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Sind die fetten Jahre für IT-Profis vorbei?

IT-Arbeitsmarkt und Gehalt: Die Trends 2017

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock / solar22

Sind die rosigen Zeiten in Sachen Gehaltsentwicklung in der IT vorbei oder lässt der Fachkräftemangel die Gehälter in die Höhe schnellen? Sind deutsche Entwickler zu Recht unzufrieden mit ihrem Einkommen? Wir haben den IT-Arbeitsmarkt und die Gehaltsentwicklung genau unter die Lupe genommen.

Der Dice Job Market Report 2017 legt die Vermutung nahe, dass der Gehaltstrend in der IT-Branche abflacht. Die Quote der festangestellten Entwickler, die im Rahmen der Studie von einer Gehaltserhöhung oder tollen Zusatzleistungen berichteten, ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Die Prognose des Reports für die IT-Gehaltsentwicklung fallt darum nicht mehr so rosig aus wie bislang; die fetten Jahre könnten vorbei sein, befürchteten die Macher des Dice-Reports. Diese Annahme ist jedoch durchaus streitbar, wie wir bereits festgestellt haben.

IT-Arbeitsmarkt: 21.000 neue Stellen 2017

Dem gegenüber stehen nämlich unter anderem die wiederholten Berichte des Branchenverbands Bitkom über immer mehr neu entstehende Stellen in der ITK-Branche. So seien Ende 2016 51.000 Stellen in der ITK-Branche unbesetzt gewesen; Anfang März dieses Jahres veröffentlichte der Verband eine Prognose, laut der 2017 weitere 21.000  neue Stellen entstehen sollen. Parallel dazu benennt der Bitkom den wachsenden Fachkräftemangel als Herausforderung für die Branche. Der Bedarf an qualifizierten Angestellten wachse schneller als neue Fachkräfte ausgebildet werden, sagt der Branchenverband.

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Der Fachkräftemangel ist allerdings nicht in allen Teilen der Branche gleich groß ausgeprägt und ebenfalls durchaus umstritten. Zwar besagt auch ein Report der Bundesagentur für Arbeit [PDF] aus dem April 2017, dass die Nachfrage nach IT-Profis auf einem Höchststand sei und Unternehmen punktuell Schwierigkeiten mit der Besetzung von Stellen haben – diese Problematik sieht die Bundesagentur aber primär auf den Gebieten der Softwareentwicklung und der IT-Anwendungsberatung gegeben.

Mangel an Software-Entwicklern

Außerdem benennt die Bundesagentur für Arbeit eine Zahl von 13.500 dort gemeldeten Stellenangeboten im Jahresdurchschnitt und somit einen deutlich geringeren Bedarf als durch den Bitkom festgestellt. Es ist jedoch anzunehmen, dass nicht alle Stellen bei den Arbeitsagenturen gemeldet werden, sondern dort nur die Stellen erfasst werden, die die Unternehmen nicht problemlos selbst besetzen können. Ist das Problem also gar nicht so groß?

Im Gehaltsreport 2017 des Personaldienstleistungsunternehmens Robert Half gaben jedoch 76 Prozent der 200 befragten CTOs und CIOs an, dass sie sich darum sorgen, ihre Mitarbeiter an die Konkurrenz zu verlieren; noch höher lag die Zahl derjenigen, die äußerten, Schwierigkeiten bei der Akquise neuer Mitarbeiter zu haben. Dieses Problem scheint also durchaus verbreitet zu sein und bildet sich anteilig dann auch im Report der Bundesagentur für Arbeit ab. Stellen für IT-Experten bleiben überdurchschnittlich lange unbesetzt, wenn sie erst einmal bei den Arbeitsagenturen ausgeschrieben wurden. Die Vakanzzeit einer Stelle für IT-Experten in der Datenbank der Arbeitsagenturen lag im vergangenen Jahr bei 115 Tagen. Und das berücksichtigt nur den Zeitraum zwischen geplanter Besetzung und Streichung der Stelle aus der Datenbank, also nicht den gesamten Ausschreibungszeitraum.

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Kein Fachkräftemangel in Berlin

Die hohe Nachfrage zeigte sich vor allem bei Software-Entwicklern mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium von mindestens vier Jahren. Die Vakanzzeit von Stellen lag hier bei 123 Tagen; die Arbeitslosenquote bei nur drei Prozent. Dies entspräche einer Vollbeschäftigung, wie die Bundesagentur für Arbeit angibt. Das treffe aber nicht auf alle IT-Berufe und vor allem nicht auf alle Regionen zu. So zeigten sich in Berlin keinerlei Anzeichen für einen Fachkräftemangel, während in Rheinland-Pfalz auch ein Mangel an IT-Fachkräften mit beruflicher Ausbildung festgestellt werden konnte und nicht nur Experten mit Informatikstudium fehlten.

Die Daten des Reports der Bundesagentur für Arbeit beziehen sich auf das Jahr 2016; dass der dort abgebildete Trend in Sachen Nachfrage sich fortsetzt, bestätigt eine neue Auswertung des Recruiting-Portals Hays. Im 1. Quartal 2017 erreichte der Suchindex hier seinen Höchststand seit Beginn der Auswertung im Jahr 2011; auch zeigt sich, dass die Nachfrage nach IT-Fachkräften in unterschiedlichen Branchen immer weiter wächst. Neben der IT-Branche als Kerngeschäftsfeld für entsprechende Fachkräfte berichtet Hays von einem besonders großen Anstieg der Nachfrage in der Industrie: Maschinen- und Autobau haben derzeit einen hohen Bedarf an IT-Fachkräften. Auch im Handel wächst der Bedarf.

Nachfrage nach IT-Fachkräften nach Branchen. Quelle: Hays Fachkräfte Index (https://www.hays.de/personaldienstleistung-aktuell/fachkraefte-index-information-technology)

Gehälter in der IT: mehr Jobs, mehr Geld?

Was bedeutet diese Arbeitsmarktentwicklung nun aber für den Gehaltstrend in der Branche? Wie bereits eingangs erwähnt gibt es zu dieser Frage sehr unterschiedliche Sichtweisen innerhalb der Szene: Entwickler, die sich als unterbezahlt empfinden im Stack Overflow Developer Survey; Pessimismus bei Dice und Optimismus bei Robert Half stehen sich gegenüber. Wenn man isoliert betrachtet, dass die Studie aus dem Hause Robert Half PHP-Entwicklern ein Gehaltsplus von bis zu 7,5 Prozent in Vergleich zum Vorjahr bescheinigt, scheint die Gehaltsentwicklung aber ja durchaus mehr als positiv zu sein! Wo liegt also das Problem?

Tatsächlich stieg das durchschnittliche Gehalt keineswegs für alle IT-Berufe so stark. Mit einem Gehaltsplus von 3,3 Prozent kamen auch Entwickler im Bereich der mobilen Apps gut weg; Java-Entwickler bekamen 4,4 Prozent mehr. Web-Designer lagen hingegen mit einem Gehaltsplus von 2,3 Prozent nur im bundesweiten Durchschnitt, wie anhand von Zahlen des statistischen Bundesamts für das Jahr 2016 nachvollziehbar ist.

Gehalt und Berufserfahrung

Insgesamt zeigt sich allerdings, dass die Gehaltsanalyse von Robert Half deutlich höhere Werte für die IT-Branche ansetzt als die Auswertung von Stack Overflow für Deutschland, in der sich viele der Befragten für unterbezahlt hielten. So sind die Berufsgruppen-Bezeichnungen zwar nicht durchgehend vergleichbar; auch fehlt im Stack Overflow Survey die Gewichtung nach Berufserfahrung. Im direkten Vergleich lag das durchschnittliche Gehalt für Designer im Stack Overflow Survey aber bei nur 39.019 Euro im Jahr, während der Gehaltsreport 2017 von Robert Half ein Einstiegsjahresgehalt für Web-Designer von 40.500 bis 48.750 Euro ansetzt. Mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung findet sich hier sogar die Angabe eines durchschnittlichen Einkommens von mehr als 63.250 Euro.

Bei Mobile-App-Entwicklern geht die Gehaltsspanne im Gehaltsreport 2017 von Robert Half bei 40.500 bis 49.000 Euro für Berufseinsteiger los und endet bei mehr als 66.750 Euro für Entwickler mit mehr als zehn Jahren Erfahrung. Im Stack Overflow Survey ergab sich ein Durchschnitt von 45.162 Euro. Die Sieger in Sachen Gehaltszuwachs, PHP-Entwickler, finden sich insgesamt gesehen zwar eher am unteren Ende der Gehaltspyramide, sowohl bei Stack Overflow als auch im Gehaltsreport. Dennoch zeigt sich auch hier, dass Stack Overflow eher das erfasst, was im Gehaltsreport als Einstiegsgehalt durchgeht. Durchschnittlich 40.581 Euro soll ein deutscher PHP-Entwickler laut Stack Overflow Survey verdienen; dem gegenüber stehen 38.500 bis 46.000 Euro in den ersten Berufsjahren und ein Maximum von 64.000 Euro laut Robert Half.

Regionale Unterschiede

Eine Auswertung des Jobportals StepStone gibt hingegen ein Durchschnittsgehalt für IT-Fachkräfte über alle Berufe hinweg von 62.390 Euro an. Das höchste Durchschnittsgehalt kann mit 68.184 Euro laut dieser Erhebung in Hessen erzielt werden; das geringste durchschnittliche Einkommen erzielen IT-Profis in Sachsen-Anhalt mit 41.284 Euro. Außerdem kommt es auf die Unternehmensgröße an: In Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sollen ITler mit durchschnittlich 70.407 Euro rechnen können, so sagt der StepStone-Report. Am besten zahlt außerdem der Bankensektor: der Durchschnitt liegt hier bei 73.434 Euro im Jahr.

Regionaler Gehaltsdurchschnitt in Deutschland. (Quelle: http://www.stepstone.de/Karriere-Bewerbungstipps/stepstone-gehaltsreport-2017.cfm)

Einen großen Unterschied macht allerdings die Ausbildung eines IT-Profis, wie nicht nur der Report der Bundesagentur für Arbeit nahelegt und einen Fachkräftemangel vor allem bei studierten Informatikern gegeben sieht. Auch die Studie von StepStone zeigt einen gewaltigen Unterschied in Sachen Einkommen, den weder Stack Overflow noch Robert Half berücksichtigen.

Die Qualifikation entscheidet

So bekommt ein Software-Entwickler mit maximal zwei Jahren Berufserfahrung laut StepStone-Studie 46.533 Euro pro Jahr, wenn er studiert hat. Nach einer Berufsausbildung sind es hingegen nur 32.952 Euro. Dieser Unterschied bleibt recht stabil bestehen. Für Software-Entwickler mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung gibt die Studie ein Einkommen von durchschnittlich 73.143 Euro für studierte Informatiker an, während die Kollegen mit Berufsausbildung 59.754 Euro bekommen. Der Gehaltsreport von Robert Half gibt nur für Java-Entwickler, Software-Architekten und Software-Ingenieure ein ähnlich hohes Maximalgehalt an, wie es hier für studierte Informatiker unabhängig von der gewählten Programmiersprache angesetzt wird.

Insgesamt gibt die StepStone-Studie an, dass Akademiker im Schnitt 37 Prozent mehr verdienen als Fach- und Führungskräfte ohne solchen Abschluss; dieser Wert wurde über alle Fachgebiete hinweg ermittelt. Außerdem liege das Durchschnittsgehalt von Fach- und Führungskräften insgesamt bei 57.150 Euro pro Jahr; an der Spitze stehen aber immer noch die Mediziner mit 79.538€ durchschnittlichem Jahresgehalt. IT-Fachkräfte finden sich also in Abhängigkeit von Ausbildung, Spezialisierung, Ort und Berufserfahrung irgendwo im Mittelfeld in Sachen Einkommen.

Gute Aussichten für IT-Profis!

Zusammenfassend zeigen die Zahlreichen Studien zur Gehalts- und Arbeitsmarktsituation in der IT in Deutschland eine durchaus positive Entwicklung. Zwar können manche Berufszweige nur einen durchschnittlichen Gehaltszuwachs verbuchen; das Gesamtgehalt liegt aber doch meist über dem Durchschnitt und die berufliche Zukunftsperspektive ist gut. Immerhin hat sich der IT-Sektor in den vergangenen Jahren deutlich über die klassischen Grenzen der IT hinaus ausgebreitet; das spricht dafür, dass Einkommen und Arbeitsmarkt für IT-Profis sich weiterhin positiv entwickeln werden.

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Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
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