Internet of Things Day auf der JAX 2015

Big Bang Theory: Das Internet der Dinge probiert sich aus

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/vesna cvorovic

Das Internet of Things ist kein Zukunftsthema mehr – intelligent vernetzte Dinge sind bereits heute ein wichtiger und immer weiter wachsende Sektor. Entwickler bereiten sich darauf vor: Auf dem Internet of Things Day der JAX 2015 wurden spannende Ansätze bezüglich Plattformen, Protokollen, Architekturen und vielem mehr diskutiert.

Was ist aber eigentlich das Internet of Things? Was sind die „Things“, von denen alle sprechen? Und warum vernetzen, wann vernetzen, wie vernetzen? Auch solch grundlegende Fragen bedurften im Rahmen der IoT Days auf der JAX 2015 noch der Klärung. Die junge Disziplin IoT scheint sich noch mitten in der Selbstfindungsphase zu befinden.

MQTT & Java

Nun haben diese sogenannten „Dinge“ aber auch gewisse Eigenschaften gemein: Neben begrenzten Ressourcen, unsicheren Netzwerkverbindungen und eingeschränkter Energie-Versorgung sind sie vor allem eines: beweglich.

„Dinge haben keinen festen Platz“, so Christian Götz (dc-square GmbH) in seiner Session „Bau deine eigene IoT-Plattform mit Java„. Umso wichtiger ist es, dass die beweglichen Dinge eine gemeinsame Sprache sprechen: Stichwort HTTP und MQTT. Schön anzuschauen war es, wie unter den Händen von Götz in 60 Minuten eine kleine IoT-Plattform unter Java entstand.

Als Grundanforderungen an solch eine Plattform stellte sich heraus, dass Geräte, die unterschiedliche Protokolle sprechen, trotzdem miteinander kommunizieren können müssen. Und da war die Antwort auf die Frage „Build or outsource?“ klar: Besser man nimmt bereits vorhandene Bausteine, als mit dem Anspruch heranzugehen, sich seine Plattform komplett selbst zu programmieren.

Christian Götz (dc-square GmbH)

Christian Götz (dc-square GmbH)

Connecting Things

Vernetzung findet meist direkt über das Internet oder über einen Hub statt. Da viele Smartphones heutzutage die Möglichkeit des Bluetooth Low Energy (BLE) nutzen können, stellen sie eben genau so ein passendes Hub für die Verbindung von Geräten dar.  In seinem Vortrag zu „Connecting Things – with BLE (Bluetooth Low Energy)“ sprach Sven Haiges (hybris GmbH) nicht nur über die technischen Vorteile von BLE, welches größere Datenmengen schneller übertragen kann als das klassische Bluetooth , sondern brachte auch einen Ring zum leuchten und eine Scheibe zum drehen.

Das klingt erst einmal komisch – auf diese Weise zeigte Haiges aber eindrucksvoll, wie sich via BLE eine Vernetzung zwischen Smartphone, Laptop und einem simpel konstruierten Prototypen erstellen lässt. Auf Seiten der Hardware präsentierte Haiges das Arduino LightBlue Bean, ein low energy Bluetooth Arduino Microcontroller, der für die Durchführung von Smartphone-kontrollierten Projekte geeignet ist.

Sven Haiges (hybris GmbH)

Sven Haiges (hybris GmbH)

Präsentierter Prototyp im Vortrag von Sven Haiges (hybris GmbH)

Präsentierter Prototyp im Vortrag von Sven Haiges (hybris GmbH)

Android & IoT

„Für ein gutes UI brauche ich zwar einen Designer, aber auch eine gute Plattform“. Eine zentrale Frage in der Session „Embedded Android – die Kommandobrücke des IoT“ von Dominik Helleberg (inovex GmbH) war, wie sich Android in das IoT eingliedert und wie eine grafische Benutzerschnittstelle aussehen kann. Aber ist nicht der Designer daran Schuld, wenn der Consumer einen bestimmten Button nicht finden kann? Nein! Denn laut Dominik Helleberg bestehen moderne UIs eben nicht mehr aus einzelnen Buttons, sondern aus dynamischen Oberflächen, die sich bewegen, übereinanderlegen usw. Und um das zu ermöglichen, muss eben auch die Plattform stimmen, auf der das UI basiert.

Dominik Helleberg (inovex GmbH)

Dominik Helleberg (inovex GmbH)

Industrie 4.0

Die Keynote von Matthias Steiner (SAP) ergänzte den Special Day thematisch. Darin beleuchtete er die Auswirkungen der „Industrie 4.0“ auf Unternehmen von heute. Wie geht man mit den gigantischen Datenmengen um, wie bildet man IoT auf klassische, etablierte Architekturen ab? Für Industriezweige wie Logistik oder Automotive ist IoT ein großes Thema Der „Big Bang“ komme aber erst, wenn alle Netzwerke branchenübergreifend miteinander verbunden seien, so Steiner.

Dr. Uwe Kubach (SAP) warf in seinem Vortrag zu „Das Internet der Dinge als Enabler für neue Geschäftsanwendungen“ einen Blick zurück: Ist IoT wirklich so neu? Oder liegen die Anfänge weiter zurück, als man denkt? Tatsächlich kann man schon unter der Telemetrie, die ihre Anfänge in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte, erste Schritte in Richtung vernetzter Kommunikation sehen. Auch Machine-to-Machine-Kommunikation und „Cyber Physical Systems“, der Kommunikation von softwaretechnischen Komponenten mit mechanischen und elektronischen Teilen –  beispielsweise über das Internet – sind Schritte auf dem Weg zum modernen Begriff der IoT.

Heute sollen eben nicht die Geräte im einzelnen mit einer Datenbank verbunden sein, sondern alle smarten Geräte sollen über eine gemeinsame Cloud-Infrastruktur laufen. Die Eigenschaften einer solchen gemeinsamen Schnittstelle, über die die Verbindung aller Geräte funktionieren kann, wurden in diesem Vortrag dargestellt.

Dr. Uwe Kubach

Dr. Uwe Kubach (SAP)

Homeland

Und abschließend, wie sollte es anders sein, ging es nach Hause. Oliver Wolf (innoQ) griff die Anforderungen rund um das Smart Home auf. Er stellte in konkreten Beispielen dar, wie sich aktuelle Hypermediaformate sinnvoll einsetzen lassen, um flexible, erweiterbare und entwicklerfreundliche Programmierschnittstellen für das Internet of Things zu schaffen.

Der Internet of Things Day hat gezeigt, dass die Nachfrage vieler Industriezweige in diesem Bereich immer weiter wächst. Auf diese neuen Anforderungen muss von technischer Seite noch einiges nachkommen und, wie Mathias Steiner in seiner Keynote andeutete, der „Big Bang“ muss und wird wahrscheinlich noch kommen.

Aufmacherbild:Internet of Things von Shutterstock / Urheberrecht: vesna cvorovic

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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