Aus dem Entwickler-Nähkästchen

Stefan Reichert

Aus dem Entwickler-Nähkästchen plaudern Java-Entwickler über ihre persönlichen Ups und Downs mit der „beliebtesten Programmiersprache der Welt“. Dieses Mal gibt Stefan Reichert von der IHS Systems Einblicke in seine Entwickler-Welt.

Was gefällt dir an der Programmierung mit Java?

Der Verbreitungsgrad von Java als Programmiersprache sorgt dafür, dass man zu (fast) jeder Aufgabe entweder eine Bibliothek, Snippets oder zumindest Foreneinträge findet. Bezogen auf die Syntax gefällt mir persönlich trotz der allgemeinen Popularität von dynamischen Sprachen die Typsicherheit.

Was stört dich an Java am meisten?

Ein paar relativ einfache aber viel genutzte Dinge wie beispielsweise String-Operationen oder das Arbeiten mit Streams sind in Java unhandlich zu verwenden. Zwar gibt es (wie gesagt) Bibliotheken, die einem das Leben vereinfachen, trotzdem bleibt die Handhabung oftmals umständlich.

Welches Tool hat dir in deiner Entwicklerarbeit zum größten Produktivitätsschub verholfen?

Für mich ist das die Kombination aus Hudson und Ant. Wir setzen als Continuous Integration System momentan Hudson ein, der Buildprozess basiert auf Ant. Der Automatisierungsgrad für ein Deployment der Systeme liegt bei 100%, d.h. nach einem Buildlauf (vorausgesetzt natürlich er lief durch) existiert ein vollständig lauffähiges verteiltes System. Das beinhaltet

  • einen ausführbaren und konfigurierten RCP Client
  • eine Update Site für die automatische Aktualisierung des RCP Clients
  • eine getestete und laufende Anwendung auf dem Application Server
  • eine mit aktuellem Schema und Daten befüllte Datenbank

Die Deployments können somit über Hudson vom entsprechenden Team selbst gestartet werden und das Management der Server und Datenbanken entfällt. Wir können uns also auf das Wesentliche konzentrieren: Programmierung.

Welche Programmiertechnik/Methode hat dich am meisten vorangebracht?

Modellgetriebene Entwicklung kann in vielen Projekten dafür sorgen, dass die Entwicklung schneller und effizienter funktioniert. Richtig eingesetzt kann sie für eine stringente Architektur und somit für ein stabiles Gerüst einer Anwendung sorgen. Im Java-Umfeld gibt es mit dem Eclipse-Modeling-Projekt eine sehr gute Plattform für die modellgetriebene Entwicklung, die nicht nur Werkzeuge sondern auch Support für unterschiedlichste Aufgaben bereit stellt.

Was macht dir am Programmieren am meisten Spaß?

Am meisten mag ich am Programmieren die Tatsache, dass man unterschiedlichste Aufgabenstellungen löst. Dabei besteht die Herausforderung nicht nur in der Lösung selbst, sondern immer auch aus der richtigen Mischung aus Kreativität und Effizienz auf dem Lösungsweg.

Was magst du am wenigsten am Programmieren?

Abhängig vom Vorgehensmodell steht man in der Programmierung relativ weit hinten in der Arbeitskette. Stellenweise hat man daher wenig Einfluss auf die fachlichen Anforderungen. Änderungen an diesen Anforderungen, die die Implementierung (und damit das Gesamtsystem) drastisch vereinfachen würden, sind dann schwierig zu diskutieren und durchzusetzen. Die Anforderung dann in der ursprünglichen Form umzusetzen fällt häufig schwer.

Welcher Programmierfehler hat deiner Erfahrung nach die schlimmsten Auswirkungen?

Man möchte als Entwickler intuitiv eine schöne und kreative Lösung bauen. Manchmal führt das allerdings dazu, dass das Ergebnis zwar kreativ und intelligent, dafür aber auch unverhältnismäßig kompliziert ist. Diese unnötige Komplexität kann sich schlecht auf die Eigenschaften eines Systems auswirken, gerade in Bezug auf Flexibilität und Anpassbarkeit. Eines der wichtigsten Prinzipien der Entwicklung ist es, Lösungen möglichst einfach zu implementieren. Einfach gehaltene Lösungen sind meist flexibel und einfach zu verstehen. Kompliziert wird es häufig nur, wenn die eigentliche Lösung auch kompliziert ist.

Stefan Reichert, Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH), arbeitet als Softwarearchitekt in Hamburg. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit verteilten Java-Enterprise-Anwendungen, serviceorientierten Architekturen, Eclipse und Eclipse RCP. Darüber hinaus ist er Autor mehrerer Fachartikel und regelmäßig Referent auf Konferenzen. Im August 2009 erschien sein Buch „Eclipse RCP im Unternehmenseinsatz“. Kontakt: stefan[at]wickedshell.net.
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