PDFs erstellen war gestern

Acrobat 8 Professional

Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska

Adobe Acrobat ist mittlerweile so vielseitig geworden, dass sich fast jeder etwas anderes von der neuen Version erhofft hatte. In diesem Artikel wird Acrobat 8 Professional in der finalen deutschen Fassung intensiv auf Herz und Nieren geprüft und über die Resultate berichtet.

Einige der am stärksten ausgebauten Funktionen betreffen die PDF-Erstellung in Acrobat und anderen Applikationen. Mit der PDF-Erstellung ist es wie im Beispiel mit den guten und den schlechten Schuhen; entweder bieten sie erheblichen Komfort und man nutzt sie gerne oder sie drücken hier und da, sodass man sie kaum (ver)trägt. Die PDF-Erstellung klappt entweder so einfach und selbstverständlich, dass sie wie ein guter Schuh „sitzt“, oder sie ist so umständlich, dass sie im Keller ungenutzter Funktionen Staub sammelt. Adobe wollte – nicht zuletzt auch im eigenen Interesse (nämlich der wachsenden Verbreitung qualitativ hochwertiger PDFs zuliebe) – die Erstellung von PDF-Dokumenten aus einer Vielzahl gängiger Applikationen möglichst komfortabel gestalten und hat sich dabei selbst übertroffen.

Methoden zum Erstellen von PDF-Dokumenten wurden verfeinert und ausgebaut. Acrobat 8 kann PDF-Dokumente durch Datenimport, das Erfassen von Webseiten, das Erfassen der Bildschirmausgabe und das Einscannen von Papierseiten erstellen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Daten aus diversen gängigen Applikationen, darunter PDF-Dateien aus Microsoft Office, Outlook, Internet Explorer, Access, Publisher sowie Lotus Notes, mittels PDFMaker innerhalb der Applikationen per Mausklick im PDF-Format zu erfassen (diese Funktion wird in Adobe Acrobat Standard, Professional und Acrobat 3D geboten).

Ein lange gehegter Wunsch vieler Anwender wurde erfüllt, indem Acrobat nun das Erstellen eines neuen PDF-Dokumentes, ausgehend von einer leeren Seite bietet (DATEI | PDF ERSTELLEN | AUS LEERER SEITE). Adobe Acrobat 8 verhält sich hierbei wie ein gewöhnlicher Texteditor und erlaubt sowohl die Texteingabe und -formatierung als auch das Festlegen der Seitendimensionen.

Benutzer von Acrobat 8 Professional und Acrobat 3D Version 8 können außerdem ihre Projekte in AutoCAD (leider nur unter Windows), Microsoft Visio und Microsoft Project per Mausklick in PDF-Dateien erfassen. Dabei werden Ebenen in technischen Zeichnungen aus AutoCAD und Visio sowie Objektdaten aus Visio korrekt in PDF-Dateien übertragen.

Mittlerweile kann man eine beachtliche Anzahl fremder Datenformate direkt in Adobe Acrobat 8 einlesen ohne die Ursprungsapplikation persönlich bemühen zu müssen. Dazu zählen erstmals Adobe InDesign-Satzdateien (falls in InDesign CS2 installiert). Die Parameter des Vorgangs kann man in den Grundeinstellungen im Abschnitt In PDF konvertieren eintragen.

Der Datenimport in Acrobat 8 unterstützt u.a. das Zusammenführen unterschiedlicher Dateitypen mithilfe eines übersichtlichen Assistenten, der mit dem Befehl DATEI | DATEIEN ZUSAMMENFÜHREN … aufgerufen werden kann. Erstmals gelingt so nicht nur die Erstellung von gewöhnlichen PDF-Dateien, sondern auch das Erzeugen von PDF-Paketen, eines mit Acrobat 8 neu eingeführten Typs von Dokumenten.

PDF-Pakete in Acrobat 8 „schnüren”

Bei einem PDF-Paket handelt es sich im Grunde genommen um einen Stapel von PDF-Dokumenten und anderen unterstützten Datenformaten, die in einem digitalen Umschlag gebündelt wurden. PDF-Pakete beinhalten ein Deckblatt zur Information, eine eigene Navigationsleiste und ein Übersichtsfenster, aus dem man auf die eigentlichen (PDF)-Dokumente zugreifen kann.

Der Vorteil von PDF-Paketen gegenüber gewöhnlichen PDF-Dokumenten ist die Möglichkeit, in einem PDF-Paket einen Mix aus PDF-Dateien mit verschiedenen Eigenschaften, insbesondere mit verschiedenen Sicherheitseinstellungen, zu verbinden. Anders als im Falle einer Dateianlage muss man die Dokumente nicht extrahieren. Sicherheitsfunktionen von Adobe Acrobat sind auch auf PDF-Pakete anwendbar; Sicherheitseinstellungen der einzelnen Dateien bleiben davon unberührt. So kann man etwa mehrere zertifizierte Dokumente von unterschiedlichen Gutachtern in einem PDF-Paket zusammenführen und dieses PDF-Paket schützen, ohne die Sicherheitseinstellungen der einzelnen Gutachten ändern zu müssen.

Abb. 1: Dateien zusammenführen: Acrobat 8 kann Dokumente in allen unterstützten Dateiformaten, erstmals auch InDesign-Satzdateien, entweder zu einem PDF-Dokument oder zu einem PDF-Paket zusammenführen.

PDF-Pakete dürften aufgrund der hohen Flexibilität und intuitiven Benutzung schnell breite Akzeptanz gewinnen, da sie dem Anwender erlauben, mehr Ordnung und System in die Arbeit mit digitalen Dokumenten einzuführen, ohne die aktuelle Arbeitsweise wesentlich zu verändern. PDF-Pakete können im kostenlosen Adobe Reader 8 zwar nicht erstellt, aber zumindest genutzt werden.

Abb. 2: PDF-Pakete: Der Vorgang wird von einer sehr informativen Übersicht begleitet.
Adobe PDF 8.0 und Acrobat Distiller 8

Aus allen Applikationen, die die Druckausgabe unterstützen, kann man zum Erstellen von PDF-Dokumenten den virtuellen Drucker Adobe PDF 8.0 einspannen (diese Ausgabemethode empfiehlt sich allerdings nur dann, wenn keine PDF-Erzeugung mittels PDFMaker möglich ist). Unter Verwendung des virtuellen Druckers wird die PostScript-Ausgabe der Applikation an Adobe Acrobat Distiller 8 umgeleitet und anhand der PDF-Einstellungen, die im Dialogfenster der Druckfunktion gewählt wurden, in ein PDF-Dokument konvertiert.

Der virtuelle Drucker Adobe PDF 8.0 zieht somit Nutzen aus Neuerungen in Adobe Acrobat Distiller 8. Diese sind zwar nicht weltbewegend, aber dennoch für einige Benutzer von hoher Relevanz. Ausgebaut wurde die Unterstützung für PDF/A und die Verarbeitung von übergroßen Dokumenten. PDF/X-4 blieb in Acrobat Distiller 8 erwartungsgemäß außen vor.

Während die Fähigkeit, PDF-Dateien aus allen möglichen Programmen zu importieren, die einen Druckertreiber ansteuern können, sicherlich lange nichts Ungewöhnliches mehr ist, beeindruckt dennoch die stark verbesserte Qualität der Import- und Export-Filter von Acrobat 8 Professional sehr. Der verbesserte PDFMaker kann in der täglichen Arbeit eine Menge Zeit sparen.

Abb. 3: Werkzeugleisten: Lassen sich maßgeschneidert konfigurieren und ein-/ausblenden
Multimedia und 3D-Daten

PDF-Dokumente können nicht nur QuickTime-Daten, sondern auch Multimediadaten im hauseigenen Adobe-Flash-Format enthalten (aber bisher nur unter Windows).

Adobe Acrobat 8 Professional kann PDF-Dokumente mit 3D-Inhalten erstellen, allerdings kommt hierbei als Quelle lediglich U3D Version 1 in Frage. Wer auf eine Fülle von 3D-Daten-Formaten täglich zurückgreifen möchte, ist wie bisher auch am besten mit Adobe Acrobat 3D bedient. Zu rechnen ist mit Version 8 von Acrobat 3D aber wahrscheinlich erst im ersten Quartal 2007.

Geschrieben von
Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.