Bahnbrechende Technologietrends des nächsten Jahrzehnts - JAXenter

Bahnbrechende Technologietrends des nächsten Jahrzehnts

NEUEN WERT SCHAFFEN

Bei der Umverteilung von Wert bleibt im Grunde alles beim Alten. Es entstehen im Wesentlichen die gleichen Produkte und Services wie zuvor – jedoch mit neuer Technologie und gegebenenfalls bei neuen Anbietern. Neuer Wert entsteht dagegen durch neue Produkte und Services oder durch die Weiterentwicklung vorhandener Produkte und Services.

So können Verbesserungen von Verteilungs- und Planungssystemen die Entstehung von neuen Produkten begünstigen: etwa das kurzfristige Anmieten von Autos oder die Übertragung von Echtzeitverkehrsdaten direkt aufs Handy. Ein neuartiger Vertrieb bestehender Produkte wie im iTunes Music Store von Apple kann neue Kunden anziehen und/oder den Verkauf an Bestandskunden ankurbeln. Die Programmschnittstelle Open Mapping Application Programming Interface von Google ist ein Beispiel für eine Plattform, die innovative Services ermöglicht.

Solche Beispiele können das Potenzial qualitativ veranschaulichen. Zuverlässig quantifizieren lässt es sich aber noch nicht. Eine Extrapolation der Wirkung von Wachstumsstrategien für unsere Klienten aus den verschiedensten Branchen erlaubt lediglich eine vorläufige Schätzung. Demnach entsteht durch die Technologietrends mindestens so viel neuer Wert wie umverteilt wird.

WIE KÖNNEN UNTERNEHMEN SICH AUF DIE NEUEN TRENDS EINSTELLEN?

Die MTI-Analyse zeigt, dass die acht Technologietrends bestehende Strukturen erheblich erschüttern können. Einerseits stellen sie also eine erhebliche Bedrohung für die heutigen Wertschöpfungsketten dar, andererseits bieten sie große Möglichkeiten. Anders ausgedrückt: Wer die Technologietrends richtig nutzt, kann seinen Umsatz sichern und wachsen – wer sie nicht nutzt, kann im gleichen Umfang Umsatz an Konkurrenten verlieren und Wachstumschancen vertun.

Ein unfehlbarer Fahrplan zur Nutzung solcher Chancen lässt sich nicht erstellen. Doch die MTI hat drei Rahmenbedingungen identifiziert: Werden sie Bestandteil der Unternehmensstrategie, ist die Organisation zumindest gut aufgestellt, um rechtzeitig auf die Chancen reagieren zu können:

  • Außenstehende (Einzelpersonen und Communities) in die Unternehmenstätigkeit einbeziehen (sei es in der Automatisierung sich wiederholender Tätigkeiten oder bei der Beschleunigung der Globalisierung): Unternehmen können davon profitieren, Einzelpersonen in ihre Geschäftstätigkeit einzubinden, wie der Fall des kanadischen Bergbauunternehmens GoldCorp zeigt. Weitere Chancen bietet die Änderung des Charakters der Arbeit selbst, durch Redefinition von Arbeitsorten und -zeiten. Darüber hinaus haben Unternehmen die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu schaffen, wenn sie Menschen über gesellschaftliche, wirtschaftliche oder politische Aktivitäten verbinden. Aktuelle Beispiele für diese neuen Modelle sind Networkingplattformen wie Xing sowie die erfolgreicheren Finanz- und Politikblogs.
  • Alle Beteiligten zu neuen Organisationsarchitekturen motivieren: Wer unterschiedliche Beziehungen zwischen Kunden, Lieferanten, Unternehmen und Mitarbeitern ermöglicht, kann erhebliches Potenzial erschließen. Wenn beispielsweise Mitarbeiter und Unternehmensführung ihre Rollen und Verantwortlichkeiten weiterentwickeln, entstehen anpassungsfähigere institutionelle Systeme. Beispiele für solche „Architekturen“ sind die lockeren Zusammenschlüsse von Programmierern, die das Linux-Betriebssystems oder die Wikipedia-Inhalte erstellen und kontinuierlich weiterentwickeln.
  • Überholte wirtschaftliche Lehrmeinungen aufgeben: Unternehmen sollten akzeptieren, dass der Wert proprietärer Daten sinkt und die Zahl möglicher Stellhebel zur Leistungsverbesserung steigt. Denn auf diese Weise entstehen oft Produkte und Services, die bisher aus ökonomischen Gründen nicht möglich gewesen wären. Ein Beispiel hierfür: Vuru, ein Anbieter von Nahrungszusatzstoffen, bietet Pakete für die tägliche Nahrungsergänzung, die auf den einzelnen Kunden zugeschnitten sind. Solche Veränderungen bewirken darüber hinaus, dass die Grenzen zwischen Produkt und Service sowie zwischen Hersteller und Verbraucher verschwimmen. So profitiert Lego, wenn es den Kunden Bausätze verkauft, die Konsumenten als Innovatoren zuvor auf dem Digital-Design-System des Unternehmens entwickelt haben.

Generell sind Unternehmensführungen dann gut auf den technologischen Wandel vorbereitet, wenn sie wissen, wie die acht Technologietrends ihre derzeitigen Wertschöpfungsketten beeinflussen. Anschließend gilt es, das Potenzial möglicher neuer Wertschöpfungsketten zu bewerten. Zusätzlich kann das Management Fälle analysieren, in denen mit diesen Trends bereits erfolgreich Wert geschaffen wird – intern oder bei anderen Organisationen. Wenn ein Unternehmen schließlich die oben genannten Rahmenbedingungen in seiner Strategie verankert, eine Kultur der Innovation fördert und zu einem gewissen Grad flexibel bleibt, wird es die eigentlich disruptiven Technologietrends sogar für das eigene Wachstum nutzen können. So sichern sich Unternehmen ihren Anteil an dem Einsatz, der im kommenden Jahrzehnt auf dem Spiel steht.

Dr. Uwe Schmid (uwe_schmid@mckinsey.com) ist Senior Expert im Business Technology Office von McKinsey in Frankfurt und berät europäische Klienten in Fragen der Technologiestrategien mit Fokus auf Kernapplikationen und Open Source. Er verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der Unternehmensberatung und als Manager in der Softwareindustrie. Er wurde in Physik am Max-Plack-Institut für Festkörperforschung promoviert.

Dr. Markus Löffler (markus_loeffler@mckinsey.com) ist Partner im Business Technology Office (BTO) von McKinsey in Stuttgart. Er ist Leiter der globalen Technologie-Infrastruktur-Praxis und ein führendes Mitglied der IT-Architektur-Praxis. Er berät seine Klienten beim Management und der Transformation von IT-Produktionen sowie bei Business- und IT-Architekturen. Er wurde in Physik am Max-Plack-Institut für Quantenoptik promoviert.

Anfang 2007 waren beide Autoren Mitbegründer der McKinsey Technology Initiative (MTI), die Auswirkungen von IT-Trends auf mikro- und makroökonomischer Ebene untersucht.

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