Bintray positioniert sich als GitHub für Binarys

Hartmut Schlosser

Das israelische Unternehmen JFrog nimmt mit seinem Service Bintray Fahrt auf. Anfang des Jahres in einer Beta-Version gestartet, im April in die Öffentlichkeit entlassen, avanciert Bintray jetzt schon zu einer der wichtigsten Hosting-Plattformen für Binarys. Rund 5.800 Mitglieder zählt das Bintray-Netzwerk bis dato, die prominentesten davon sicherlich der Video-Dienst Netflix, das Buildtool Gradle und die Cloud-Suche ElasticSearch.  65.000 Software-Pakete wurden gemäß der jüngsten JFrog-Studie bereits hochgeladen.

Anders als etwa bei GitHub oder Google Code geht es bei Bintray nicht um Quellcode-Verwaltung sondern um die Distribution lauffähiger Software-Pakete. Aus Quellcode-Repositorys, die auch weiterhin bei GitHub oder Google Code liegen können, lassen sich fertige Pakete erstellen, die auf Bintray eine eigene Profil-Seite mit Links zu Bugtracker und Release Notes erhalten. Dabei ist Bintray als Social Network gedacht, in dem Software weltweit verteilt und insbesondere Librarys gemeinsam reviewt werden können.  

JFrog hat 150 Fortune-500-Unternehmen befragt, zunächst mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass 90% der Entwickler Quellcode-Verwaltungssysteme und Binary Repositorys als Mittel nutzen, um Librarys und Code auszutauschen. 80% nutzen allerdings nicht Google Code oder Github für Binarys, sodass sich JFrog mit Bintray hier als Lückenfüller positioniert.

Negativ ist Lückenfüller hier indes nicht konnotiert, die Chancen stehen tatsächlich gut, dass Bintray sich als „GitHub for Binarys“ nachhaltig im Markt etabliert. Google Code hat jüngst die Unterstützung für Binarys aufgegeben. Auch GitHubs Stärken liegen nicht bei der Auslieferung, auch wenn vor kurzem der neue Service „Releases“ gestartet wurde, der sich indes noch bewähren muss. Zuvor hatte GitHub das Uploads Feature als „deprecated“ markiert, da es wohl nicht den Qualitätsstandards der sonstigen GitHub User Experience entsprach.

„Google Code and Github’s sweet spot is not in binaries“, folgert JFrog nicht uneigennützig. Allerdings könnte man auch auf die Idee kommen, dass Unternehmen bisher zurückhaltend waren, Binärdateien in Cloud-Service Online-Repositorys abzulegen. Bintrays größte Herausforderung könnte also genau darin liegen, die Unternehmen von der Zuverlässigkeit und Sicherheit ihres Dienstes zu überzeugen.

Weitere Ergebnisse der JFrog-Umfrage sind übrigens, dass 65% der Entwickler eine schlechte Dokumentation und unklare Lizenzbedingungen als größte Herausforderung für Open Source Software ansehen. Bereits 42% der Entwickler nutzen Binary Repository Manager, was JFrog als signifikante Steigerung und Zeichen einer klaren Marktveränderung deutet. Die Zeiten interner File-Sharing-Systeme und physischer Medien wie Festplatte oder USB seien vorbei.

Und was hält das Ausrollen eines Release zum geplanten Termin am ehesten zurück? 57% sagen: Codeveränderungen in letzter Minute.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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