Agile-Expertenrunde mit Kim Duggen

„Wenn ich nicht das richtige Menschenbild habe, wird jede Einführung von Agilität scheitern“

Hartmut Schlosser

Kim Duggen

Auf dem Agile Day der JAX 2018 trafen wir uns mit den Sprechern für eine Expertenrunde. Mit Kim Duggen sprachen wir darüber, was Agilität ausmacht und warum selbstorganisierte Teams so gut geeignet sind, Lösungen für komplexe Probleme zu entwerfen.

JAXenter: Die agile Bewegung ist weit gekommen – von der Grassroot-Bewegung bis zum heutigen Mainstream. Was hat dich persönlich an der agilen Bewegung fasziniert? Was ist für dich das Spannende daran?

Ich würde nicht unterschreiben, dass Agilität und Mainstream in einem Satz zu nennen sind.

Kim Duggen: Zunächst ein kurzer Exkurs in die Bedenkenträgerrolle: Ich würde nicht unterschreiben, dass Agilität und Mainstream in einem Satz zu nennen sind. Außerdem stört mich an unserem Ausbildungssystem, dass ich trotz Diplom- und Masterstudium erst 2011 nach meinem Einstieg bei oose von Agilität erfahren habe.

Was mich daran aber vor allem fasziniert hat, ist, dass sich die agilen Werte einfach mit meinen persönlichen Werten größtmöglich überdecken.

JAXenter: Vielen klassischen Unternehmen fällt es schwer, agil zu werden. Weshalb ist das so?

Kim Duggen: Das größte Problem in der Transformation von klassisch zu agil ist aus meiner Sicht das Folgende: Agilität wird nicht eingeführt, weil ein Unternehmen sich bewußt ist, welche Herausforderungen es im klassischen Stil nicht ausreichend addressiert und daher eine Veränderung notwendig ist. Stattdessen will man agil werden, weil „jetzt alle Agilität machen“ oder „weil es schnell zu Ergebnissen führt“. Ein weiteres Problem ist, dass vor allem im Management unterschätzt wird, welchen Paradigmenwechsel man sich ins Haus holt. Wenn ich nicht das richtige Menschenbild habe und meine Werte nicht mit den agilen konform gehen, wird jede Einführung scheitern!

JAXenter: Auf dem Agile Day der JAX hattest du eine Session mit dem Titel „Qualitätssteigerung durch selbstorganisierte Teams – (k)ein Widerspruch?“ Nun ist die Selbstorganisation an sich kein Garant für eine Qualitätssteigerung. Weshalb sind selbstorganisierte Teams aus deiner Sicht dennoch besser geeignet, die Qualität einer Software zu steigern, als hierarchisch von oben gesteuerte Gruppen?

Kim Duggen: Gut funktionierende Teams, in denen jeder Skills mitbringt, es Freiraum gibt, Bedenken und vor allem Ideen zu äußern und Entscheiden/Denken nicht von Handeln getrennt wird, ist hervorragend dazu geeignet, in unserer komplexen Welt Probleme zu identifizieren und passende Lösungen zu entwickeln. Außerdem steht jedes Team wirklich hinter einer Lösung, wenn es selber Einfluss auf das Ergebnis hatte – keine „wenn man mich gefragt hätte, hätte ich gleich sagen können, dass das nicht funktioniert“-Mentalität, sondern echte Verantwortungsübernahme von allen!

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JAXenter: Wie schafft man es, in selbstorganisierten Teams die Qualität zu steigern? Hast du da vielleicht einige Tipps aus deiner Praxis?

Kim Duggen: Tipps aus der Praxis: aktive Einladung zu Partizipation, vor allem von denen, die an der „Front“ sind, also Kunden und Markt am besten verstehen, mittels Werkzeugen, die Kreativitätsprozesse und Partizipation ermöglichen: z.B. Design Thinking, Liberating Structures, Effectuation und Art of Hosting.

JAXenter: Welcher aktuelle Trend in der agilen Bewegung findest du momentan besonders spannend?

Kim Duggen: Ich beschäftige mich gerade mit dem Phänomen „Schwarmdumm“ (nach Günther Dück). Also: Wie gehen wir damit um, dass uns als Gruppe nicht bewußt ist, was wir nicht wissen, Fehler nicht erkennen, Chancen nicht wahrnehmen, etc.

Wie gehen wir damit um, dass uns als Gruppe nicht bewußt ist, was wir nicht wissen?

JAXenter: Was war die Kernbotschaft deiner Session, die jeder mit nach Hause nehmen sollte?  

Kim Duggen: Selbstorganisierte Teams brauchen auch Struktur, nur muss diese im Team gemeinsam entwickelt und ständig überprüft und angepasst werden, um die Vorteile moderner Organisationsstrukturen zu erreichen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Nach einigen Jahren Berufserfahrung in Prozess- und Organisationsabteilungen verschiedener Unternehmen ist Kim Nena Duggen als Trainerin und Beraterin im Bereich Ausbildung und Coaching von Fachabteilungen rund um die Themen Unternehmensarchitektur, Organisationsentwicklung und Softskills bei der Firma oose Innovative Informatik eG tätig. Als gewählter Vorstand lebt sie Selbstorganisation auch in der eigenen Praxis.

 

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Kommentare
  1. Abrasax2018-05-16 08:32:01

    Es tut mir leid, wieder einmal motzen zu müssen.
    Ist es möglich im agilen Spektrum in Deutschland Deutsch zu formulieren, zu reden und zu schreiben, oder ist agil nur möglich, wenn man ein Kauderwelsch an einer unmöglichen Mischung von Englisch, Deutsch und Denglisch verwendet?

    Beispiel: Design Thinking, Liberating Structures, Effectuation und Art of Hosting

    Das ist doch bitteschön unmöglich. Wohin soll denn das führen? Irgendwelche Patsch, Patsch, Patsch Begrifflichkeiten hinwerfen, die nur die Agil-Eingeweihten verstehen. Auf diese Weise lässt sich die Akzeptanz für das agile Zusammenarbeiten mit Sicherheit nicht erhöhen. Jedenfalls nicht bei mir, was Ihnen aber wahrscheinlich eh egal ist. Ich kenne aber noch einige Menschen mehr, denen diese unüberlegte Auslands-Sprachen-Benutzung total auf den Geist geht und das sind keine Dummköpfe und auch keine Ewiggestrigen.

  2. Frank2018-05-17 09:29:54

    Wenn ich einen Kommentar lese, der dazu auffordert, in Deutschland Deutsch zu formulieren und dieser Kommentar hat selbst keine korrekte Kommasetzung (hinter möglich) - jeder hat halt seine Schwerpunkte, wo er andere belehren möchte.
    Aber eigentlich kann ich zustimmen. Sowas wie 'Liberating Structures' mag ich auch nicht lesen.

    Was mich interessieren würde, wäre eine genauere Ausführung von den 'agilen Werten', die sich GRÖSSTMÖGLICH mit persönlichen Werten überdecken. Was sollen dies für Werte sein? Teamfähig usw.? Oder plädiert sie dafür, für agile Teams nur Mitarbeiter mit speziellen Charaktereigenschaften einzusetzen? So eine Aussage scheint ja dafür zu sprechen, dass da Erfahrungen dahingehend bestehen, dass 'normale' Entwickler-Teams nicht automatisch agil-fähig sind.
    Also soll man vor Einführung von Agilität erstmal einige Mitarbeiter rausschmeissen oder austauschen? Anhand welcher Kriterien?

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