Augmented Reality im Unternehmen: Die Fakten

Schritt für Schritt zum Einsatz von Augmented Reality: Ein Leitfaden für Unternehmen zur erfolgreichen Implementierung

Iris Feuchter

© Shutterstock / fullvector

Künstliche Intelligenz, Quantum Computing und nicht zuletzt Augmented Reality – wenn es nach Microsoft CEO Satya Nadella geht sind das die Technologien, welche unsere Welt in den nächsten Jahren am meisten beeinflussen werden. Wie auch Unternehmen davon profitieren können, erklärt Iris Feuchter in diesem Fachartikel.

Der Einsatz von Augmented Reality kommt zahlreichen Unternehmen nicht nur aufgrund der damit verbundenen Wettbewerbsfähigkeit zugute. Anwendungsbeispiele für Wartungs- und Reparaturarbeiten an Maschinen oder Schulungsprozesse von Mitarbeitern, Qualitätskontrollen, Prototypendarstellungen und viele mehr beweisen mittlerweile durch die damit verbundenen Zeit- und Kosteneinsparungen die ökonomische Nachhaltigkeit solcher Lösungen.

Wenn auch Sie überlegen, eine Augmented Reality Anwendung oder eine andere disruptive Technologie in Ihrem eigenen Unternehmen zu etablieren, gehören Sie derzeit noch zu den Vorreitern und sind sehr gut damit beraten. Denn wirft man einen Blick auf aktuelle Prognosen, so werden Unternehmen, die sich heutzutage nicht in irgendeiner Form mit der digitalen Transformation auseinandersetzen, in den nächsten Jahren Schwierigkeiten haben, ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber digital ausgerüsteten Unternehmen aufrecht zu erhalten – und zwar nicht nur, wenn es um den Innovationsgrad, sondern vor allem auch wenn es um ressourcenschonende und effizientere Arbeitsleistungen geht.

Wenn Sie ein besonderes Interesse daran haben, AR in Ihrem Unternehmen als mögliche Lösung zu etablieren, so soll Ihnen dieser Artikel als Leitfaden zur erfolgreichen Implementierung dienen.

 

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Der passende Use Case, das optimale Equipment

Um für das eigene Unternehmen den vielversprechendsten Use Case zu ermitteln, sollte man sich zuallererst die eigene Wertschöpfungskette anschauen und überlegen, an welchen Stellen das größte Verbesserungspotential herrscht. Folgende Fragen können bei der Suche nach Anwendungsmöglichkeiten helfen:

  • Gibt es spezielle Aufgaben, die zu hoher Fehleranfälligkeit neigen? (z.B. komplexe Arbeitsschritte)?
  • Fallen irgendwo zu hohe Kosten an, die sich durch die Optimierung von Arbeitsschritten vermeiden lassen könnten? (z.B. Standzeiten an Maschinen, unnötige Prototypenerstellungen etc.)?
  • Gibt es veraltete bzw. analoge Prozesse, die einen eindeutigen Digitalisierungsbedarf haben und sich besonders für AR eignen könnten?

Versuchen Sie bei dieser Ermittlung immer im Hinterkopf zu behalten, dass es für die Sinnhaftigkeit der AR-Applikation und für Ihr eigenes Unternehmen letzten Endes von großer Wichtigkeit ist, den Return on Investment (RoI) deutlich messen zu können.

Datenbrillen, Smartphones oder Tablets?

Eine AR-Lösung beinhaltet immer sowohl die richtige Software als auch die passende, zur Verfügung gestellte Hardware. Ob Ihre Wahl auf Smartphones bzw. Tablets oder doch auf eine spezifische 3D-Datenbrile fällt, ist von Bedeutung für den gesamten weiteren Verlauf. Im Idealfall kann Sie das AR-Unternehmen, mit dem Sie eine Kooperation planen, umfassend beraten. Als Faustregel können Sie aber zumindest schon einmal Folgendes berücksichtigen:

Müssen die Nutzer der geplanten Anwendung die entsprechende Arbeit mit ihren Händen ausführen (also etwas reparieren, warten, trainieren)? In diesem Fall wird eine AR-Brille die sinnvollere Wahl sein.

Bitte beachten Sie übrigens, dass ein Unterschied zwischen einer VR-Brille und einer AR-Brille besteht. Während eine VR-Brille auf einem vollständig immersiven Erlebnis basiert (was bedeutet, Sie können nur noch die visualisierte, digitale Umgebung, nicht aber Ihre tatsächliche Umwelt wahrnehmen), erlaubt eine AR-Brille das gewohnte Erfassen der realen Umgebung und blendet Ihnen zusätzlich holographische Inhalte in die echte Welt ein.

Geht es um das reine Zeigen von Daten, welche einfachen Informationszwecken zugrunde liegen? Dementsprechend würde wohl auch die Darstellung über Smartphones oder Tablets ausreichen.

Das richtige AR-Unternehmen – so lässt es sich finden

Sobald Sie eine oder mehrere Einsatzmöglichkeiten definiert haben, müssen Sie das AR-Unternehmen Ihres Vertrauens finden. Eine umfassende Internetrecherche kann hierbei als Starthilfe dienen. Ein optimaler Folgeschritt wäre, wenn Sie Messen oder andere Veranstaltungsformate besuchen, auf denen sich AR-Unternehmen und entsprechende Startups tummeln. Dort können Sie Anwendungen ausprobieren, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Fragen sie auch nach konkreter Erfahrung im Bereich Ihres gewünschten Use Cases. Einige Unternehmen bieten bereits entsprechende Produktlösungen an, testen Sie diese gegebenenfalls und definieren sie, welche Features für sie notwendig wären und welche Sie eventuell nicht benötigen würden.

Ressourcen & Erfahrung des Unternehmens

Definieren Sie, wie viel Zeit und Personen die von Ihnen verlangte Anwendung erfordern würde, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob eine Umsetzung mit dem Unternehmen realistisch ist. Ein Projekt kann sich je nach Aufwand über ein paar Wochen bis hin zu mehreren Monaten erstrecken. Je technologisch aufwändiger, desto länger und je länger, desto kostspieliger. Vergessen Sie nicht, bei ihren Kosten zu berücksichtigen, dass Sie zwei Kostenblöcke haben: die Hardware und die Software.

Haben Sie zum Beispiel festgestellt, dass Sie die Standzeiten an Maschinen durch einen digitalen Einlernprozess für Mitarbeiter minimieren könnten, sind sie vermutlich auf der Suche nach einer AR-Trainingsanwendung. In diesem Fall recherchieren bzw. erfragen Sie, ob das Unternehmen hier bereits Beispiele vorweisen kann, um deren Erfahrungswerte abzuchecken. Ein Blick auf die Auflistung der bisherigen Partner des AR-Unternehmens liefert übrigens oftmals auch ausschlaggebende Informationen über deren Erfahrung für Ihren Use Case.

Auf geht es!

Gemeinsam kann nun besprochen werden, wie AR die von Ihnen definierten Arbeitsprozesse optimieren kann. Man bespricht die Umsetzung eines ersten (vergüteten) Pilotprojektes, welches den Nutzen für Ihr Unternehmen feststellen soll. Im gemeinsamen Austausch erarbeiten Sie nun ein Storyboard, auf dessen Basis die Entwickler in weiterer Folge die entsprechende Applikation kreieren.

In einem solchen Proof of Concept (PoC) wird zum einen die Rentabilität und der Effektivitätsgewinn der AR-Anwendung für das Unternehmen, aber auch die Nutzerfreundlichkeit und die generelle Akzeptanz vonseiten der Mitarbeiter überprüft. Hierfür werden ein paar Ausgewählte mit der Technologie und der Applikation vertraut gemacht, welche diese nun regelmäßig über einen bestimmten Zeitraum testen sollen.

Ist ein erster PoC erfolgreich durchgeführt worden, so kann dieser auf ein größeres Projekt bzw. auch langfristiger gedacht, auf ein Produkt ausgerollt werden, welches mit einer größeren Anzahl an Nutzern in die nächste Phase geht. Das Ausrollen erfolgt nicht nur durch eine breitere Verwendung der Technologie innerhalb der Firma, sondern auch durch Rücksprache mit dem AR-Unternehmen über mögliche Optimierungen, zusätzliche Features, oder Aktualisierungen sowohl von Software- als auch von Hardwareseite.

Der Implementierungsgrad ist bei diesem Schritt dabei jedem Unternehmen selbst überlassen. Für eine großflächigere Nutzung im Arbeitsumfeld bieten sich an dieser Stelle jedoch die Einbindung auch anderer betroffener Abteilungen und Systeme an, wie etwa eine Vernetzung mit der hauseigenen IT-Infrastruktur oder auch Absprachen mit dem Betriebsrat an.

Geschrieben von
Iris Feuchter

Iris Feuchter ist im Wesentlichen für die Erstellung und Verbreitung der Inhalte des Augmented Reality Startups Holo-Light verantwortlich. Sie kümmert sich sowohl um die Teilnahmen an verschiedensten Projekten und Veranstaltungen im In- und Ausland, um Holo-Lights Überzeugungen zu verbreiten und tritt aufgrund ihrer langjährigen Bühnenerfahrung als Musikern oftmals auch als Vortragende auf.

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