JAXenter: Welche aktuellen Entwicklungen gibt es im Bereich Dependency Injection? Ich denke da an Java EE 7 und das Projekt DeltaSpike.

Lars Röwekamp: Auch wenn CDI unserer Erfahrung nach bereits heute 100% produktionsreif ist, gibt es jenseits der Spezifikation natürlich so einige Aspekte, die man sich als Entwickler noch wünschen würde. Einige davon werden bereits mit CDI 1.1 Einzug in die Spezifikation halten. Andere wiederum finden sich in verschiedensten Open-Source-Projekten – allen voran Apache MyFaces CODI und Seam. Mit dem Projekt DeltaSpike wird nun der gemeinsame Versuch gestartet, all die guten Open-Source-Ansätze in einem Projekt zu vereinen und diese u.a. auch als professionelle „Spielwiese“ für zukünftige Spezifikationserweiterungen zu nutzen. Da wir von dem Erfolg dieses Projektes überzeugt sind, stellt auch open knowledge seine CDI Extensions dem Projekt DeltaSpike zur Verfügung und wird in Zukunft aktiv daran mitarbeiten.

JAXenter: Du sprichst in einem JAX-Panel auch über den „Java-EE-Dschungel“ und darüber, wie man sich in dem riesigen Katalog an Spezifikationen zurechtfindet. Kannst du uns da einen kleinen Vorgeschmack geben und den Lesern ein paar Tricks an die Hand geben, wie man im Java-EE-Dschungel überleben kann?

Lars Röwekamp: Die für mich wichtigste Regel – und da hat sich auch mit Java EE 5 und 6 nichts dran geändert – ist: „Wisse, was du tust.“ Wir erleben immer wieder, dass sehr mächtige Technologien in großen Projekten extensiv eingesetzt werden, ohne dass jemals ein Blick in die Spezifikation geworfen wurde. Gleichzeitig sehen wir, dass eigene Monster-Frameworks gebaut werden, um Probleme zu lösen, die eigentlich gar nicht (mehr) existieren, da sie bereits durch Standard-APIs abgedeckt werden.

Mir ist bewusst, dass ein Java-EE-Einsteiger, -Umsteiger bzw. -Aufsteiger zunächst einmal vor einem scheinbar unüberwindbaren Berg an Spezifikationen und Technologien steht. Wir haben hier mit unseren Kunden die Erfahrung gemacht, dass ein Kickstart-Workshop, in dem die einzelnen Technologien im Zusammenspiel erläutert werden, extrem hilfreich sein kann. Ebenfalls wichtig ist es, die ersten Gehversuche nicht unbedingt an einem unternehmenskritischen Projekt vorzunehmen, sondern wenn irgend möglich im Rahmen eines überschaubaren Projektes Schritt für Schritt Erfahrung aufzubauen. Sollte man dennoch gezwungen sein „im Großen“ zu starten, dann sollte dies unbedingt unter der Mithilfe professioneller Unterstützung geschehen. Regelmäßige Code- und/oder Architektur-Reviews oder gemeinsame Umsetzung von Prototypen sind oft Gold wert – die dafür anfallenden Kosten in der Regel deutlich geringer, als der potentielle Schaden. Letztendlich „kauft“ man sich über diese Maßnahmen die Sicherheit ein, die neuen Technologien und Paradigmen richtig einzusetzen. Dies wiederum führt unserer Erfahrung nach zu einer deutlich erhöhten Selbstsicherheit beim Umgang mit Java EE.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Lars Röwekamp ist Geschäftsführer der open knowledge GmbH und berät seit mehr als zehn Jahren Kunden in internationalen Projekten rund um das Thema Enterprise Computing (Twitter: @mobileLarson).
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