Ackern im Akkord

Die 80-Stunden-Woche in Startups: Kann das gutgehen?

Michael Thomas

© Shutterstock.com/gualtiero boffi

Insbesondere wenn wichtige Deadlines anstehen, verlangen manche Startups von ihren Programmierern teils extreme Wochenarbeitszeiten. Bei einigen stellt die 80-Stunden-Woche gar über einen längeren Zeitraum den Normalzustand dar. Ist das überhaupt machbar? Ein aktueller Blogpost auf Developer Base sucht Antworten.

Einen elementaren Tipp gibt der Autor den Gründern  und allen anderen in verantwortungsvollen Positionen – gleich zu Beginn mit auf den Weg: Vorbild sein! Das heißt: Verlangen sie von ihren Mitarbeitern einen zeitlich hohen Arbeitseinsatz, sollten sie definitiv selbst als erste kommen und als letzte gehen. Alles andere könnte zumindest als unverschämt gewertet werden.

Ein nächstes Stichwort ist das Mikromanagement. Manch ein Programmierer empfindet es als frustrierend, mitunter sogar als beleidigend, wenn er von einem Vorgesetzten, der sich nachweislich in der Materie weniger gut auskennt als er selbst, mit detaillierten Vorgaben an der kurzen Leine gehalten wird, anstatt der Herr über die Features zu sein, an denen er arbeitet.

Der nächste wichtige Faktor ist  wie so häufig  das liebe Geld. Eine Frage, die sich Startup-Gründer stellen sollten ist deshalb: Ist die Kapitalbeteiligung  wenn sie den Mitarbeitern denn eine gewähren – real, besteht sie also in einem festen Prozentsatz an Unternehmensanteilen, oder werden den Mitarbeitern lediglich Phantomaktien angeboten? Vor allem wenn man die doppelte Produktivität verlangt, sind letztere kein besonders fairer Tausch.

Im Zeitalter des Burnouts beherrscht das Thema „Work-Life-Balance“ regelmäßig die Medien. Zu recht: Verlangt man einem Menschen ein hohes Maß an herausfordernder Wissensarbeit, so hat dies massive negative Auswirkungen auf die Energie, die dem Individuum in seiner (knappen) Freizeit zur Verfügung steht, was wiederum massive negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das soziale Leben hat. Dies von einem Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum zu verlangen, verbietet deshalb eigentlich schon der Anstand. Ganz davon abgesehen, dass nach einer gewissen Stundenzahl eigentlich keine qualitativ hochwertige Arbeit erwartet werden kann – der Preis für eine erreichte Deadline ist mitunter also eine höhere technische Schuld.

Wenn es nicht anders geht

Wie gezeigt, sollte eine massive Arbeitsbelastung niemals die Regel darstellen, zumindest nicht über einen längeren Zeitraum. Wenn es jedoch einmal gar nicht anders gehen sollte, besteht, wie eingangs erwähnt, das A und O darin, dass die Führungspersönlichkeiten mit gutem Beispiel vorangehen und die Mitarbeiter entsprechend motivieren. Am einfachsten ist dies natürlich, wenn diese glücklich sind.

Der klassische und häufig praktizierte Weg, dies zu erreichen, besteht darin, Geld als Köder einzusetzen. Da Menschen nun einmal emotionale Wesen sind, wird dies auf lange Sicht jedoch nicht ausreichen. Ein ungleich größerer Faktor, der der Zufriedenheit in die Hände spielt, ist das persönliche Wachstum: Hat ein Mensch das Gefühl, an etwas mitzuarbeiten, dass ihn persönlich oder in seiner professionellen Tätigkeit voranbringt, ist er automatisch zufriedener. Ein weiterer  vielleicht entscheidender, dafür auch am schwersten zu erreichender  Motivator ist das Gefühl, dass die eigene Arbeit tatsächlich etwas bewirkt, quasi einem übergeordneten Zweck dient, anstatt bloße, stumpfe Routinearbeit zu sein.

Aufmacherbild: businessman fall in a huge hamster wheel von Shutterstock / Urheberrecht: gualtiero boffi

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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