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Android 9 ist da – Machine Learning spielt bei Android Pie eine zentrale Rolle

Katharina Degenmann

© Shutterstock / Agave Studio

Nach monatelangem Warten, tausenden Bugs und zahlreichen Feature Requests ist es endlich soweit: Android 9 Pie ist fertig. Seinen zuckersüßen Namen verdankt die neueste Android-Version dem besten Freund des Kaffees, nämlich dem Kuchen. Auch technisch wurde die Smartphone-Nutzung durch neue Consumer-Funktionen und ein auf Machine Learning basierendes Feature für die Priorisierung von Systemressourcen versüßt. Wir haben uns angesehen, was Android 9 Pie für Entwickler bereithält.

Android Pie ist nun also endlich fertig und verwendet Künstliche Intelligenz als wichtige Zutat. Vor allem durch die Möglichkeiten des maschinellen Lernens möchte man mit Android 9 das Smartphone einfacher und intelligenter machen sowie besser auf den individuellen User zuschneiden.

Android 9.0: Machine Learning im Fokus

Neural Networks 1.1

Für Entwickler beinhaltet das Update etliche Wege, ihre Apps zu verbessern. Unter anderem stehen Entwicklern neue und verbesserte APIs zur Verfügung, etwa das Neural Networks API, das nun in Version 1.1 Teil von Android 9 ist. Neun neue Operationen sind damit möglich: Pad, BatchToSpaceND, SpaceToBatchND, Transpose, Strided Slice, Mean, Div, Sub und Squeeze.

Adaptive Battery

Manche der mit Android 9 (API Level 28) eingeführten neuen Features sind allerdings für Nutzer und Entwickler gleichermaßen interessant. So auch die Adaptive Battery alias der „intelligente Akku“. Adaptive Battery ist eine neu entwickelte Funktion, bei der Machine Learning genutzt wird, um die Akkulaufzeit durch automatische Priorisierung der Systemressourcen für Apps zu verlängern. Das Gerät erkennt nach einiger Zeit, welche Apps vom Benutzer am häufigsten genutzt werden und passt die Vergabe von Systemressourcen daran an. Wenn die jeweilige App für die Funktionen Doze, App Standby und Background Limits optimiert ist, sollte Adaptive Battery sofort einsatzbereit sein.

Slices

Auch Slices kommen allen Nutzern zugute. Dies sind UI Templates, die reichhaltige, dynamische und interaktive Inhalte aus den eigenen Anwendungen in der Google Search App und später auch an anderen Stellen, wie dem Google Assistant anzeigen können. Relevante Informationen aus Apps werden automatisch herausgesucht und die Interaktion auch außerhalb der Vollbild-Anzeige wird ermöglicht. So sollen Nutzer Aufgaben schneller durchführen können. In den Genuss von Slices können allerdings nicht nur Nutzer von Android Pie kommen: Durch die Implementierung in Android Jetpack werden Slices bis zurück zu Android 4.4 unterstützt, sodass etwa 95 Prozent der Android-Nutzer von ihnen profitieren können.

App Actions

Die App Actions sollen dabei helfen, die Aktionen des Nutzers zeitlich zu optimieren. Auch hierfür bedient sich Android Pie der Künstlichen Intelligenz. Kontextabhängig soll die „Action“ automatisch erfassen können, was der Nutzer als nächstes tun möchte, und zeigt die entsprechende App dafür auf dem Display an.

TextClassifier API und Smart Linkify

Die ML-Modelle, die Entitäten in Inhalten oder Texteingaben identifizieren, wurden erweitert, sodass sie nun die Erkennung von weiteren Typen (etwa Daten und Flugnummern) über das TextClassifier API unterstützen. Mit Smart Linkify können TextClassifier-Modelle über das Smart Linkify API genutzt werden, einschließlich erweiterter Optionen für schnelle Folgeaktionen.

JobScheduler und Kotlin

Android verwendet JobScheduler als zentralen Dienst für die Verwaltung geplanter Aufgaben oder das Arbeiten in Verbindung mit Doze, App Standby und Background Limits. In Android 9 verarbeitet JobScheduler netzwerkbezogene Aufgaben besser für den Nutzer und koordiniert sie mit den von den Carriern separat bereitgestellten Netzwerkstatussignalen. Jobs können nun die geschätzte Datengröße deklarieren, Signal-Prefetching durchführen und detaillierte Netzwerkanforderungen angeben – Carrier können Netzwerke als überlastet oder nicht gemessen melden. Der JobScheduler verwaltet dann die Arbeit entsprechend dem Netzwerkstatus.

Darüberhinaus wird Kotlin ab sofort offiziell als Sprache „ersten Ranges“ genutzt, die Unterstützung und Performance sind so auch für Android Pie erneut verbessert worden. Um diese Verbesserung zu erreichen, wurden nach eigener Aussage mehrere Compiler-Optimierungen verbessert, insbesondere diejenigen, die auf Schleifen abzielen. Der Fokus lag also in Sachen Kotlin auf der verbesserten Leistung des Codes. Um den von Kotlin erstellten Code zu optimieren, wird die Zusammenarbeit mit JetBrains fortgesetzt. Die aktuellsten Verbesserungen der Performance von Kotlin können genutzt werden, indem das entsprechende Plug-in von Android Studio auf dem neuesten Stand gehalten wird.

Mehr Sicherheit und Privatsphäre

Auch auf Sicherheit und Privatsphäre hat Google seinen Fokus gelegt. Neben neuen biometrischen Sensoren zur Authentifizierung, hat Android 9 zusätzlich zum Fingerabdruck, die Gesichts- und Iris-Authentifizierung eingeführt. Zudem verlangt Android Pie eine geschützte Bestätigung, um sicherzustellen, dass ein bestimmter Prompt-String vom Benutzer angezeigt und bestätigt wird.

Für sichere Transaktionen und das Bezahlen über NFC bringt Android 9 eine Implementierung des GlobalPlatform Open Mobile APIs. Auf unterstützten Geräten können Anwendungen über das OMAPI-API auf sichere Elemente (SE) zugreifen, um Bezahlvorgänge über Smart Cards und andere sichere Services zu ermöglichen. Eine Hardware-Abstraktionsebene (HAL) stellt hierbei das zugrundeliegende API für die Aufzählung der verschiedenen verfügbaren sicheren Elemente (eSE, UICC und andere) bereit.

Zum Schutz der Privatsphäre nutzt das Release DNS über TLS, DNS Queries werden auf TLS gestellt, wenn der jeweilige DNS Server eines Netzwerks dies unterstützt. Dadurch wird die gesamte Kommunikation geschützt und privat gehalten. Außerdem beschränkt Google den Zugriff auf Mikrofon, Kamera und alle SensorManager-Sensoren, die sich im Leerlauf befinden.

Apps fit für Android 9 machen

Gerade für Entwickler ist es wichtig, ihre Anwendungen für Android 9 kompatibel zu machen. Daher ist es besonders wichtig, auf die Verwendung von Nicht-SDK-Schnittstellen zu achten, da Android Pie den Zugriff auf ausgewählte Nicht-SDK-Schnittstellen einschränkt, man sollte sich also möglichst nicht mehr auf sie verlassen. Um sicher zu gehen, dass alle Anwendung ohne Zwischenfälle laufen, besteht die Möglichkeit die aktualisierte App von Google Play auf einem Gerät oder Emulator mit Android 9 zu installieren.

Aktuell nur für Pixel-Geräte

Android 9 steht bislang nur für Pixel-Nutzer zu Verfügung und soll bis Ende des diesjährigen Herbstes auch für andere Geräte, die am Betaprogramm teilgenommen haben (etwa Geräte von Sony Mobile, Xiaomi, HMD Global, Oppo, Vivo, OnePlus und Essential), sowie alle qualifizierten Android-One-Geräte verfügbar sein.

Eine vollständige Übersicht über die neuen Features von Android Pie gibt es auf dem Android Developer Blog.

Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann studiert Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit Februar 2018 arbeitet sie in der Redaktion der Software & Support Media GmbH. Nebenbei ist sie als freie Journalistin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einem regionalen Radiosender gesammelt.
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