6 Mythen zur Produktivität: Wenn ich fünf Mal produktiver bin als mein Kollege, warum verdiene ich dann nicht fünf Mal so viel?

Judith Lungstraß

Dass die einzelnen Mitarbeiter eines Unternehmens nur selten in gleichem Maße produktiv sind, ist alles andere als ein Mythos. Dennoch gibt es meist nur geringfügige Unterschiede, was die Gehälter dieser auf unterschiedliche Art und unterschiedlich effektiv arbeitenden Mitarbeiter angeht. Wahrscheinlich hat sich jeder ambitionierte Entwickler schon einmal die Frage gestellt: Wenn ich fünf Mal produktiver bin als mein Kollege, warum bekomme ich nicht eine fünffache Summe an Gehalt? Die Vergütung der tatsächlichen Leistung entsprechend ist nicht nur in der IT-Branche ein vieldiskutiertes Thema – Steve McConnell entlarvt in seinem Blog sechs Mythen zu diesem Thema.

Mythos Nummer eins: Mein Kollege bekommt das, was er verdient.

Fakt ist: Wenn Ihr Kollege fünf Mal weniger produktiv ist als Sie, sind höchstwahrscheinlich nicht Sie unter-, sondern er überbezahlt. Untersuchungen haben ergeben, dass 20 Prozent aller Mitarbeiter eines Unternehmens keinen erheblichen Beitrag zur Unternehmensleistung beisteuern. Würde das Unternehmen Mitarbeiter prinzipiell nach ihrer Leistung bezahlen, dürften diese eigentlich keinen Cent sehen. Stattdessen basiert das ausgezahlte Gehalt in den meisten Fällen auf der durchschnittlichen Leistung aller Mitarbeiter zusammen genommen.

Mythos Nummer zwei: Produktivität bedeutet Wertschöpfung für das Unternehmen.

Nicht jeder produktive Mitarbeiter schafft auch gleichzeitig mehr Wert für sein Unternehmen als seine weniger produktiven Kollegen. Möglicherweise kann er ja besser mit Kunden umgehen, hat gar mehr Potential, es irgendwann einmal in die Führungsetage zu schaffen, oder hat einen positiven Einfluss auf die Arbeitsmoral der restlichen Belegschaft. Der reine Output eines Mitarbeiters allein muss nicht immer eine gültige Aussage über seinen Wert für das Unternehmen machen.

Mythos Nummer drei: Hohe Produktivität sollte mit hohen Gehälter belohnt werden.

Sie mögen vielleicht einer der produktivsten Mitarbeiter Ihres Unternehmens sein, aber können Sie eine verbindliche Garantie abgeben, dass sich das in Zukunft nicht ändern wird? Eine neue Freundin, ein neugeborenes Baby, Gesundheitsprobleme oder ein neues Hobby könnten Sie ja schließlich von Ihrem nächsten Projekt ablenken und Ihre Produktivität deutlich senken. Wäre es da nicht angebrachter, hohe Produktivität, die ja stets zeitlich begrenzt sein könnte, durch einmalige Boni als durch permanent höhere Gehälter zu belohnen?

Mythos Nummer vier: Unternehmen versuchen, Angestellte nach ihrem Wert zu bezahlen.

In Wahrheit versuchen die meisten Unternehmen gar nicht erst, herauszufinden, wie viel ein einzelner Mitarbeiter zu der Gesamtarbeitsleistung seiner Abteilung beigetragen hat. Die meisten festgelegten Gehälter richten sich nicht danach, wie viel ein Mitarbeiter wert ist, sondern vielmehr danach, wie viel die von ihm bekleidete Stelle wert ist.

Mythos Nummer fünf: Die individuelle Produktivität eines Mitarbeiters kann exakt gemessen werden.

In einer lebendigen Arbeitsumgebung ist eine Messung der Leistung einzelner Mitarbeiter mehr als nur schwierig, ja sie ist nahezu unmöglich. Beurteilungen sind, wenn sie denn überhaupt durchgeführt werden, in den meisten Fällen rein subjektiv.

Mythos Nummer sechs: Die wenigsten Unternehmen gleichen Gehälter der Produktivität ihrer Mitarbeiter an.

In guten Unternehmen wird durchaus heute schon ein Unterschied gemacht zwischen produktiven und unproduktiven Mitarbeitern. Effizient arbeitende Entwickler können in manchen Unternehmen teilweise schon dieselbe Gehaltsstufe wie Manager erreichen.

Was meinen Sie? Sollten Entwickler nach ihrem reellen Output bezahlt werden oder halten Sie diese Form der Vergütung für unrealistisch und undurchführbar?

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Judith Lungstraß
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