Anwendungen aus der Entwicklung in den IT-Betrieb überführen

ORGANISATORISCHE GESTALTUNG DER KOORDINATION

Einige wichtige Fragen der organisatorischen Ausgestaltung werden von ITIL jedoch nicht beantwortet: Wer stellt die Akzeptanzkriterien auf, die die funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen enthalten? Wie und wann wird die Einhaltung der Kriterien überprüft? Wie wird mit Abweichungen umgegangen?

Dies ist vor allem mit Blick auf die Probleme mit nichtfunktionalen Anforderungen kritisch: Wenn nichtfunktionale Anforderungen vage formuliert und schwierig zu testen sind, dann kann nicht erwartet werden, dass die entsprechende Überprüfung problemlos bestanden wird. Nur in stabilen und überschaubaren Betriebsumgebungen wird es ausreichen, am Ende des Entwicklungsprozesses einmalig eine Prüfung der Akzeptanzkriterien vorzunehmen.

In komplexen Umgebungen ist jedoch früher im Entwicklungsprozess dafür zu sorgen, dass alle nichtfunktionalen Anforderungen des Betriebs detailliert und vollständig an die Entwicklung herangetragen und klar und unmissverständlich in die Pflichtenhefte der Projekte eingebracht werden. Daher sind mehrere Zwischenprüfungen vorzusehen, um frühe Signale bezüglich der nichtfunktionalen Anforderungen aufzunehmen. Je früher die bestehenden Interpretationsfreiräume und Unstimmigkeiten zwischen Entwicklung und Betrieb bezüglich nichtfunktionaler Anforderungen aufgedeckt werden, umso eher kann Abhilfe geschaffen werden.

Daher ist ein Koordinationsprozess zwischen Entwicklung und Betrieb zu etablieren, mit dem frühzeitig und regelmäßig die Entwicklungsstände auf Einhaltung der nichtfunktionalen Anforderungen geprüft werden. Diese Prüfungen gäben auch Gelegenheit, das Änderungsmanagement in Entwicklungsprojekten mit dem Change Management des Betriebs zu verknüpfen, um notwendige Anpassungen früh zu entdecken. Als Koordinationsmechanismus zwischen Entwicklung und Betrieb werden hierzu Quality Gates vorgeschlagen.

QUALITY GATES ZUR KOORDINATION ZWISCHEN ENTWICKLUNG UND IT-BETRIEB

Unter der Bezeichnung Quality Gates wird im Innovationsmanagement ein Ablaufmodell eingesetzt, das die Zusammenarbeit verschiedener Beteiligter an komplexen Prozessen wie beim Management von Produktinnovationen, bei Produktanläufen sowie bei der Entwicklung komplexer Maschinensteuerungen regelt.

Quality Gates basieren auf der Annahme, eine hohe Qualität des neuen Produkts sei nur mit einer hohen Prozessqualität bei der Entwicklung zu erreichen. Daher wird eine dezidierte Prozesslenkung eingesetzt, um die Abstimmung und Synchronisation verschiedener Disziplinen mit einem relativ strengen Ablaufmodell durchzusetzen. So sollen Fehler und Unklarheiten frühzeitig erkannt und behoben werden können. Die Abstimmung zwischen den Beteiligten wird zeitlich getaktet, indem zu festgelegten Zeitpunkten der Entwicklungsstand und die Erfolgschancen der Fortentwicklung von allen Beteiligten klar und unmissverständlich beurteilt werden.

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