Interview mit Jon Holmquist

Bitcoin Flipping: „Blockchain-Projekte träumen von der Netzwerkerweiterung – genau wie Bitcoin“

Gabriela Motroc

Jon Holmquist

Am Freitag war es wieder so weit: Der Bitcoin Black Friday fand statt. Bitcoin-Enthusiasten hatten zum fünften Mal die Chance, alle möglichen Dinge mit der Kryptowährung zu kaufen, unter anderem Videospiele, Computer und Webspace. Wir haben mit Jon Holmquist, dem Erfinder des Bitcoin Black Friday, über seinen Kampf gegen Bitcoins negatives Image und die Evolution der Kryptowährung gesprochen.

In diesem Jahr fand der Bitcoin Black Friday zum fünften Mal statt. Blickt man auf die Geschichte von Bitcoin zurück, ist es kaum zu glauben, wie weit es die digitale Währung gebracht hat. Während des ersten Bitcoin Black Friday wusste noch niemand so recht, wozu man Bitcoins eigentlich nutzen kann. In diesem Jahr ist dies allgemein bekannt und die Technologie, der Bitcoin zugrunde liegt, ist in den verschiedensten Branchen verbreitet. In diesem Jahr stand allerdings die Geschichte von Bitcoin im Fokus und nicht, was man alles für Bitcoins erstehen kann.

JAXenter: Welchen Unterschied siehst du zwischen dem ersten Bitcoin Black Friday, den du organisiert hast, und dem diesjährigen? Hat sich Bitcoin weiterentwickelt?

Jon Holmquist: Was am deutlichsten auffällt, ist, dass ich kaum noch erklären muss, was Bitcoin eigentlich ist. Viele Leute haben bereits davon gehört und haben eine gewisse Vorstellung davon. Der Hype um Bitcoin war deutlich größer, als die Leute über Bitcoin noch nicht so recht Bescheid wusste. Aber zum aktuellen Zeitpunkt weiß die Community – und die Welt – was Bitcoin ist und wozu es nützlich ist.

JAXenter: Wie kamst du auf die Idee zum Bitcoin Black Friday?

Jon Holmquist: Ich arbeitete für einen Händler, der Bitcoins als Zahlungsmittel annahm und wollte die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass man normale Waren für Bitcoins kaufen kann und nicht nur Drogen. Das war damals, als Silk Road noch existierte, ein großes Thema.

JAXenter: Dieses Jahr stand der Bitcoin Black Friday ganz im Zeichen der Geschichte der Krytptowährung. Wie hast du ihn gefeiert?

Jon Holmquist: Indem ich mir Shirts mit Bitcoin-Motiven gekauft und meine hart erarbeiteten Bitcoins auf den Kopf gehauen habe!

JAXenter: Du hast den Bitcoin Black Friday gestartet, um mit dem negativen Image der Währung aufzuräumen, welches sie Silk Road verdankte. Glaubst du, dass du erfolgreich warst?

Jon Holmquist: Ich denke, dass Bitcoin (im Gegensatz zu Blockchain) immernoch ein etwas negatives Image hat. Aber seit 2012 ist viel passiert, man sehe sich nur die Schlagzeilen auf den Newsportalen und in den Zeitungen an: Nachrichten zu Bitcoin sind dieser Tage meist positiv. Und selbst negative Nachrichten, wie etwa die Ransomeware-Hacks, haben sich nicht negativ auf Bitcoins Entwicklung ausgewirkt. Ich denke, dass die Menschen die Währung immer mehr als ein normales Werkzeug ansehen, nicht mehr nur speziell als ein Werkzeug für illegale Aktivitäten.

JAXenter: Welche Probleme beschäftigen Bitcoiner und Bitcoin-Händler?

Jon Holmquist: Ein Hauptproblem sind mangelnde Bitcoin-Kunden. Ich denke aber, dass sich das mit der Zeit einpendeln wird. Das wird nicht über Nacht passieren und Bitcoin wird vermutlich niemals ein von allen verwendetes Zahlungsmittel sein, aber es gibt definitiv Märkte, die von Bitcoin profitieren können. Und in diesen Branchen gibt es meiner Meinung nach ein großes Potential für neue Kunden.

JAXenter: Wieso hast du den Posten als Bitcoin-Evangelist angenommen? Was hat dich zu dieser digitalen Währung hingezogen?

Jon Holmquist: Ich liebe die Community. Ich fand Bitcoin einfach Klasse. Nicht, weil ich es gleich verstanden hätte, sondern weil all die klugen Leute daran teilhaben wollten und weil mich die Möglichkeiten von Bitcoin faszinierten. Ich denke, dass die Honeymoon-Phase nun vorüber ist und nun finde ich – ob dies nun gut oder schlecht sein mag – andere Währungen, Sidechains und externe Projekte interessanter.

JAXenter: Wird deiner Meinung nach Bitcoin weiter so erfolgreich bleiben oder wird Blockchain ihr den Rang ablaufen?

Jon Holmquist: Bitcoin leistet verdammt gute Arbeit. Menschen vertrauen der Währung und verschicken Geld über Bitcoin. Ob „die Blockchain“ ihr die Show stehlen wird? Vermutlich nicht. Selbst wenn ein neues Projekt etwas Besseres zu bieten hätte als Bitcoin, würde es Jahre dauern, bevor es genug Bekanntheit und Deckkraft hätte, um Bitcoins Marktanteil wirklich zu bedrohen. Das einzige, was sich neue Blockchain-Projekte bei Bitcoin abschauen, ist der Traum von der Erweiterung des Netzwerks. Dinge wie Smart Contracts und dezentralisiertes Voting werden ihre Chance bekommen, erfolgreich zu sein oder eben nicht. Aber was Bitcoin tut, wird davon nicht beeinflusst werden und auch nicht, was Bitcoin in den kommenden Jahren tun wird.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: