Keynote von Henk Kolk auf der W-JAX 2015

„Be awesome!“ – Warum Software-Entwicklung keine Massenfertigung ist

Melanie Feldmann

Henk Kolk

In der Keynote zu Beginn der W-JAX 2015 ging es direkt um das Schlagwort Transformation. Henk Kolk, Chief Architect bei ING, nahm mit seiner Keynote The Journey of a Bank and where IT took the Lead das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes mit auf die Reise in den IT-Wandel.

Kolk verglich den disruptiven Einfluss, den Software zurzeit auf viele Geschäftsmodelle entfaltet, mit den 1900er Jahren und dem Beginn der Massenfertigung. Damals baute Henry Ford das erste massenproduzierte Auto mit Arbeitern, die auf eine Tätigkeit der Produktionslinie hochspezialisiert waren. So konnte er günstige Autos bauen – schneller als zuvor. Dieses Konzept veränderte die komplette Industrie. Noch heute bauen wir alles, vom Auto bis zum Computer, nach Ford. Doch für die Softwareentwicklung ist das mittlerweile keine gute Idee mehr.

„Rethink paradigms and rules“

Denn die Welt ändert sich zu schnell – und damit auch ihre Probleme. Arbeiter, respektive Software-Entwickler, die die Probleme ihrer Kunden nicht verstehen, schreiben keinen guten Code. Sie können nicht mehr das Rädchen in der Produktionslinie sein, das nicht weiß, was links oder rechts passiert. Sie müssen die komplette Produktion kennen und die Welt, in der ihr Kunde lebt. Deswegen müssen Entwickler Paradigmen und Regeln in Frage stehen. Kolk forderte die Anwesenden auf, „to rethink paradigms and rules“.

Genau das hat Henk bei seinem Arbeitgeber ING gemacht. Als er 2009 zu dem Unternehmen stieß, befand sich die IT der Bank in einer Sackgasse. Das Unternehmen hatte große Teile der IT outgesourct, viel zu viel Wissen hatte damit das Unternehmen verlassen. Die IT war ein bloßer Kostenfaktor und kein Treiber für Geschäftserfolg. Die ersten Apps bekamen in den App Stores sehr schlechte Kritiken. „They asked Apple to make it possible to give zero stars“, fasste Kolk die schlechte Kundenerfahrung zusammen.

Der Wandel der IT vom bloßen Kostenfaktor und vom reinen Massenprodukt zum Erfolgsfaktor.

Der Wandel der IT vom bloßen Kostenfaktor und vom reinen Massenprodukt zum Erfolgsfaktor.

Daraufhin krempelte die Bank ihre IT komplett um. Sie setze auf agile Scrum-Teams, strich zwei Managementebenen und gaben den IT-Teams direkte Verantwortung für ihre Programme. Bei einem Problem im Betrieb bekommt jetzt – ganz im Zeichen von DevOps – nicht nur Operations eine E-Mail. Auch der zuständige Entwickler ist „on call“ und bekommt einen Anruf. Um diesen Kulturwandel zu unterstützen und zu zeigen, wie wichtig die IT für den Erfolg des Unternehmens war, lernte der CTO, mit Java zu programmieren.

Kolk legte den Schwerpunkt bei seiner Reise zu einer besseren IT und besseren Programmen vor allem auf zwei Themen: „Continuous Delivery“ und „Engineering Talent“. Nur so sei es möglich, großartige Software zu bauen, „to build great software“.

Bei Continuous Delivery geht es Kolk vor allem um schnelle Reaktionszeiten. Neue Software darf nicht von Meetings und Reviews ausgebremst werden. Neue Anforderungen müssen schnell im produktiven Code landen. Dazu setze ING zum Beispiel in jedes Entwicklerteam Kollegen aus dem Marketing, um die direkte Kommunikation zu fördern.

„Be awesome!“

Um „Engineering Talent“ zu finden, muss die Personalabteilung eng mit den Entwicklern zusammen arbeiten. Denn die wissen, was Developer brauchen und was sie von neuen Kollegen erwarten. Außerdem ist es wichtig, in den Teams Raum für Lernen zu schaffen. Denn nur so kann man Entwickler vom Anfänger zum Experten ausbilden. Dabei soll man laut Kolk nur keinen Experten mit einem Anfänger zusammensetzen. „Experts don’t like novices“, gab Kolk zu bedenken. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen, und das frustriert nur beide Seiten. Kolk gab dem Publikum deswegen ein „Lets fix the profession of software engineering“ mit auf den Weg. Es kann nicht sein, dass Entwickler jahrelang nur an einem Thema arbeiten. Es muss immer neue Stationen geben, wo sie Neues lernen und ausprobieren können.

Denn das Ziel ist: „Be awesome!“

Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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