AUDI, BMW und Daimler unter dem Dach der Eclipse Foundation vereint

Claudia Fröhling
©shutterstock.com/Ciprian Stremtan

Die drei großen deutschen Automobilhersteller AUDI, BMW und Daimler haben gemeinsam die Eclipse openMDM Working Group gegründet. Ziel ist es, die Entwicklung und Verbreitung von Open-Source-Tools für das Messdatenmanagement voranzutreiben. Neben den Autoriesen haben sich auch Softwareunternehmen der neuen Working Group angeschlossen, unter anderem die Canoo Engineering AG. Die Rechte am Namen „openMDM“ trägt derzeit die AUDI AG, die bereits vor der Gründung der IWG an dieser Idee gearbeitet hatte.

Fülle an Messdaten

Bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge entsteht bei obligatorischen Tests eine Fülle von Daten, die sehr vielfältig sind und von mehreren Partnern innerhalb eines Entwicklungszyklus genutzt werden. Um diese Daten herstellerunabhängig zu dokumentieren, existiert der Standard Open Data Service (ODS) der Association for Standardisation and Measuring Systems (ASAM).

Anforderungen kanalisieren

Bislang hatten Fahrzeughersteller eher lose an ASAM-ODS-basierten Lösungen gearbeitet – dies soll nun mit der Gründung der openMDM Eclipse Working Group intensiviert und in einen neuen organisatorischen Rahmen gesetzt werden. In der Pressemitteilung heißt es weiter:

Die openMDM® Working Group sorgt dafür, dass die vielfältigen Anforderungen an openMDM® besser kanalisiert und Eclipse Open Source Projekte für die Neu- und Weiterentwicklung sowie Pflege der openMDM® Softwarekomponenten initiiert, geplant und gemeinsam finanziert werden.“

Web Client in Arbeit

Neben Open-Source-Werkzeugen soll die Eclipse Working Group auch Zertifizierungstests und Testdaten hervorbringen. Für das erste Projekt der IWG gibt es bereits ein Proposal: MDM@WEB soll einen Web Client für die Arbeit mit den Messdaten bereitstellen. Der Client soll neben einem graphischen User Interface für das komfortable Durchsuchen verfügbarer Daten auch eine Anbindung an ASAM-ODS-konforme Server und die Möglichkeit zum Export der Daten bieten. Zu den Komponenten gehören unter anderem:

  • Navigator
  • Suche (Metadaten und Volltext)
  • Reporting
  • Administration
  • Data Sharing
  • Export

Ein klares Ja zu Open Source und Eclipse

Für Mike Milinkovic ist die neue Working Group ein wichtiger Meilenstein: Wenn drei der größten und erfolgreichsten Autohersteller eine Open-Source-Community bei Eclipse gründen wollen, ist das ein großer Vertrauensbeweis für Open Source an sich und die Eclipse-Community im Speziellen, schreibt er in seinem Blog. Er sieht die Gründung der openMDM IWG auch als Bestätigung einiger Trends in der Tech-Industrie:

  • Open Innovation: Es zeige sich, so Mike, dass immer mehr Industrien erkennen, dass Open Source der beste Weg ist, um Innovation voranzutreiben. Besonders das Modell der Eclipse Working Group treffe hier einen Nerv, mit dem richtigen Level an Governance, Prozess, Infrastruktur und Community Development.
  • Offene Standards und Open Source passen zusammen: Für Unternehmen wie AUDI, BMW und Daimler mache es weniger Sinn, aufbauend auf dem ASAM-ODS-Standard eine eigene, proprietäre Lösung zu entwickeln. Die Zusammenarbeit in der Open-Source-Community werde bessere Werkzeuge hervorbringen, als jedes Unternehmen alleine entwickeln könnte, so Milinkovic weiter.
  • Anbieter-Unabhängigkeit als Schlüssel: Eine Community um eine einzige Firma herum sei in seiner Verbreitung immer beschränkt, weiß Milinkovic. Auch Eclipse hatte anfangs wegen der Übermacht von IBM Schwierigkeiten, das Vertrauen anderer Unternehmen wie Oracle oder SAP zu gewinnen. Milinkovic sieht hier Parallelen zu openMDM, das ursprünglich bei AUDI entstand und jetzt Hersteller-neutral ist.

Und so schließt er mit der Überzeugung:

One of the key reasons we created the Eclipse Working Groups was so other industries and communities could create their own vendor-neutral “foundations” at Eclipse. We like to think of working groups as being “foundations in a box”.“

Automotive, die Zweite

Es ist nicht das erste Mal, dass die Eclipse Foundation bei der Standardisierung im Automotive-Bereich unterstützen kann: es existiert bereits seit einiger Zeit die Automotive Industry Working Group (Auto IWG), die sich für standardisierte Entwicklungswerkzeuge in der Autoindustrie einsetzt.

In der Auto IWG sitzt mit BMW bislang nur ein Fahrzeughersteller, daneben sind aber auch andere Unternehmen wie Continental, Robert Bosch GmbH und itemis vertreten. IWG Chair Andreas Graf hat erst kürzlich im Eclipse Magazin 4.2014 die Arbeit in diesem Bereich vorgestellt – eine absolute Leseempfehlung.

Aufmacherbild: abstract car von Shutterstock / Urheberrecht: Ciprian Stremtan

Geschrieben von
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling hat in verschiedenen Redaktionen als TV- und Onlineredakteurin gearbeitet, bevor sie 2008 zur Software & Support Media GmbH kam und sich bis 2014 um alle Projekte des Verlages im Ressort Java kümmerte. Claudia hat einen Abschluss in Politikwissenschaften und Multimedia Producing. Ihr Google+ Profil findest du hier.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: