Der Embedded Experience Day auf der JAX 2013

Abenteuer M2M: Programmierkunst zum Anfassen

Diana Kupfer

Software is eating the world – Mit dieser Aussage von Marc Andreessen war die JAX-Keynote von Mirko Novacovic betitelt. Und auch sonst zog sich das Bonmot wie ein roter Faden durch das JAX-Programm. Doch wer bei der neuen Embedded-Werkstatt der JAX vorbeischaute oder die eine oder andere Session des Embedded Experience Day verfolgte, der musste den Eindruck gewinnen, dass Hardware die Welt mindestens genauso für sich einnimmt: Wo das Internet der Dinge – der Name sagt es ja schon – sich Bahn bricht und alle erdenklichen Objekte miteinander vernetzt werden, ist Software eben nicht alles, sondern nur so wichtig wie die Dinge, die sie steuert. Da kann man nur sagen: Hardware is eating the world, too!

Im Embedded-Bereich gehen Soft- und Hardwareentwicklung Hand in Hand. Programmiert wird direkt für das Device – in weiten Bereichen in C oder Assembler -, und oft gilt mit Blick auf die Software: Form follows function. Fundierte Kenntnisse der Hardwarekomponenten sind hier eine notwendige Voraussetzung für die Auswahl der richtigen IDEs, APIs und Programmiersprachen. Entwickler, die ihre berufliche Karriere als Maschinenbau-Ingenieure begonnen haben, sind in dieser Domäne eher die Regel als die Ausnahme. Kein Wunder also, dass Eingebettete Entwicklung sich mit grundlegend anderen Problemstellungen beschäftigt, pragmatischere, spontanere Problemlösungen und eine gehörige Portion Bastlermentalität fordert.

Das Schöne dabei ist: Eingebettete Softwareentwicklung ist Programmierkunst zum Anfassen – so das Motto der Embedded-Werkstatt auf der JAX. Und gerade, weil die Konsequenzen einzelner Schritte und Befehle sofort sichtbar sind, ist die Entwicklung nah an der Hardware gerade für den programmierenden Nachwuchs hoch motivierend. So erschließen auch mehr und mehr Berufs- und Freizeit-Pädagogen den Bereich der eingebetteten Entwicklung. Ganz zu schweigen von all den Hackern, Makern und Künstlern, die Mikroplattformen als essenzielles Werkzeug betrachten.

Teilnehmende Beobachter dieser Szene dürfen sich indes sicher sein, dass in Konferenz-Panels über Eingebettete Entwicklung bzw. M2M vor allem eines nicht zu kurz kommt: spannende und originelle Demos für Augen und Ohren.

So ist M2M Industrietrend und Modeerscheinung zugleich. Diesem Trend im Rahmen der JAX Rechnung zu tragen, war den Konferenz-Organisatoren dieses Jahr ein besonderes Anliegen. Umgesetzt wurde es in einem Dreiklang aus einem Embedded Panel (dem „Embedded Experience Day“), einer Embedded-Werkstatt am Rande des Expo-Bereichs sowie einer entsprechenden Keynote von Benjamin Cabé, der zwei der drei Eclipse-Projekte im Bereich M2M betreut.

Gerrit Grunwald: JavaFX auf Embedded Hardware
M2M @ Eclipse

Dass Open Source die Innovation fördert, gerade in komplexen und von Fragmentierung bedrohten Märkten, ist mittlerweile keine Einzelmeinung mehr, sondern Common Sense. Schließlich möchte nicht jeder Anbieter – und das gilt gerade für die zahlreichen Eigenbrötler im M2M-Bereich – das Rad neu erfinden. Auf der anderen Seite profitieren Endnutzer davon, nicht auf immer und ewig an einen einzigen Anbieter gekettet zu sein (Stichwort Vendor-lock-in). Open Source hat sich daher längst vom Experiment zum Mainstream-Innovationsmotor gemausert. Davon zeugt nicht zuletzt der wachsende Erfolg der Eclipse Foundation, auf deren Community-basierte Technologien mittlerweile zahlreiche große Player zurückgreifen. Aushängeschild im Cloud-Bereich ist etwa SAPs NetWeaver-Plattform, die Komponenten aus dem Eclipse-Virgo-Projekt (Nano Web) verwendet.

Schön und gut – trotzdem liegt noch eine nicht zu verachtende Kluft zwischen der Erkenntnis, dass offene Standards das Ideal schlechthin sind, und der Umsetzung solcher offener Standards. So jung und aufbruchbereit der Bereich M2M auch sein mag, so träge agieren wichtige Hersteller und Anbieter von Embedded-Lösungen – gerade die alteingesessenen -, wenn es darum geht, einen gemeinsamen Nenner zu erarbeiten. Viele alteingesessene Unternehmen haben den Wert von Community-getriebener Entwicklung zwar erkannt, geben aber erst nach und nach alten proprietären Gewohnheiten etwa durch Einführung einer offenen Entwickler-Plattform auf. Immerhin: Es bewegt sich etwas – zum Beispiel durch Institutionen wie das gerade gegründete OASIS-Komitee, das das auf dem Publish-Subscribe-Prinzip basierende Telemetrie-Protokoll MQTT als neuen Standard diskutiert. Und es gibt einzelne Pragmatiker, die ohne große Vorrede Nägel mit Köpfen machen und innerhalb eines Jahres ein komplettes Toolset inklusive Runtime-Technologie und Protokollunterstützung für Open-Source-M2M-Lösungen erarbeiten.

Zu diesen Pragmatikern zählt Benjamin Cabé, seines Zeichens Open Source Evangelist bei Sierra Wireless. In seiner Keynote skizzierte er die grundlegenden Probleme (Fragmentierung, Komplexität, Lock-ins) und möglichen Einsatzszenarien von M2M (Energiewirtschaft, Transport, Einzelhandel, Gesundheitsmarkt) und gab im Anschluss eine Demo dessen, was sich in vergangenen Jahren unter dem Dach der Eclipse Foundation zum Thema M2M getan hat. So sind, unter der Federführung von Firmen wie Sierra Wireless, IBM und Eurotech, die Projekte Paho, Koneki und Mihini entstanden (siehe dazu auch die Ausgaben 5.12, 6.12, 1.13 des Eclipse Magazins). Deren Zusammenspiel führte Cabé in einer Live-Demo mit einem Raspberry Pi, einer LED-Lichterkette, dem Linux-basierten Framework Mihini und einem von Eclipse gehosteten Message Broker vor. Besonders beeindruckend war die Steuerung der LED-Farbleuchten per Tweets mit dem Hashtag #jaxcon, die an Cabés Twitter-Account (@kartben) gesendet wurden. Hier war die Kreativität des gesamten JAX-Publikums gefragt – eine farbenfrohe Bestätigung der Aussage Steve Jobs‘, mit der Cabé seine Keynote eingeleite hatte: „Creativity is just about connecting things“.

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Diana Kupfer
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