mehrheit der Community und der Wirtschaft steht offenbar hinter der SegWit-Chain, die daher das Kürzel BTC trägt. Der von dieser dominanten Blockchain abgespaltete Bitcoin läuft unter BCC oder BCH.

JAXenter: Ab sofort gibt es dann also die „klassischen“ Bitcoins und Bitcoin Cash – wo liegen die Unterschiede zwischen den Währungen?

Bitcoin Cash (BCC) ist noch nicht stabil und wird noch nicht von allen Wallets und Börsen geführt

Christoph Bergmann: „Klassisch“ ist nicht direkt die richtige Bezeichnung. BTC wird Bitcoin mit SegWit deutlich verändern. Die dominante Bitcoin-Blockchain BTC hat derzeit 90 bis 95 Prozent der Mining-Power und ist demnach derzeit deutlich schneller und sicherer. Bitcoin Cash (BCC) ist noch nicht stabil und wird noch nicht von allen Wallets und Börsen geführt.

Die beiden Bitcoins vertreten eine jeweils andere Vision, wie Bitcoin skalieren soll. Also wie man Bitcoin dahin bringt, so viele Transaktionen zu verarbeiten, wie Bedarf besteht. BTC möchte die Kapazität onchain gering halten und dafür offchain etwa mit dem Lightning-Netzwerk skalieren. BTC versteht Bitcoin, wie es heute ist, als ein Settlement-Netzwerk für hohe Beträge, die hohe Gebühren bezahlen können und bei denen es nicht direkt auf Schnelligkeit ankommt. BCC versteht Bitcoin hingegen als „P2P Cash System“, daher der Name „Bitcoin Cash“. Offchain-Lösungen sind nicht ausgeschlossen, aber es wird onchain (mit der Blockgröße) weit genug skaliert, um den Bedarf zu decken und die Gebühren gering zu halten.

Es ist eine sehr komplexe Geschichte. Die Trennung der beiden Visionen reicht bis an den Anfang von Bitcoin zurück. In den letzten Jahren ist darum ein erbitterter Streit entbrannt, der Politik, Technologie und Wirtschaft verschmilzt.

JAXenter: Welche Auswirkungen wird der „Hard Fork“ haben?

Christoph Bergmann: Zunächst bekommt jeder Besitzer von Bitcoins (BTC) noch dieselbe Anzahl Bitcoin Cash (BCC). Vor dem Fork war ein BTC noch etwa 2.700 US-Dollar wert. Nun ist er etwa 3.100 US-Dollar wert, weil noch der BCC-Anteil hinzu kommt. Was die Märkte damit nun machen, wird irrsinnig spannend. Voraussehen kann man derzeit noch nicht, wie es weitergeht. Es kann sein, dass BCC stirbt oder verkümmert, es kann aber auch sein, dass BCC ein respektabler Altcoin wird. Und es kann sein, dass BCC langfristig BTC unter Druck setzt oder gar überholt. Derzeit steht alles noch in den Sternen und ich denke, hinter den Kulissen passiert immer mehr, als man wahrnimmt.

Christoph Bergmann leitet den bitcoinblog.de seit Mitte 2013. Auch nach mehreren Jahren ist seine Begeisterung für die Kryptowährung ungebrochen groß. Kürzlich wurde er für seine Arbeit mit dem Publikumspreis der .comdirekt Finanzblog Awards 2015 ausgezeichnet.

 

Das Blockchain Dossier auf JAXenter:

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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