Aus für LiveRebel: DevOps und Continuous Delivery nur Luftschlösser?

Redaktion JAXenter
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LiveRebel wird es bald nicht mehr geben. Das estnische Unternehmen ZeroTurnaround stellt die Entwicklung der kommerziellen Server-Management-Software ein. Dies teilt CEO Jevgeni Kabanov im Unternehmensblog mit. Alle aktuellen Nutzer des Produkts werden entsprechende Entschädigung und in den nächsten zwölf Monaten Hilfe bei der Migration auf ein anderes Werkzeug erhalten, so Kabanov.

Lieber ein Ende mit Schrecken…

Zur Begründung schreibt der Unternehmer, man habe nicht genügend Kunden für LiveRebel gewinnen können, um das Produkt langfristig tragfähig zu machen. Da die Nachfrage ausgeblieben sei, habe man schweren Herzens, aber rechtzeitig die Entscheidung getroffen, die Software vom Markt zu nehmen. Scheiterte die Software, weil DevOps und Continuous Delivery nicht in der Unternehmenspraxis angekommen sind?

2008 wurde die Idee zu LiveRebel geboren: Nach dem ersten Erfolg des Vorgänger-Tools JRebel, ein Plug-in für die Java Virtual Machine, das ein automatisches Nachladen von Java-Klassendateien ermöglicht und 2011 den JAX Innovation Award gewann, regten Kunden von ZeroTurnaround an, dieselbe Hotpatching-Technologie auf Produktionsumgebungen anzuwenden. So entstand LiveRebel, ein Werkzeug zur Serververwaltung, mit dem sich Aktualisierungen von Java-EE-Anwenundungen ohne Anhalten des Servers durchführen lassen. Ein erstes Release erfolgte im Mai 2011.

Kein DevOps, kein LiveRebel? 

Im selben Jahr setzte eine ernüchternde Erkenntnis ein: Diejenigen Entwickler-Kunden, die sich für LiveRebel interessiert hatten, waren nicht dazu befugt, es in der Produktion zu deployen. Warum nicht? Weil nicht sie, die „Devs“, sondern die Betriebsabteilung, die „Ops“, die Produktion steuerten. Und die waren von der Hotpatch-Technologie, die sich nur auf eine begrenzte Menge an Updates anwenden ließ, ganz und gar nicht überzeugt.  

ZeroTurnaround reagierte. Man feilte weiter an der Technologie. So war es bald möglich, mehrere Server gleichzeitig zu aktualisieren, und das, ohne selbige anzuhalten. LiveRebel 2.0, im Februar 2012 erschienen, setzte viele der Anregungen aus der Kundschaft um. Mit mäßigem Erfolg: Zwar gewann ZeroTurnaround in jenem Jahr 25 neue Kunden, aber der Umsatz war mäßig, berichtet Kabanov.

Der nächste Aha-Effekt würde, so hofften er und sein Team, endlich einen Wendepunkt markieren: Java-EE-Anwendungen allein sind nicht genug – schließlich macht die WAR-Datei nur einen kleinen Teil des Release-Prozesses aus! In den Versionen 2.5, 2.6 und 2.7 wurde folglich die Unterstützung für beliebige Webplattformen Schritt für Schritt umgesetzt. Zur Belohnung konnte ZeroTurnaround im Jahr 2013 45 neue Verträge abschließen.

LiveRebel 3.0 erschien im Januar 2014. In der ersten Jahreshälfte gewann das estnische Startup 32 neue Kunden.

Obwohl LiveRebel offensichtlich Fahrt aufnahm, zogen Kabanov und sein Team die Bilanz, dass die Weiterentwicklung eines Release-Management-Werkzeugs für mittelständische Kunden mit höchstens ein paar hundert Servern nicht lukrativ ist. Zum einen deshalb nicht, weil es zu viele Wettbewerber gibt, die auf Großkonzerne mit Deployments auf mehreren tausend Servern spezialisiert sind. Zum anderen, weil im mittleren Marktsegment kein Bewusstsein für optimales Release-Management herrsche, so Kabanov. DevOps und Continuous Delivery hätten einige Denkanstöße geliefert, würden in der Praxis aber heterogen ausgelegt und umgesetzt. Darüber hinaus gehöre der Releaseprozess schlicht nicht zu den größten Sorgen eines mittelständischen Unternehmens.

Entwickler sind die besten Kunden

Mit der Abschaffung von LiveRebel zieht ZeroTurnaround die Konsequenz aus diesen Erfahrungen: Das Startup zieht sich komplett aus dem Release-Geschäft zurück und richtet sein Augenmerk künftig auf eine einzige Zielgruppe: Entwickler. Kabanov:

[T]he bright side to this all is that I feel we have a more consolidated approach to the market that had long been our core focus: DEVELOPERS (…developers, developers!)

Sie wolle man mit neuen Werkzeugen unterstützen, die ihre Produktivität förderten, so Kabanov. Als Beispiel nennt er den neuen Java Profiler XRebel. Darin wird also fortan das Kerngeschäft von ZeroTurnaround bestehen. 

Ist das Scheitern von LiveRebel ein Beleg dafür, dass in Sachen DevOps und Continuous Delivery nach wie vor eine große Lücke zwischen Idee und Realisierung klafft? Oder zielte LiveRebel, wie Kabanov ja selbst einräumt, schlicht auf das falsche Marktsegment ab? Fest steht: Wenn das junge, dynamische Unternehmen aus Estland künftig seine ganze Energie in seine Entwicklerwerkzeuge steckt, könnte sich der Erfolg von JRebel bald wiederholen. 

Ein Interview mit Jevgeni Kabanov über Continuous Delivery und die estnische Startup-Szene führte Business-Technology-Redakteur Mirko Schrempp auf der W-JAX 2012:

Aufmacherbild:

„Game over, tv game. Skull and Crossbones made of pixel“ von shutterstock.com / Urheberrecht: Erik Svoboda 

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