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Wie aus Informationen Produkte und Servicetools werden

Big Data für den großen geschäftlichen Durchblick

Detlef Eppig
Erhöhte Sicherheit bei Cloud-basierten Services

Das Klassifizieren von Daten hat noch einen Vorteil: Es hilft dem Unternehmen beim Managen des geschäftlichen Wachstums. Ungemanagtes Datenwachstum kann die Agilität behindern, da die Infrastruktur nicht am geschäftlichen Bedarf ausgerichtet ist. Das kann im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Mix von Servertypen und Konfigurationen führen. Eine komplexe Mischung aus unterschiedlichen Komponenten und „Daten hier, da und überall“ ist langfristig nicht skalierbar. Das Fehlen einer erweiterbaren Architektur beeinträchtigt zudem die Fähigkeit eines Unternehmens, Informationen zum Erreichen von geschäftlichen Zielen auszuwerten. In der Realität wachsen die IT-Abteilungen unter Umständen nicht gleich schnell wie die Menge an Big Data. „Einfach mitwachsen“ als Strategie für effektives Verwalten dieser großen Datenmengen erweist sich als zunehmend unpraktikabel, besonders da sich derzeit der Blick kritisch auf Betriebskosten und ROI richtet.

Durch die Beantwortung der genannten Fragen ist ein Unternehmen bereits einen Schritt näher an einer IT-Infrastruktur, die wirklich im Sinne der geschäftlichen Ziele ist. Allerdings werden verstärkt neue Computing-Modelle als Schlüssel zur geeigneten Infrastruktur für Big Data gesehen. Auf Cloud Computing basierende Lösungen, seien sie je nach Anforderung öffentlich, privat oder hybrid, ermöglichen Unternehmen im Vergleich zum herkömmlichen IT-Umfeld Kostenersparnisse, mehr Agilität und Flexibilität.

Cloud Computing trägt dazu bei, den Kapitalaufwand für Hard- und Software sowie Serviceleistungen zu reduzieren. Der Provider erhält nur Geld für das, was genutzt wird. Gewöhnlich entstehen nur geringe oder gar keine Vorlaufkosten. Außerdem können die entsprechenden Verträge jederzeit gekündigt und potenzielle Risiken mit Blick auf Investitionsrendite vermieden werden. Dem Ausbau der Infrastruktur liegt also zunehmend ein Betriebskostenmodell zugrunde – ein wichtiger Aspekt in einer Welt, in der momentan schwer an frisches Kapital zu kommen ist.

Weiter sind die heutigen Cloud-basierten Services gefordert, zur Erfüllung stringenter Service Level Agreements ein hohes Niveau an Verfügbarkeit aufrecht zu erhalten. Dadurch eröffnen sich Unternehmen leistungsfähige neue Optionen, ihre Workloads einfach vom unternehmenseigenen Datencenter in die Cloud und zurück zu verlagern, je nachdem, was gerade an Kapazität gefordert ist und wie die derzeitige Geschäftsstrategie aussieht. Wegweisende Cloud-Provider gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie sorgen für Transparenz, indem sie Firmen den physikalischen Zutritt zu ihren Daten im Datencenter des Providers erlauben. Für CIOs kann es überaus beruhigend sein zu wissen, wo genau sich ihre Daten befinden und wie man sich darum kümmert.

Der wahrscheinlich größte Vorteil liegt in der Tatsache, dass Cloud Computing ein höheres Niveau an Sicherheit bietet, als man heute üblicherweise in Unternehmen vorfindet. Cloud-Provider verfügen über speziell geschultes Sicherheitspersonal und eine abgesicherte Umgebung; und nicht zuletzt über Sicherheitsprotokolle, die im Hinblick auf Bedrohungen immer auf dem neuesten Stand sind – ein Aspekt, mit dem die meisten IT-Organisationen Probleme haben.

Die IDC schätzt, dass 2015 fast 20 Prozent sämtlicher Informationen mit Cloud-Computung-Serviceprovidern in Berührung kommen, was bedeutet, dass ein Byte irgendwann auf seinem Weg von seinem Urheber bis zur Entsorgung in einer Cloud gespeichert oder verarbeitet wird; gute zehn Prozent werden in einer Cloud gepflegt werden. Die Idee, große Datenmengen in der Cloud zu speichern, scheint sich nicht nur durchzusetzen, sie ist bereits Praxis geworden. Mehr zum Thema Big Data und Cloud Computing finden Sie auch im Artikel von Holger Sirtl in dieser Ausgabe.

Der Chief Innovation Officer

Die bedeutendste Herausforderung für Unternehmen, die die Informationen nutzen wollen, die in Big Data stecken, liegt in der Umwandlung von Informationen in Erkenntnisse. Allzu häufig liegt der Schwerpunkt auf Speicherung und Absicherung großer Datenmengen. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch das Auffinden von Datenerfassungs-, Durchsuchungs- und Auswertungstools. Sie können Unternehmen dabei helfen, bislang unstrukturierte Daten in Einblicke zu konvertieren.

Die Chancen, die in derartiger Informationsbeschaffung liegen, müssen von den Führungskräften sämtlicher Bereiche wahrgenommen werden, nicht nur von einigen wenigen datenorientierten Managern. Prognostizierende Analysen auf der Basis riesiger Mengen synthetisierter Daten beispielsweise werden immer mehr zu einem wichtigen Werkzeug für das Unternehmen. Sie verleihen Marketingkampagnen Gestalt, lenken den Vertrieb, optimieren Lösungen oder definieren sogar Geschäftsprozesse. Enterprise-Data-Management-Lösungen bieten eine Strategie zum Definieren, Auffinden und Integrieren von Daten. Durch sie bekommen Unternehmen besser in den Griff, über welche Daten sie verfügen, wo diese sind und wie sie verwendet werden, wie sie gesichert und wie lange sie aufbewahrt werden sollten. Hierin stecken enorme Vorteile für interne Anwendungen in Bereichen wie Finanzen, Human Ressources, Business Intelligence und Customer Relationship Management, aber auch für die externe Kommunikation mit Zulieferern, Anteilseignern, Partnern und Aufsichtsgremien.

Chief Information Officers sind genau an der richtigen Stelle, um Vordenker des Unternehmens zu werden und proaktiv geschäftlichen Wandel und Innovation voranzutreiben. Im Grunde werden Chief Information Officers damit zu Chief Innovation Officers, die ihre neue Position im Zentrum des Unternehmens dazu nutzen, um mit neuen Technologien einen Wandel in der Arbeitsweise des Unternehmens zu bewirken. CIOs, die ihre Vorgehensweise nicht ändern und weiter sämtliche IT-Funktionen inhouse belassen, werden sicherlich von einer Flut an Daten weggeschwemmt werden.

Fazit

Eines ist sicher: Unternehmen können ganz erheblich von Big Data profitieren, wenn sie daraus effizient Informationen aufspüren und ableiten. Diese liefern dann den entsprechenden Entscheidern und Downstream-Systemen die Erkenntnisse und die Agilität, die man benötigt, um wettbewerbsfähig zu sein. Diese Form der integralen Informationsbeschaffung verändert die DNA digitaler Daten, wie wir sie bisher kennen. Sie können nicht länger als bloße Informationen betrachtet werden; ihr Mehrwert hat sie zu einem Produkt oder Servicetool gemacht, das neue Geschäftschancen generieren kann. Und sie ermöglichen faktenbasierte Entscheidungen für noch größeren Erfolg. Unternehmen, die sich dieses Wissen zunutze machen, das in ihren Daten steckt, es sichern und dementsprechend handeln, können mit erheblichen Wettbewerbsvorteilen rechnen. Dreh- und Angelpunkt für diesen Informations-Feed ins Unternehmen wird die neue Generation von CIOs sein. Mit einer ganzen Flut von neuen Services werden sie ihre Kollegen dabei unterstützen, die Vorteile von Big Data schneller und umfassender auszunutzen und die Voraussetzungen für den zukünftigen geschäftlichen Erfolg zu schaffen.

Detlef Eppig ist Geschäftsführer von Verizon in Deutschland.
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Detlef Eppig
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