Bekenntnisse eines Java-Fanatikers

Hartmut Schlosser

(c) Shutterstock / musicman

Ich bin ein Pony, das genau einen Trick beherrscht. Und dieser Trick heißt Java!

Mit dieser Passage beginnt der lesenswerte Blogeintrag von Michael Wooten, in dem er Wege sucht, seine Scheuklappen als Java-Fanatiker zu überwinden.

Vorurteile eines Java-Fanatikers

Wooten betreibt zunächst eine Art Tiefenanalyse und schürft nach den Gründen seines Java-Fanatiker-Daseins. Dabei meandert er durch die aktuelle Sprachlandschaft und macht sich seine eigenen Sprachvorurteile bewusst, die sich während seiner Laufbahn als Entwickler angesammelt haben:

  • Python: Damit habe ich bisher nur Frankenstein-Projekte zusammengeschustert
  • C#: Bäh, ist ja von Microsoft
  • Objective-C: ist kompliziert
  • Ruby: schwach typisiert, Closures – für einen Java-Guy schwierig zu verstehen, warum
  • JavaScript: Nur nützlich für nervende Popups und Browser Tricks
  • Lisp: Ich denke nicht funktional
  • Scala und Clojure: Wieso brauchen wir andere Sprachen auf der JVM? Haben die denn das „Java“ in „Java Virtual Machine“ nicht verstanden?

Die Wurzel des Fanatismus

Glücklicherweise sieht Wooten seine Kurzsichtigkeiten ein und stößt zum Anfang seines Java-Fanatismus vor:

Was hat ihn ursprünglich eigentlich auf Java gebracht?

Zum einen zog damals der Slogan „Write once, run anywhere“. Microsoft war der „böse“ Monopolist, den es zu bekämpfen galt. Zweitens erleichterte das Java-Tooling (Eclipse, Vi) den Einstieg in die Programmierung: kostenlos, leicht zu handhaben, mächtig (im Gegensatz zu Visual Studio). Drittens: Es ist durchaus eine große Anstrengung, sich in neue Syntax und Programmierkonzepte einzuarbeiten. Wie einfach war es da, schlicht bei Java zu bleiben, insbesondere da die anderen Sprachen beruflich nicht gefordert waren.

Und zu guter Letzt: Jede Woche liest man doch von einem Blogger die buntesten Argumentationen, warum Java gerade jetzt wieder einmal dem Tode geweiht sei. Reaktion bei Wooten: Abwehr! Andere Sprachen stellten für ihn eine Bedrohung dar, eine Bedrohung seines eigenen Wissensvorsprungs als Java-Entwickler.

Doch die eigentliche Wurzel seines Fanatismus sieht Wooten in der Zeit, besser: dem Fehlen derselbigen. Eine neue Programmiersprache zu erlernen, benötige nun einmal viel Zeit, die meiste gehe dabei für die Einarbeitung in die Bibliotheken und in ein neues Tooling drauf.

Was riskiert der Java-Fanatiker?

Jetzt schlägt Wootens Analyse um: Was riskiert man eigentlich, wenn man sich auf eine einzige Sprache fokussiert. Für Wooten sieht es derzeit so aus, als beschreite die Entwicklung von Web-Anwendungen neue Wege. Wer sich heute zu sehr auf Java versteift, riskiert, mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten zu können, meint Wooten. Das 1-Trick-Pony könnte plötzlich nicht mehr gefragt sein, wenn die Leute sich von anderen Tricks begeistern lassen.

I’m afraid I’ll be like the developers who stuck with COBOL or FORTRAN because those were the only languages they needed.

Und endlich kommt die Erkenntnis, der Wooten sich so lange verschlossen hat: Sich auf dem Laufenden zu halten bedeutet heute, sich nicht mehr nur in einer Sprache auszukennen und die Entwicklungen dort zu verfolgen, sondern auch andere Sprachen im Auge zu behalten.

Really good programmers are lifelong learners and keep their skills up to date.

Neujustierung: JavaScript

Nun – welches Fazit zieht Wooten aus seiner Neujustierung? Um den Fanatismus zu überwinden, müssen die Vorurteile abgelegt und die verschiedenen Technologien und Ansätze neu evaluiert werden. Dann muss Zeit reserviert werden, um sich regelmäßig mit Unvertrautem zu beschäftigen.

Für sich selbst hat Wooten als nächste Haltestelle JavaScript identifiziert, auf das er einen ernsten Blick werfen möchte. Dabei liegt er voll im Trend, wird ein neuer Blick auf JavaScript – z.B. auch für Server-seitige Programmierung und Enterprise-Szenarien – heute doch von nicht wenigen empfohlen:

Torsten Winterberg: „JavaScript erlebt gerade einen regelrechten Aufschwung.

Matthias Lübken: „JavaScript weckt unseren Entwicklerspieltrieb

Wooten empfielt Douglas Crockfords Buch „JavaScript: The Good Parts„. Fügen wir noch das Titelthema des Java Magazins 9.11 „Enterprise JavaScript“ hinzu.

Danach will Wooten ein Ruby-on-Rails-Projekt starten.

Neue Werte

Ob Wooten mit JavaScript und Ruby-on-Rails auf dem richtigen Dampfer ist, sei einmal dahingestellt. Seine grundlegende Erkenntnis wollen wir hier aber gerne weiter verbreiten:

I just don’t want my old views to affect my future value as a developer going forward.

Aufmacherbild: Abstract portrait von Shutterstock / Urheberrecht: musicman

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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