Buchtipp

Basiswissen für Softwarearchitekten

Michael Müller

Anders als bei anderen Entwicklungsmethoden, existiert in manchen agilen Methoden wie Scrum die explizite Rolle eines Softwarearchitekten nicht. Doch auch hier gilt genauso: Ohne eine solide Softwarearchitektur kann das Produkt nur bis zu einem gewissen Grad erfolgreich sein. Sobald es komplexer wird, ist die Rolle des Softwarearchitekten gefordert. Diese Rolle muss nicht unbedingt so heißen, sie kann auch von einer oder mehreren Personen des Teams ausgefüllt werden. Insofern richtet sich das Buch an alle, die mit Softwarearchitektur zu tun haben, bis hin zum einzelnen Entwickler.

Autor(en)

Mahbouba Gharbi, Arne Koschel, Andreas Rausch, Gernot Starke

Titel

Basiswissen für Softwarearchitekten

Untertitel

Aus- und Weiterbildung nach iSAQB-Standard zum Certified Professional for Software Architecture Foundation Level

Seiten

220

Preis

32,90 €

Verlag

dpunkt.verlag

Jahr

2014

ISBN

978-3-86490-165-2

Das International Software Architecture Qualification Board (iSAQB), in dem auch einige der Autoren in offizieller Position aktiv sind, hat sich zum Ziel gesetzt, die Ausbildung zum Architekten voranzutreiben. Und so handelt es sich bei vorliegendem Titel um ein Buch, das auf die Prüfung im Foundation Level vorbereitet. Wer nun ein trockenes Lehrbuch erwartet, wird positiv überrascht sein. Das Buch ist durchaus angenehm zu lesen und so auch für Entwickler und Architekten interessant, die dies nicht zur Prüfungsvorbereitung nutzen.

Natürlich startet das Buch, wie die meisten Kapitel, mit der Einbettung des Inhalts in den iSAQB-Lehrplan, sprich einer Auflistung der Lernziele. Und am Kapitelende gibt es dann Fragen als Lernzielkontrolle. Der Teil dazwischen liest sich auch losgelöst vom Prüfungsziel.

Das Buch startet mit der Frage nach der Bedeutung von Softwarearchitektur, softwareintensiven Systemen und der Wechselwirkung mit deren Umgebung. Unterschiedliche Entwurfsstrategien, von der Vogelperspektive zum Detail, von der Komponente zum System werden betrachtet. Die Autoren manifestieren, dass beide Strategien abwechselnd und iterativ zu nutzen seien, um inkrementell zu einer tragfähigen Architektur zu gelangen. Sie gehen auf Themen wie Domain-driven Design, Aspektorientierung, lose Kopplung, Inversion of Control, Architektur- und Entwurfsmuster und weitere Techniken ein – Themen, die einem guten Softwareentwickler zumindest in Teilen geläufig sein sollten. Hier werden sie zusammengebracht, um so eine tragfähige Architektur zu schaffen. Ein guter Architekt darf – oder besser muss – auch selbst coden.

Softwarearchitektur ist den Stakeholdern zu kommunizieren. Dazu werden Bausteine, je nach Zielpublikum, als Blackbox dargestellt oder ihr Innenleben schrittweise offengelegt, bis hin zu einem bedingt codierfähigen Level – und nicht weiter. Dabei, so betonen die Autoren, darf die Dokumentation kein Selbstzweck sein oder anderswie ausarten. Und sie muss stets aus Sicht des Zielpublikums erstellt werden. Wichtige Tipps halten sie im entsprechenden Kapitel bereit.

In den letzten Kapiteln geht es dann um Softwarequalität inklusive ihrer Überprüfung und schließlich um Werkzeuge für den Softwarearchitekten. Werkzeuge, die in Teilen vielen Entwicklern bekannt sein dürften. Hier wird erkennbar, dass Entwickler und Architekten keine disjunkten Mengen darstellen müssen. Insbesondere in agilen Projekten wechseln diese Rollen.

Das Buch liefert zwar keinen Beispielcode, dafür aber zahlreiche Grafiken, die die beschriebenen Inhalte erläutern. Auch wenn sich das Buch vorwiegend am Lehrplan orientiert, ist die Lektüre für alle Softwareentwickler, die sich für mehr als das Codieren vorgegebener Strukturen interessieren, interessant.

Geschrieben von
Michael Müller
Michael Müller
Michael Müller verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Softwareentwicklung, Training und Consulting, davon rund 25 Jahre im Gesundheitswesen. Er leitet den Bereich Softwareentwicklung bei der InEK GmbH. Daneben betätigt er sich als freier Autor und Blogger. Er ist Mitglied der JSF Expert-Group, des NetBeans Dream Team sowie der JUG Cologne.
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