Hat sich Bitcoins "bankenfreies Mantra" in Luft aufgelöst?

Bitcoin Flipping: Bitcoins Blockchain-Technologie bricht ihr Versprechen

Gabriela Motroc

© Shutterstock / Julia Tsokur

Bitcoins Blockchain-Technologie wurde eigentlich entwickelt, um den Banken aus dem Weg zu gehen. Doch könnte es sich herausstellen, dass die Blockchain letztlich doch den Banken zugutekommt.

Wahrscheinlich war es ihnen nicht einmal bewusst: Der Pressesprecher des Internationalen Währungsfonds, Andreas Adriano, und der IMF-Ökonom Hunter Monroe haben jüngst alles, wofür Bitcoins Blockchain steht, in Frage gestellt. In ihrem Artikel The Internet of Trust, erschienen im Magazin Finance and Development, nehmen die Autoren Stellung zur Einfachheit und Geschwindigkeit von Transaktionen und beziehen, über digitale Umwälzungen nachdenkend, zwangsläufig Bitcoin mit in die Unterhaltung ein.

Bitcoin – oder genauer gesagt die Bitcoin zugrunde liegende Technologie namens „Distributed Ledgers“ oder Blockchain – könnte das ermöglichen, was viele als radikale Neuverdrahtung des finanziellen Sektors sehen.

Die Aufregung in der Bitcoin-Szene war groß: Wird die Blockchain, ursprünglich entwickelt als „Banken-freie Zone“, nun doch vom klassischen Finanzsektor vereinnahmt?

Blockchain: Die disruptive Technologie der anderen Art

Verfolgen wir den Artikel ein Stückchen weiter. Adriano und Monroe blicken zunächst auf die Geschichte von Bitcoin zurück und darauf, wie es „die Fantasie von liberalen Denkern erfasst hat, die die Banken und Zentralbanken loswerden oder zumindest eine Alternative zu ihnen etablieren wollten.“ Die Autoren folgern, dass die Blockchain-Technologie die eigentliche Neuerung darstellt, denn sie spielt die Rolle, die immer öfter von Zentralbanken eingenommen wird: Peer-to-Peer-Transaktionen ohne zentrale Autorität zu verifizieren und durchzuführen.

Bitcoin ermöglichte es plötzlich jedem, Transaktionen auf eigene Faust auf dem Konto zu validieren und zu registrieren.  Wie U.S.-Unternehmer und Internet-Pionier Marc Andreessen in einem New York Times Artikel vor zwei Jahren sagte: „Bitcoin erlaubt es zum ersten Mal, dass ein Internet User ein spezifisches Stück digitalen Eigentums einem anderen Internet User so übertragen kann, dass der Transfer garantiert geschützt und sicher ist, dass jeder weiß, dass der Transfer getätigt wurde und dass niemand die Legitimität der Transaktion in Frage stellen kann.“ Schon damals urteilte Andreessen, die Konsequenzen dieses Durchbruchs könnten gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Blockchains Abschied von der Bankenfreiheit

Einer der Hauptvorteile der Blockchain liegt nun darin, dass mit ihr die Abwicklungszeit für Wertpapiertransaktionen drastisch vermindert wird und weniger Geld für die Abdeckung von Kredit- und Abwicklungsrisiken eingeplant werden muss. Allein dies hat das Potenzial, den finanziellen Sektor komplett zu transformieren. Doch sind die Möglichkeiten der Blockchain damit noch längst nicht ausgeschöpft.

Im oben genannten Artikel zitiert IMF-Sprecher Andreas Adriano Marc Bayle, den Generaldirektor für Zahlungsverkehr und  Marktinfrastrukturen der Europäischen Zentralbank, mit den Worten, dass, auch wenn es nichts in den aktuellen Technologien gebe, welches sofortige Abrechnungen verhindern würde, sich Blockchain oder eine ähnlich verteilte Ledger-Technologie gerade auch in Zentralbanken als nützlich erweisen könnte. Und das, trotz ihrer derzeitigen Einschränkungen und des konzeptuellen Spannungsfeldes zwischen zentralen und verteilten Ledgers.

Ob wir die Blockchain also bald als Teil eines jeden Banken-Portfolios sehen werden, sei einmal dahin gestellt. Als Fazit sprechen Adriano und Monroe jedenfalls aus, dass es zu früh sei um abzusehen, ob die Blockchain-Technologie wirklich „das nächste Internet“ sei – oder einfach eine inkrementelle Evolution. Eines ist indes für die Autoren klar: Das Blockchain Game hat gerade erst begonnen!

Aufmacherbild: Photo Golden Bitcoins via Shutterstock / Urheberrecht: Julia Tsokur

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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