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Aristides Villarreal Bravo, Zoran Sevarac und David Heffelfinger kommentieren die aktuelle Lage von NetBeans

Umzug zu Apache: „NetBeans ist immer die erste IDE, die neue Java-Features unterstützt“

Redaktion JAXenter

©Shutterstock.com / Filipe Frazao

NetBeans wird aller Wahrscheinlichkeit nach umziehen und scheint bei der Apache Foundation ein neues Zuhause gefunden zu haben. In den Reihen der Community wird derzeit wild darüber spekuliert, ob NetBeans nun das gleiche Schicksal wie OpenOffice oder Hudson droht. Die Mitglieder des NetBeans Dream Teams schätzen im Gespräch mit uns die Lage ein.

JAXenter: Was haltet Ihr von Oracles Entscheidung, NetBeans der Apache Foundation zu übergeben? War es eine gute Idee? Ein notwendiger Schritt?

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Aristides Villarreal Bravo: Ich denke es war eine kluge Entscheidung. In der letzten Zeit wurden die Stimmen von Programmierern und Unternehmen immer lauter, die sich eine Weiterentwicklung der IDE wünschten. Es lag außerhalb der Möglichkeiten von Oracle, die Community enger in diesen Prozess einzubinden und die Angst war groß, dass Oracle seine Arbeit an NetBeans komplett einstellen würde. Aber deren Entscheidung zeigt, dass sie durchaus ein Interesse daran haben, die Entwicklung von NetBeans voranzutreiben – von nun an liegt diese Aufgabe in den Händen der Community. Oracle hat in meinen Augen die richtige Wahl getroffen: Das Involvieren der Apache Foundation sorgt für mehr Vertrauen und dadurch wird die Hingabe zur Community verdeutlicht.

Dieser Schritt war zu diesem Zeitpunkt sehr wichtig. Der nächste wird sein müssen, sicherzustellen, dass die Qualität des Produktes nicht darunter leidet und dass das Projekt in den nächsten Jahren gut vorankommen wird. Viele Fragen zur Kontinuität der Weiterentwicklung sind wegen der neuen Faktoren noch unbeantwortet, aber mit der Zeit werden auch die letzten Zweifel verschwinden. Das Wichtigste ist es, die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme durch die Community, Unternehmen und Institutionen zu erschaffen, um den Status von NetBeans als eine der besten IDEs zu erhalten.

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Zoran Sevarac: Es ist einfach großartig und eröffnet für NetBeans ganz neue Möglichkeiten. Viele in der Community freuen sich über diesen Schritt und erkennen ihn als besten und logischsten Weg an, um die Entwicklung der IDE voranzutreiben.
 

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David Heffelfinger: Zuerst war ich ein wenig skeptisch über die Entscheidung, aber nachdem ich mir das Feedback von Oracle- und NetBeans-Entwicklern sowie meiner Kollegen vom NetBeans Dream Team angehört habe, finde ich die Idee nun gar nicht mehr so schlecht. Das Problem ist einfach, dass Entwickler aus der Open-Source-Szene ungern an Open-Source-Projekten mitarbeiten, die einem Unternehmen gehören. Sie haben Angst, dass ihre Arbeit einfach genutzt wird, ohne einen Mehrnutzen für die Community. Der Umzug von Oracle zur Apache Foundation, einer Nonprofit-Organisation, wird diesen Entwicklern dabei helfen, sich von diesen Hemmfaktoren frei zu machen und an NetBeans mitzuarbeiten.

Lesen Sie auch: Apache NetBeans am Scheideweg: Ab aufs Abstellgleis?

JAXenter: Wie sollte NetBeans eurer Meinung nach als Teil des Apache-Universums voranschreiten?

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Aristides Villarreal Bravo: Wie es mit NetBeans nun bei der Apache Foundation weitergeht, ist vor allem vom Vertrauen zwischen den Entwicklern abhängig, daher war der erste Schritt von Oracle wichtig und richtig. Ich kann mich daran erinnern, mit Bruno Souza gesprochen zu haben, als Sun Microsystems von Oracle gekauft wurde. Schon damals waren wir der Meinung, dass NetBeans offener und womöglich ganz außerhalb der Kontrolle von Oracle sein müsste. Die Apache Foundation ist in jedem Fall die beste Alternative. Für den Moment hat die Ankündigung, dass NetBeans im Inkubator von Apache ist, für großes Interesse gesorgt und bald wird es ein vollwertiges Projekt im Apache-Universum werden. Ich erwarte, dass viele Organisationen daran mitarbeiten werden, die dies nie getan hätten, wäre NetBeans bei Oracle geblieben.

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Zoran Sevarac: Die NetBeans IDE könnte sich eventuell als Plattform für spezifische Anwendungsbereiche etablieren, etwa in der Bildung, der Wissenschaft, Simulation und dem Monitoring. Sie könnte allerdings auch als Werkzeug für andere Apache-Projekte dienen.
 

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David Heffelfinger: NetBeans war schon immer die erste IDE, die neue Java- bzw. Java-EE-Features unterstützt hat, in dem Aspekt kann ihr keiner das Wasser reichen. Da Java und Java EE allerdings Standards sind und sich dementsprechen langsam entwickeln, findet die meiste Innovation normalerweise in unabhängigen, externen Bibliotheken statt (bspw. das JPA, welches aus Hibernate und anderem ORM-Bibliotheken hervorging oder JBoss Seam, das die Basis für CDI war, etc.). Viele dieser externen Bibliotheken sind Apache-Projekte und daher hoffe ich, dass NetBeans in naher Zukunft erstklassige Unterstützung für eine große Bandbreite von Apache-Java-Bibliotheken bieten wird. Ich würde mich außerdem über eine verbesserte Unterstützung für die dynamische JVM-Sprache Groovy freuen, was – wie es der Zufall will – ebenfalls ein Apache-Projekt ist.

Lesen Sie auch: Oracle will NetBeans an Apache übergeben

JAXenter: Es gab Fälle, in denen Unternehmen Projekte an Foundations gespendet haben, weil sie im Grunde nicht mehr wirklich in sie investieren wollten – man siehe nur OpenOffice und Hudson. Ist dies nun auch bei NetBeans der Fall?

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Aristides Villarreal Bravo: Da Oracle NetBeans in einigen großen Projekten einsetzt und es viele wertvolle Beispiele für Projekte gibt, die mit dieser IDE erstellt wurden, ist das Ganze hier ein wenig anders. Durch Oracles Entscheidung, Entwickler weiterhin für das Projekt von offizieller Seite aus abzustellen, um bei Apache ihre Arbeit an NetBeans fortzusetzen, zeigt, dass ein Interesse an NetBeans nach wie vor vorhanden ist. Zudem gab es bei OpenOffice oder Hudson vorher schon Forks, die aus der Angst heraus entstanden sind, die gemachten Verbesserungen nicht bei den offiziellen Projekten von Oracle anbringen zu können. NetBeans kann sich meiner Meinung nach auf die Unterstützung von Oracle verlassen und Unternehmen sowie Communities können nun dynamischer an dem Projekt mitarbeiten.

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Zoran Sevarac: Auch wenn der Vergleich verständlicherweise naheliegt, glaube ich nicht, dass dies hier der Fall ist. Wie in manchen Mailing-Listen bereits festgestellt wurde, ist der Unterschied, dass OpenOffice und Hudson vor dem Umzug zu Apache bereits geforked wurden. Der Umzug von NetBeans hingegen wird von der Community unterstützt und wurde vielleicht sogar bis zu einem gewissen Grad von ihr initiiert.
 

david_heffelfinger

David Heffelfinger: Alles spricht derzeit dafür, dass Oracle plant, auch weiterhin in NetBeans zu investieren. Sie stellen etwa bezahlte Mitarbeiter ab, die ihre Arbeit an NetBeans fortführen werden. NetBeans wird außerdem als Basis für das Oracle Developer Studio verwendet, weshalb man davon ausgehen kann, dass Oracle auch weiterhin ein Interesse an der Verbesserung und Weiterentwicklung der IDE haben wird. Auch innerhalb des Entwickler-Teams von Oracle wurde die Unterstützung für die Entscheidung, NetBeans zu einem Apache-Projekt zu machen, bekräftigt. All dies sind gute Gründe, warum ich auch an zukünftige Investments Seitens Oracle in NetBeans glaube.

David Heffelfinger ist unabhängiger Consultant und hat sich auf Java, Java EE und J2EE spezialisiert. Er ist Autor diverser Bücher über Java und damit verwandte Themen, wie „Java EE 6 Development with NetBeans 7“ und „Java EE 6 with GlassFish 3 Application Server“. Er hat über 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Software-Architektur, -Design und -Entwicklung. David ist einer von TechBeacons „39 Java-Experten, denen man auf Twitter folgen sollte“.

 

Zoran Sevarac ist assistierender Professor im Fachbereich für Software-Engineering der Faculty of Organisational Sciences an der Universität in Belgrad. Sein Hauptinteresse gilt dem Software-Engineering und der Künstlichen Intelligenz. Zoran ist Gründer und Chef-Entwickler des bekannten Open-Source-Java-Frameworks Neuroph, Mitglied des JavaChampions-Programms und Mitglied des NetBeans Dream Teams.

 

Aristides Villarreal Bravo ist langjähriger Java-Entwickler und NetBeans-Nutzer. Er ist zudem Mitglied des NetBeans Dream Teams.

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Kommentare
  1. Statistik2016-09-16 09:37:27

    Die Statistiken zeigen eher in Richtung Keller https://www.openhub.net/p/netbeans

  2. kunststoffverarbeitungsmaschinen engel2016-10-05 15:50:01

    Ich sofort ergreifen RSS Feed wie ich kann nicht zu finden Ihre E-Mail Hyperlink oder E-Newsletter Service. Sie Sie haben haupt? Bitte Bitte erlauben lassen mich erkennen, damit Ich kann nur abonnieren. Danke.

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