Anwendungsmodernisierung: Können Sie es sich leisten zu warten?

Historische Hintergründe

Bevor wir näher auf den Prozess der Anwendungsmodernisierung eingehen, lassen Sie uns einen kurzen Blick auf die historische Entwicklung von Unternehmensanwendungen werfen. Sowohl unternehmensintern als auch von Drittanbietern entwickelte Anwendungen wurden zunächst gezielt für spezifische Geschäftsaufgaben wie die Finanzabstimmung, das Lieferkettenmanagement (Supply Chain Management, SCM) oder das Kundenbeziehungsmanagement (Customer Relationship Management, CRM) in die Infrastruktur aufgenommen.

Damals war noch nicht ohne weiteres vorhersehbar, dass sich die Notwendigkeit eines Cross-Referencings dieser Datenquellen sowohl zu einem wichtigen wettbewerbstechnischen Alleinstellungsmerkmal als auch zu einem Schutzmechanismus vor potenziellem Betrug entwickeln würde. Außerdem mussten Änderungen an unternehmensweit eingeführten Anwendungen einzeln vorgenommen werden. So musste beispielsweise im Falle neuer, auf interne oder externe Einflüsse (zum Beispiel staatliche Auflagen) zurückzuführender Geschäftsregeln derselbe Änderungsvorgang je nach Anzahl der Anwender, die auf die umprogrammierte Anwendung zugriffen, hunderte wenn nicht sogar tausende Male durchgeführt werden. Nicht selten kam es vor, dass sich das IT-Personal tage- oder sogar wochenlang ausschließlich den mit einer Anwendungsänderung verbundenen taktischen Elementen widmen musste.

Aufwendige Integration

Diese proprietären Anwendungen in die Lage zu versetzen, zur Lösung der oben beschriebenen Problematik miteinander zu „kommunizieren“, erforderte zeit- und kostenaufwändige Integrationsbemühungen. Selbst als Mitte der 90er Jahre das Thema Integration von Unternehmensanwendungen (Enterprise Application Integration, EAI) die Diskussion bestimmte, hatten die Unternehmen noch keine konkrete Vorstellung, wie sich die Anwendungen gegenseitig umfassend ergänzen könnten.

Dieser Mangel an Verständnis lässt sich größtenteils auf die vielen kleineren Korrekturen zurückführen, die im Laufe der Jahre an den bestehenden Anwendungen vorgenommen wurden, um auf systemische Änderungen oder einmalige Anforderungen zu reagieren. Nur wenige Unternehmen dokumentierten dabei die Gründe für das Re-Coding sowie den jeweiligen Verlauf. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Teile des Anwendungscodes wahrscheinlich fehlerhaft sind.

Mit Einführung offener Standards und dank der kontinuierlichen Impulse des „Open Source“-Konzepts wurden die Vorteile der Anwendungsintegration immer deutlicher. Diese Entwicklung wurde außerdem durch das Internet gefördert, das eine völlig neue Art des Supports für Unternehmensanwendungen und deren Ausdehnung auf das Web einführte, so dass sowohl an verschiedenen Standorten arbeitende Teams als auch Kunden und Partner einfacher kommunizieren und Geschäftstransaktionen durchführen konnten. Seit Einführung des Enterprise Web 2.0 gehen Unternehmen zu dynamischeren Kommunikationsformen über, sind sich dabei jedoch auch bewusst, dass sie weiterhin auf die bestehenden Anwendungen, mit denen sie ihre Geschäftstätigkeiten abwickeln, angewiesen sind.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.